Es gibt nicht die eine Ursache für den Mangel an Fachkräften im Pflegebereich. Die Folgen zeigen sich auch im Landkreis Ansbach. Nicht alle Plätze können belegt werden, weil das Personal fehlt. In manchen Einrichtungen stehen zwischen zehn und 30 Betten leer.
Die Situation in der Region wird sich weiter verschärfen. Denn, so das Ergebnis der Nachfrage viele Pflegekräfte gehen kurz- oder mittelfristig in Rente und hinterlassen damit eine große Versorgungslücke. Hinzu kommen Gründe wie demografischer Wandel, fehlender Nachwuchs, Arbeitszeiten, Bürokratie, Bezahlung, emotionale Belastung.
Gleichzeitig ist der Markt für qualifizierte Kräfte in der Pflege wie leer gefegt. Und das bei ansteigender Zahl von Pflegebedürftigen durch die längere Lebenszeit. Mit den Jahren nehmen Krankheiten und Gebrechen bei den Menschen zu. Das bedeutet, dass viele länger pflegebedürftig sind und die Anforderungen an die Qualität der Pflege dadurch steigen.
In Flachslanden, Schopfloch und Sachsen bei Ansbach wurden beziehungsweise werden neue Häuser gebaut und eröffnet. „Deren Bedarf ist unumstritten“, so Fabian Hähnlein, Pressesprecher des Landratsamtes Ansbach. Er spricht von einer „großen Problematik“, Pflegekräfte für die Senioren- und Pflegeheimen des Landkreises Ansbach gewinnen zu können.
Der Landkreis betreibt in Feuchtwangen und Wassertrüdingen selbst Einrichtungen. Fachkräfte beziehungsweise Fachhelfer mit einjähriger Ausbildung würden „dringend benötigt“. Im Senioren- und Pflegeheim Feuchtwangen sind aktuell 29 Vollzeitkräfte in der Pflege tätig. In Wassertrüdingen seien es 28 Vollzeitkräfte. Hier sei die Ausstattung mit Personal „ausreichend“, so Hähnlein, um das Haus vollständig belegen zu können. In Feuchtwangen wären für eine komplette Bettenauslastung fünf weitere Vollzeitkräfte erforderlich.
Am Landratsamt Ansbach gibt es eine eigene Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen. Sie ist Anlaufstelle für Heimbewohner, Angehörige und Betreuer. Ihre Aufgabe besteht in der Beratung und Information, aber auch in der Qualitätsentwicklung und Aufsicht.
Das Gesundheits- und Sozialunternehmen Diakoneo sucht ebenfalls „händeringend“ Fach- und Hilfskräfte für Pflegebedürftige. „Das ist einer der Gründe, warum wir selbst ausbilden“, erläutert Pressesprecher Dr. Stefan Bießenecker.
An den Berufsfachschulen für Pflege in Neuendettelsau, Schwabach, Fürth, an der Kreisklinik Roth und der Münchner Straße in Roth sowie Lauf a.d. Pegnitz und Strüth bei Ansbach bietet Diakoneo generalistische Pflegeausbildung an, die es den Absolventinnen und Absolventen ermöglicht, später in allen Fachbereichen der Pflege tätig zu werden. Außerdem bietet Diakoneo in Roth, Strüth und Lauf auch die Ausbildung zum Altenpflegehelfer/zur Altenpflegehelferin an.
Rund die Hälfte der Auszubildenden an den Pflegeschulen sind laut Bießenecker im Bereich der Altenpflege stationär oder ambulant tätig. Für das kommende Schuljahr verzeichne man für die Ausbildung Altenpflegehilfe eine „sehr große Nachfrage“.
Man werbe auch gezielt Pflegekräfte aus dem Ausland an, um den Fachkräftemangel zu begegnen, erklärt der Diakoneo-Sprecher. Derzeit seien nicht alle Stellen in den Senioreneinrichtungen besetzt. Bei einem Teil der offenen Stellen sei es aufgrund des Fachkräftemangels schwierig, Bewerber zu finden.
Die Dauer der Stellenbesetzung hänge von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Region in der und dem Zeitpunkt, zu dem die Positionen zu besetzen sind. Sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich dauere es heute länger, eine offene Stelle wieder zu besetzen. Im Bereich der Tagespflege hingegen gelinge die Personalgewinnung in der Regel schneller und einfacher, so Bießenecker. Das liege vor allem daran, dass es dort keine Schichtdienste gibt und die Mitarbeitenden feste Arbeitszeiten mit einem geregelten Tagesablauf haben.
Ein Mangel an Pflegekräften und steigender Bedarf veranlassen Einrichtungsträger zum Teil, keine neuen Patienten mehr aufzunehmen und Betten leer stehen zu lassen. Dadurch fehlen ihnen Einnahmen und ein finanzielles Polster in der Kostenstruktur.
Ab einem gewissen Punkt sei es auch nicht mehr möglich, unbesetzte Stellen mit vorhandenen Personalkapazitäten abzufangen, wie aus Gesprächen mit Mitarbeitern und Führungskräften hervorgeht. In der Realität zeige sich zudem, dass die fachliche und sprachliche Integration von angeworbenem ausländischen Pflegepersonal in den Alltag mit Zeit und Geduld „erarbeitet“ werden muss.