Gegen das Vorhaben eines Landwirts, südlich der Poststeige, an der Abzweigung Eichenstraße, ein Biogas-Heizkraftwerk mit einem 18 Meter hohen Pufferspeicherturm zu errichten, gibt es massive Widerstände im Ort.
Eine Online-Petition gegen das Projekt hat bereits über 160 verifizierte Unterschriften. Auch im Baugebiet „Seefeld 1” wurden laut einer Bürgerin mehr als 140 Unterschriften gesammelt. Außerdem besuchten kürzlich vier Bürger die Gemeinderatssitzung und machten ihrem Ärger Luft. Den Anwohnern in der Nachbarschaft des Planungsgebiets erschien das Speichervolumen von über 2000 Kubikmetern als überdimensioniert. Auch der prominente Standort wurde kritisiert. Der Turm würde dort nicht nur in der Nähe von Wohnbebauung liegen, er wäre auch aus mehreren Richtungen gut zu sehen, würde das Ortsbild prägen und genau in der Sichtachse auf das Crailsheim’sche Wasserschloss liegen.
Die Verfasser der Petition sehen dies genauso. Auf der Plattform change.org prangern sie an, dass die Anlage die Landschaft als Paradies für Wanderer und Naturliebhaber zerstören würde. „Dieses Projekt würde nicht nur einen Schandfleck in unserer schönen Gemeinde hinterlassen, sondern auch unser stolzes Kultur-Schloss in den Schatten stellen“, heißt es.
Neben dem Blockheizkraftwerk und dem Wärmepufferspeicher sind eine eigenständige Stromübergabestation sowie Betriebsgebäude geplant. Realisiert werden soll damit ein Wärmenetz, das 45 Anwesen versorgt. Die Hausbesitzerinnen und -besitzer haben sich dafür zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen. Gemeinderat und Bürgermeister befürworten das Vorhaben grundsätzlich – gerade vor dem Hintergrund der kommunalen Wärmeplanung, deren Erstellung auch für kleine Kommunen bis 2028 verpflichtend ist und die den Fokus auf klimafreundliche Energien legen soll. Außerdem will Rügland vier kommunale Liegenschaften anschließen.
Schicktanz äußerte Verständnis für die erregten Besucher und ihr Anliegen und beschwichtigte: final entschieden sei noch nichts. Aktuell laufe die erste öffentliche Auslegung der Planentwürfe. Eingehende Stellungnahmen würden vom Planungsbüro gesichtet und aufbereitet. Dann fasse der Gemeinderat einen Abwägungsbeschluss. Die Behandlung des Verfahrens zur Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Sondergebiet erneuerbare Energie Rügland und der dafür nötigen Änderung des Flächennutzungsplans steht voraussichtlich im Januar erneut auf der Tagesordnung.
„Die Verwaltungsgemeinschaft hat den Antrag geprüft und uns darüber informiert, dass aus baurechtlicher Sicht nichts gegen die Verwirklichung am vorgesehenen Standort spricht“, so Schicktanz. „Wegen der Höhe hat aber auch der Gemeinderat Bauchschmerzen.“ Außerdem erhalte er täglich kritische Schreiben aus der Bevölkerung. Man wolle daher zeitnah Gespräche mit dem Vorhabenträger und dem Planer führen und versuchen, eine Lösung herbeizuführen, die den Bedenken der Bürgerinnen und Bürger entgegenkommt.
Außerdem werde der Gemeinderat noch vor den Feiertagen einen Ortstermin im Nachbarort Weihenzell wahrnehmen und sich dort eine ähnliche Anlage anschauen. Davon erhoffe man sich Einblicke in die technischen Abläufe. „Allerdings wird es sicherlich nicht möglich sein, es allen recht zu machen“, so der Hinweis des Bürgermeisters.
Bezüglich des Vorhabens kursierten im Dorf außerdem auch viele Falschinformationen und Gerüchte, denen er an dieser Stelle widersprechen wolle. „Beispielsweise ist nicht mit einer erheblichen Zunahme des Schwerlastverkehrs zu rechnen. Der Brennstoff soll nicht per Lkw geliefert werden, dafür wird eine unterirdische Biogasleitung gelegt.“
Im Zuge der öffentlichen Auslegung wurden auch die umliegenden Kommunen zur Abgabe einer Stellungnahme aufgefordert. Der Marktgemeinderat Obernzenn erhebt zwar keine Einwände. Vorhergegangen war jedoch eine engagierte Diskussion, nachdem Ratsmitglied Ralf Spyra ebenfalls seiner Verwunderung über die Dimensionen der Anlage Ausdruck verliehen hatte.
„Mit 18 Metern wird der Pufferspeicher das komplette Tal dominieren – stärker sogar als der Turm der Festung Rosenberg“, gab Spyra zu bedenken. Natürlich seien die Interessen Obernzenns nicht tangiert, er befürchte jedoch eine Art Präzendenzfall. Sinnvoller fände er mehrere kleinere Türme oder die Verlegung ins örtliche Gewerbegebiet. Die Abstimmung über die Stellungnahme des Markts Obernzenn erfolgte dennoch einstimmig – auch Spyra stimmte schließlich zu.