Der Deutschen Bahn (DB) steht in der Region eine herbe Niederlage ins Haus. Nach FLZ-Informationen verliert der Konzern ab 2030 die wichtige Ausschreibung „Regionalverkehr Mainfranken” an die Privatbahn Agilis. Zu den Linien in dem Paket zählt auch der Regionalexpress Nürnberg–Würzburg.
Die staatliche Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) koordiniert den Wettbewerb im Nahverkehr auf Bayerns Schienen. Sie hatte die Ausschreibung für den „Regionalverkehr Mainfranken” 2024 gestartet. Im Paket, verteilt auf zwei Lose, sind zahlreiche Zuglinien zwischen Frankfurt, Würzburg, Bamberg und Nürnberg enthalten. Alle Linien bestreitet derzeit die Deutsche Bahn mit ihrer Tochter DB Regio.
Nun soll jedoch der Wettbewerber Agilis mit Sitz in Regensburg den Zuschlag für den zukünftigen Betrieb erhalten – und das in beiden Losen. Davon berichtet die DB in einer internen Mitteilung an die Belegschaft, die der FLZ vorliegt. Demnach prüfe der Konzern noch rechtliche Schritte. Die BEG bestätigte am Dienstag die beabsichtigte Vergabe an die Agilis-Muttergesellschaft Benex auf Nachfrage. Demnach läuft bis 13. Oktober die Einspruchsfrist.
Die Züge im Los 2 sollen dabei als neu geschaffene ”Regio-S-Bahn” rund um Würzburg fahren. Eine Ausdehnung bis in den Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ist dabei derzeit nicht vorgesehen.
Benex ist eine von einem britischen Fonds kontrollierte Betreibergesellschaft, die zahlreiche Verkehrsunternehmen bündelt. Agilis fährt in Bayern seit etlichen Jahren Regionalzüge in Oberfranken und entlang der Donau. Seit Dezember 2024 kommen die grau-grünen Züge auf der Linie Regensburg–Nürnberg auch nach Mittelfranken. Mit dem Gewinn des „Regionalverkehrs Mainfranken” würde die Privatbahn Agilis ihr Auftragsvolumen in Bayern erheblich steigern.
Für die DB dürfte der Verlust des Netzes einen schweren Schlag darstellen. Die Ausschreibung hatte dem Platzhirsch eigentlich in die Karten gespielt: Der künftige Betreiber muss keine Neufahrzeuge bereitstellen, sondern darf gebrauchte Züge aufwenden. Dabei darf das Wagenmaterial für Los 1 nicht vor 2015, für Los 2 nicht vor 2008 gebaut worden sein. Das würde der DB erlauben, ihre bislang eingesetzten Fahrzeuge weiterzuverwenden.
Auf der Expresslinie Nürnberg–Würzburg (RE10), die in Westmittelfranken Emskirchen, Neustadt und Markt Bibart bedient, forderte die BEG mehr Sitzplätze und WLAN in den Zügen: gute Nachrichten für Pendlerinnen und Pendler im chronisch überfüllten RE10. Zusammen mit der Baujahr-Vorgabe sind damit die aktuell hier eingesetzten Züge vom Tisch. Die DB hätte hier jedoch womöglich mit anderem Gebrauchtmaterial rotieren können. Nun kommt es ganz anders.
Wenn der Zuschlag rechtssicher würde, dürfte von Dezember 2030 an Agilis für zwölf Jahre übernehmen. Als Herausforderung gilt aus der Erfahrung der vergangenen Jahre stets, ob es neuen Betreibern gelingt, bis zum Start genügend Personal anzuheuern. Zum anderen führten Neufahrzeuge immer wieder zu rumpeligen Übergangsphasen, wenn Lieferverzögerungen, Zulassungsprobleme oder Kinderkrankheiten auftraten.
Welche Fahrzeuge das Unternehmen vorgesehen hat, ist noch nicht klar. Agilis und die Deutsche Bahn wollten sich auf FLZ-Anfrage zunächst nicht zum Sachverhalt äußern.