Am 8. März ist Weltfrauentag. Ute Klehr vom Dialogzentrum Franken in Gerhardshofen nahm dies zum Anlass, das Thema Gewalt gegen Frauen ins Blickfeld zu rücken.
Frauen, Mütter, Töchter, Omas und auch Männer waren eingeladen, mit den beiden Kriminalhauptkommissarinnen Annegret Steiger und Kirstin Kasecker als regionale Ansprechpartnerinnen der Polizei für Kriminalitätsopfer ins Gespräch zu kommen. Beide sind auch für den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim zuständig. Zu Klehrs Bedauern ergriff nur eine Handvoll Interessierter die Gelegenheit, sich über das wichtige Thema zu informieren. „Die Opfer trauen sich nicht – und es wird gerne verdrängt“, mutmaßte Kirstin Kasecker, Leiterin der Abteilung Sexualdelikte in Ansbach und regionale Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer.
Annegret Steiger ist als Präventionsbeamtin in Fürth Ansprechpartnerin für Gewaltopfer. Eine Beratung kann auch stattfinden, ohne etwas über den Fall preiszugeben, schickte sie voraus. Die „Bibel des Opferschutzes“ sei die Istanbul-Konvention, die 2018 in Kraft trat und in der sich derzeit 45 Mitgliedstaaten zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt verpflichten. Übrigens auch zur Gewalt gegen Männer, wie Steiger betonte.
„Wir haben sehr gute Opferrechte, aber niemand kennt sie”, so Steiger. Ein Instrument sei unter anderem die Wohnungszuweisung. „Selbst wenn dem Mann die Wohnung oder das Haus gehört, muss er gehen”, konkretisierte sie. Trotz vieler Möglichkeiten ist es oft ein langer Weg. „Sieben Anläufe braucht eine Frau, bis sie sich von ihrem Mann trennen kann”, weiß Steiger. Zehn Jahre habe eine Frau einen Flyer zur Gewalt gegen Frauen neben ihrem Bett aufbewahrt, bevor sie zu ihr in die Beratung kam.
308 Femizide hatte es im Jahr 2024 in Deutschland gegeben, davon sind 191 Fälle durch Partner, Ex-Partner oder Familienmitglieder verübt worden, machten die beiden Kommissarinnen deutlich. Ein sexistisches Geschlechter- und Rollenverständnis sei meist die Ursache geschlechtsbezogener Gewalt. Fast in allen Gewaltfällen mit Todesfolge wurde die Tat vorher angekündigt. Kasecker: „Es waren alles geplante Taten.” Auch wenn die Kriminalitätsrate im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim niedrig ist: Nur wenige Schritte vom Dialogzentrum Franken erinnert eine Gedenkstätte an der Aisch an den Fall Nadine K., die 2013 von ihrem Bräutigam ermordet wurde.
Die traurige Nachricht: Die Fälle von Gewalt gegen Frauen nehmen zu. Die Anzahl der Beratungen in Fürth habe sich in den vergangenen Jahren auf derzeit rund 600 im Jahr verdoppelt, betonte Kriminalhauptkommissarin Steiger. Und Kasecker schob nach: „Ich habe noch nie so viele Täter wie jetzt einsperren müssen.”
2012 hatte es eine Novellierung des Sexualstrafrechts gegeben. Seither gilt: „Nein heißt Nein!” Es müsse kein aktives Wehren mehr sein, verdeutlichte Steiger. In der Praxis sei dies jedoch schwer umsetzbar, sagte Kasecker, denn für die Polizei sei die Sachlage nicht immer leicht erkennbar.
Steiger machte auf die vertrauliche Spurensicherung als wichtiges Instrument aufmerksam. Dabei muss nicht die Polizei eingeschaltet werden. Frauen können sich ans Krankenhaus wenden und vertraulich Spuren sichern lassen. Das Material wird archiviert. So gewinnt die Betroffene Zeit, ihr Leben neu zu sortieren, bevor sie Anzeige erstattet.
Und was kann man tun, um sich zu schützen? „Keine letzte Aussprache in den eigenen vier Wänden“, riet Steiger. Im Trennungsfall Schlösser wechseln, Türen und Fenster sichern, die Telefonnummer wechseln und einen Sperrvermerk im Einwohnermeldeamt veranlassen. Natürlich sollte man dann auch nicht auf Social Media posten, wo man sich gerade aufhält. Im öffentlichen Raum rät Steiger dazu, lieber eine Trillerpfeife als Pfefferspray zu nutzen. Die drei Ls zum Schutz lauten: Lärm, Licht und Leute. „Treten Sie vehement auf und wehren sich”, so Steiger. „Und wenn es geht: Flüchten!”
Opfer von Gewalt können sich an das Beratungstelefon in Ansbach unter 0981/9094319 oder in Fürth 0911/75905317 wenden.