Seit Oktober werden zukünftige Physiotherapeuten an der PGS Medau Berufsfachschule in Burgoberbach ausgebildet. Jetzt planen Geschäftsführer Gottfried Hois und Schulleiterin Diana Thümmel das nächste Angebot: Im Mai soll ein Anpassungslehrgang für Physiotherapeuten aus dem Ausland starten. Noch sind einige Plätze frei.
„Der Anpassungslehrgang ist für Teilnehmer aus EU- und Nicht-EU-Staaten gedacht, die in ihrer Heimat schon eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich der Physiotherapie gemacht haben“, erläutert Diana Thümmel. Aktuell ist noch die Regierung von Mittelfranken Anlaufstelle für die Anerkennung von Berufsabschlüssen im Bereich Physiotherapie. Ab dem Sommer wechselt die Zuständigkeit zum Bayerischen Landesamt für Pflege.
Wenn ihre Ausbildung in Deutschland nicht anerkannt wird, können ausländische Physiotherapeuten durch den Anpassungslehrgang einen „voll gleichwertigen“ Abschluss erhalten. In anderen Ländern tritt die Theorie im Vergleich zur Praxis laut der Schulleiterin oft in den Hintergrund. Deshalb werden im Lehrgang Inhalte wiederholt, und es wird aufgezeigt, wie man den Beruf in Deutschland ausübt. Dabei geht es auch um Gesetze und Hygienevorschriften.
Voraussetzung für die Teilnahme ist ein Defizitbescheid, der im Rahmen des Anerkennungsverfahrens ausgestellt wird. Darin wird die bisherige Qualifikation bewertet und angegeben, was fehlt. Wünschenswert wäre außerdem, dass die Teilnehmer schon einen Arbeitgeber haben, bei dem sie ihr Praktikum absolvieren können und der gegebenenfalls sogar die Kosten für die Schulung trägt, sagen Thümmel und Geschäftsführer Hois. Ansonsten ist auch die Schule bei der Vermittlung von Praktikumsplätzen behilflich.
Der Anpassungslehrgang bietet 10 bis 15 Plätze, einige Bewerbungen liegen bereits vor. Darunter sind Interessenten aus Osteuropa, dem Kosovo, Albanien, Indien und Afrika. Er dauert 40 Wochen und startet mit einer achtwöchigen Selbstlernphase. Dabei müssen sich die Teilnehmer online theoretische Inhalte aneignen. Der praktische Unterricht findet in der Therapieschule statt. Da die Praxisphase erst nach den Ferien im Herbst beginnt, können auch noch nach dem offiziellen Beginn Bewerber dazu stoßen.
Parallel zum Unterricht absolvieren die Teilnehmer ihr Praktikum. Am Ende des Lehrgangs findet dann ein Abschlussgespräch statt. Anhand eines konkreten Fallbeispiels wird dabei das erworbene Wissen abgefragt. Wer bestanden hat, erhält eine Urkunde, die den erfolgreichen Abschluss bestätigt.
Der Unterricht findet grundsätzlich in deutscher Sprache statt. Zu Beginn des Lehrgangs sei es aber noch keine Voraussetzung, Deutsch auf B2-Niveau zu sprechen, versichert Schulleiterin Thümmel. „Es ist aber später Voraussetzung, um die Urkunde zu bekommen.“ Das bedeutet, die Teilnehmer müssen entweder während des Lehrgangs oder im Anschluss ein entsprechend hohes Sprachniveau erwerben.
Die Qualifizierungsmaßnahme könnte auch für Arbeitgeber eine Chance sein: „Der Fachkräftemangel ist sehr groß“, bemerkt Thümmel. Das betrifft auch den Bereich Physiotherapie, wie das Team in Burgoberbach aus Erfahrung weiß. Die Schulverwaltung würde selbst gern noch Dozenten einstellen, wenn sich geeignete Bewerber melden.
Der zweite Ausbildungsjahrgang für Physiotherapeuten startet im Oktober. Zwar sind die Plätze schon belegt, aber es gibt eine Warteliste. Zudem kann ab Herbst ausbildungsbegleitend ein Bachelorstudium Physiotherapie absolviert werden, berichtet Gottfried Hois. Dazu kooperieren die Burgoberbacher mit der privaten staatlich anerkannten Hochschule Diploma.
Aktuell sei ein Studium für den Beruf des Physiotherapeuten nicht vorgeschrieben – es werde jedoch immer wieder über eine mögliche Vollakademisierung diskutiert, begründet Hois, warum die Qualifikation sinnvoll sein könnte. „Es ist noch nicht klar, was in Zukunft sein wird.“ Auch wer in der Lehre tätig sein wolle, komme um diesen Schritt möglicherweise nicht herum. „Wenn man Fächer wie Anatomie und Physiologie unterrichten möchte, braucht man sogar den Master.“
Der Geschäftsführer und stellvertretende Schulleiter Gottfried „Olli“ Hois (56) ist studierter Sportwissenschaftler und hat einen Master-Abschluss in Gesundheitsmanagement. Er arbeitete viele Jahre im Bereich Physiotherapie und war schon früher als Dozent tätig. Schulleiterin Diana Thümmel (39) ist examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Zusätzlich hat sie ein Bachelor-Studium Gesundheits- und Pflegepädagogik sowie ein Master-Studium Schulmanagement absolviert. Bevor sie die Schulleitung in Burgoberbach übernahm, war sie an Krankenpflegeschulen tätig. Beide unterrichten auch selbst an der Berufsfachschule für Physiotherapie.