Auch der Markt Dietenhofen macht sich auf den Weg, eine kommunale Wärmeplanung erstellen zu lassen und damit die gesetzliche Vorgabe zu erfüllen. In dem Bereich betrachtet man sich allerdings bereits als gut aufgestellt.
Nach Beschluss des Marktgemeinderats wird die Erstellung der Wärmeplanung ausgeschrieben. Auch die erste Rate der in Aussicht gestellten Ausgleichszahlung des Freistaats soll die Verwaltung beantragen. Mit dem Zuschuss sollten die anfallenden Ausgaben weitgehend gedeckt sein.
Die Bundesregierung hat die Städte und Gemeinden verpflichtet, eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen. Dabei sollen sie festlegen, wie die örtliche Wärmeversorgung künftig aussehen soll – mit Fokus auf erneuerbare und klimafreundliche Energieformen. Kleine Gemeinden haben dafür bis 2028 Zeit – zwei Jahre länger als große Städte.
Wie zweiter Bürgermeister Norbert Koschek als Urlaubsvertretung von Bürgermeister Rainer Erdel erläuterte, gehe man davon aus, dass die notwendigen Untersuchungen im Markt Dietenhofen weniger umfangreich ausfallen müssten als in vielen anderen Kommunen. Denn die Gemeinde verfüge bereits über eine recht detaillierte Wärmeplanung. „Die haben wir bereits zu Beginn der Wahlperiode begonnen, als die ersten Wärmenetze in den Ortsteilen entstanden sind – also lange bevor von der gesetzlichen Pflicht überhaupt die Rede war“, berichtete Koschek.
Dietenhofen sei außerdem Vorreiter in dem Bereich – bereits 1994 wurde ein Hackschnitzelheizkraftwerk zwischen Pestalozzistraße und Meisterweg durch die „Bäuerliche Hackschnitzel Gemeinschaft (BHG)“ errichtet, an der unter anderem Bürgermeister Rainer Erdel beteiligt ist. Damit werden die Kitas Kunterbunt und Schabernack, das Hallenbad, die Tagespflege, das Schulzentrum sowie Teile des Baugebietes um die Albert-Schweitzer-Straße mit Wärme versorgt.
Nach Angaben der Bauverwaltung gibt es außerdem im Kernort sowie in den Ortsteilen Ebersdorf, Neudorf, Kleinhaslach, Kehlmünz, Dietenholz und Oberschlauersbach Wärmenetze. In Dietenhofen werden Anwesen in der Albrecht-Dürer-Straße, der Richard-Wagner-Straße und in der Siedlung Am Weinberg von einem Hackschnitzelheizwerk in der Albrecht-Dürer-Straße versorgt. Betreiber ist die Bioenergie Sommerleite, hinter der Johannes Rudolph aus Oberschlauersbach und Jürgen Würflein aus Herpersdorf stehen.
Weitere Haushalte in den Siedlungen Gutenbergstraße, Röntgenstraße, Schulweg, Höllgraben, Rathausplatz, Bahnhofstraße, Altstraße, Warzfeldener Straße, Petersburg, Haunoldshofener Weg, Rosenstraße, Blumenstraße, Ginsterweg und Hagelsbergweg werden von der Naturwärme Neudorfer Höhe mit Wärme beliefert. Diese wird entweder in einer Biogasanlage in Neudorf oder in einem Hackschnitzelheizwerk in Haunoldshofen erzeugt. Auch das Rathaus, der Bauhof, das Ärztehaus sowie das Feuerwehrhaus und das Sportzentrum an der Ansbacher Straße sind angeschlossen.
Unabhängig von der Bioenergie Sommerleite betreibt die Familie Rudolph über die Rudolph Biostrom Gesellschaft ein eigenes Wärmenetz in Oberschlauersbach. Die Energie für mehrere Anwesen kommt aus der Biogasanlage des landwirtschaftlichen Betriebs im Osten des Ortsteils. Dieses Engagement möchten die Rudolphs nun ausbauen. Um künftig auf den Einsatz von Hackschnitzeln verzichten zu können und zugleich weitere Gebäude im Ortsteil Oberschlauersbach anzuschließen, ist die Errichtung eines Blockheizkraftwerks (BHKW) geplant. Als Standort ist eine landwirtschaftliche Nutzfläche südlich des Ortsteils vorgesehen. Der Abstand zur Wohnbebauung beträgt der Familie zufolge rund 400 Meter.
Das BHKW mit einer Leistung von zwei Megawatt soll per Erdleitung mit Biogas aus dem landwirtschaftlichen Betrieb gespeist werden. Vorgesehen sind außerdem ein Pufferspeicher mit einem Volumen von 1500 Kubikmetern und eine Stromübergabestation.
Dafür hat der Marktgemeinderat im Dezember das baurechtliche Verfahren auf den Weg gebracht. Die erste öffentliche Auslegung der Entwürfe läuft noch bis zum 17. Februar.
Ein Anbieter aus dem Nachbarlandkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim hatte in den vergangenen Jahren außerdem bereits recht konkrete Überlegungen angestellt, ein Blockheizkraftwerk westlich des Kernorts zu errichten. Von dort aus hätte das Neubaugebiet nördlich der Rüderner Straße mit Wärme versorgt werden können. Nach Angaben der Bauverwaltung wird dieses Vorhaben jedoch gegenwärtig nicht weiterverfolgt.