Die Zahl der Toten nach den zwei schweren Erdbeben in Venezuela ist laut Angaben der Regierung in Caracas auf 589 gestiegen. Zudem seien 2.980 Menschen verletzt worden, sagte die geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez im Fernsehsender VTV. Noch immer werden jedoch Tausende Menschen unter Trümmern vermutet. Zwei schwere, sehr kurz aufeinanderfolgende Beben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten am Mittwoch den Norden und das Zentrum Venezuelas erschüttert.
Inzwischen läuft internationale Hilfe an, die in dem verarmten südamerikanischen Land dringend benötigt wird. Besonders dramatisch ist die Lage im Bundesstaat La Guaira. Dort sind nach Angaben des venezolanischen Innenministers Diosdado Cabello mehr als 70.000 Familien von den Folgen der Erdbebenkatastrophe betroffen.
Auf Fernsehbildern waren meterhohe Schutthaufen zu sehen, in denen Menschen teils mit bloßen Händen nach ihren Angehörigen suchten. Vereinzelt wurden aber auch immer wieder Verletzte unter Jubel aus den Trümmern gezogen.
In der Nacht auf Freitag landeten bereits mehrere internationale Einsatzteams in Venezuela, darunter Helfer aus dem Nachbarland Kolumbien, aus Mexiko und der Schweiz. Aus der EU ist Hilfe aus acht Mitgliedstaaten mit mehr als 520 Helfern und Rettungshunden unterwegs ins Katastrophengebiet.
Auch die USA brachten Such- und Rettungsmannschaften sowie humanitäre und medizinische Hilfe auf den Weg. Mit „Schnelligkeit, Präzision und unübertroffener Logistik“ seien US-Teams nach Venezuela entsandt, teilte die US-Botschaft in Venezuela mit. „Wir stehen weiter zu Venezuela“.
Im Januar hatte die US-Regierung massiv in die Politik Venezuelas eingegriffen, indem sie den langjährigen Machthaber Nicolás Maduro gefangengenommen und in die USA gebracht hatte, um ihn vor Gericht zu stellen. Seither ist Maduros vorherige Stellvertreterin Delcy Rodríguez geschäftsführende Regierungschefin des Landes.
Die politische Opposition des Landes an der Nordspitze Südamerikas ringt seit Jahren um eine Demokratisierung. Mehrfach scheiterten Versuche, die von Maduro nach dem Tod von Langzeitregent Hugo Chavéz fortgeführte sozialistische Regierung abzulösen. Millionen Venezolaner leben mittlerweile im Exil. Die venezolanische Friedensnobelpreisträgerin und Oppositionsführerin María Corina Machado rief sie auf, angesichts der Katastrophe nach Venezuela heimzukehren: „Wir wollen, dass unsere Kinder, die überall in der Welt verstreut sind, zurück in ein Land kommen, das wir zusammen aufbauen müssen.“
Das jüngste Doppelbeben mit seinen massiven Schäden an Häusern und Infrastruktur könnte die ohnehin bestehenden sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten weiter verschärfen, fürchteten Hilfsorganisationen.
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