Das Vitanas-Seniorencentrum Uehlfeld ist um eine historische Fotografienausstellung reicher. Die „kitschigen, abstrakten” Werke mit „aggressiven” Farben haben ausgedient, freut sich Leiterin Izabela Rosinski. „Jetzt passt alles gut zusammen.” Was es mit dem Projekt auf sich hat.
Wer durch das Seniorencentrum spaziert, dem fallen in den Gängen unweigerlich Leinwände auf. Darauf zu sehen: historische Abbildungen aus Uehlfeld, in sanftem Braun-Gold-Sepia gehalten. Die Fotos haben aber nicht nur gestalterischen Wert, sondern sind unter den Bewohnerinnen und Bewohnern auch emotionales Top-Thema. Schließlich kennen viele von ihnen diese Perspektiven und manche der abgebildeten Uehlfelder noch persönlich.
Frühere Bierlieferungen, Schifffahrten auf dem Aischhochwasser bei Voggendorf oder das überflutete untere Torhaus: Der Fundus ist reich, Rosinski dankt in diesem Zusammenhang vor allem Bürgermeister Detlef Genz, der bei dem Projekt helfend zur Seite stand. Schließlich hatten Vertreter der Marktgemeinde bereits für den 900. Geburtstag Uehlfelds solche alten Aufnahmen gesammelt. Von der Kommune erhielt Vitanas auch die Rechte, „sodass wir nichts bezahlen mussten”.
So manches Werk musste allerdings erst digitalisiert werden, „das war gar nicht so einfach”, sagt Patrick Seybold, der Izabela Rosinski bei der Umsetzung tatkräftig unterstützt hat. Das Abfotografieren mussten professionelle Fotografen übernehmen. „Wir haben uns dann Gedanken gemacht, wie wir sie hängen.”
40 bis 45 Fotos, auf Leinwand gedruckt, zieren nun die Flure. „Die Bilder wiederholen sich teilweise”, sagt die Leiterin. Das habe sich nicht vermeiden lassen. Die Idee für das Projekt stammt von Rosinski. Die Gänge haben ohnehin einen neuen Anstrich gebraucht, da habe sie sich Gedanken gemacht, wie man das abstrakte Grauen von den Wänden bekommt. Seybold betont: „Die schrillen Kunstdrucke waren stilistisch nicht passend und haben viel Unruhe in die Flure gebracht.” Damit ist nun Schluss: „Jetzt haben wir eine ruhige und freundliche Atmosphäre.”
Anfangs hatten die Verantwortlichen mit Bildern aus dem Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim geliebäugelt, typisch fränkische Motive eben. Doch das habe sich letztlich als gar nicht so leicht entpuppt. Mit der Ausstellung zum 900. Geburtstag Uehlfelds fiel der Fokus dann auf diese Fotografien, „schließlich haben wir viele Seniorinnen und Senioren aus dem Raum Uehlfeld”, erklärt Rosinski. „Darauf werden Geschichten abgebildet, die die Leute hier kennen.” Und ein Senior im Haus kennt gefühlt alle Menschen, die auf den Abbildungen zu sehen sind.
„Das ist schön”, „Guck mal, das ist das Torhaus” oder „Hier bin ich aufgewachsen”: Die Reaktionen der Seniorinnen und Senioren, aber auch der Gäste sei durchweg positiv gewesen, freuen sich Seybold und Rosinski. „Wir versuchen generell, immer mehr die Brücke zum Ort zu schlagen.” Sei es durch öffentliche Aktionen oder durch Handwerker aus der Region, die bei Sanierungs- oder Reparaturarbeiten zum Zuge kommen. „Da profitiert auch die Region davon”, ist die Centrumsleiterin überzeugt.
Der Eingangsbereich fällt noch ein wenig aus dem Raster, „dessen Sanierung steht dann 2026 an”. Und auch das Kaminzimmer und die Fahrstühle sollen optisch noch aufgehübscht werden. Danach ist das Uehlfelder Vitanas-Heim wieder fast wie neu. „Es ist einfach schön, anzusehen”, sagt Patrick Seybold. Und Rosinski ergänzt: „Die Bewohner sind zufrieden, das zählt.” Auch Uehlfelderinnen und Uehlfelder, die sich für historische Aufnahmen interessieren, „sind in unserer Dauerausstellung willkommen. Das Haus steht offen.”
Für so manchen Angehörigen, beispielsweise aus dem hohen Norden, ist die kleine Ausstellung wie eine andere Welt, erzählt Rosinski. Und wie es der Zufall so will, hatte ein Centrumsbewohner vom Uehlfelder Torhaus-Hochwasser 1941 sogar das Original-Bild in seinem Fotoalbum kleben. Zufälle, die das Leben schreibt. Patrick Seybold und Izabela Rosinski sind jedenfalls hochzufrieden: „Es sind richtige Schmuckstücke dabei, es ist einfach ein Stück Geschichte.”