Rothenburg: Bruckners Siebte zum Reichsstadt-Jubiläum | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 29.04.2024 15:15

Rothenburg: Bruckners Siebte zum Reichsstadt-Jubiläum

Wurden am Ende bejubelt: das Akademische Orchester der Universität Würzburg und dessen Dirigent Markus Popp nach der Aufführung von Anton Bruckners Siebter in der Reichsstadthalle. (Foto: Thomas Wirth)
Wurden am Ende bejubelt: das Akademische Orchester der Universität Würzburg und dessen Dirigent Markus Popp nach der Aufführung von Anton Bruckners Siebter in der Reichsstadthalle. (Foto: Thomas Wirth)
Wurden am Ende bejubelt: das Akademische Orchester der Universität Würzburg und dessen Dirigent Markus Popp nach der Aufführung von Anton Bruckners Siebter in der Reichsstadthalle. (Foto: Thomas Wirth)

Beim Festkonzert in der Reichsstadthalle kamen gleich zwei Jubiläen zusammen. 2024 feiert Rothenburg „750 Jahre Reichsstadt“ und die Musikwelt den 200. Geburtstag von Anton Bruckner. Das Akademische Orchester der Universität Würzburg hatte die Siebte des Österreichers mitgebracht und spielte bei freiem Eintritt vor knapp 400 Gästen – ein Geschenk.

Markus Popp, der Würzburger Universitätsmusikdirektor, legte seinem jungen Orchester ein schwergewichtiges Werk auf die Pulte. Keine fröhliche Jubelmusik war das, sondern zyklopische Monumentalsymphonik, die an die letzten Dinge rührt.

Große Herausforderungen

Von Bruckners Symphonien ist die Siebte freilich eine der fasslichsten, unproblematischsten; groß sind die spieltechnischen und interpretatorischen Herausforderungen dennoch. Markus Popp meisterte sie mit seinem Akademischen Orchester mehr als respektabel.

Selbstredend erwartet niemand von einem studentischen Orchester, dass es dieselbe Sicherheit und Könnerschaft besitzt, die Berufsmusiker mitbringen. Ein Abstand bleibt, vor allem was die Intonation im Zusammenspiel angeht. Das war auch in der Reichsstadthalle nicht anders: gelegentlich, nicht permanent.

Stauenswertes Potenzial

Markus Popp nutzte das staunenswerte Potenzial seines Orchesters mit kapellmeisterlicher Souveränität. Seine Bruckner-Interpretation ruhte konzentriert in sich, wirkte vermittelnd, band die einzelnen Satzteile gut aneinander. Popp hatte den gestalterischen Atem, um die orchestralen Gesänge sich hymnisch verströmen zu lassen, um Bruckners weit ausladende Melodiebögen zu spannen – schön gelang das etwa beim Hauptthema mit seinen abgedunkelten Bläser-Streicher-Klangfarben. Die riesenhaften Steigerungsstrecken waren gut disponiert und trieben zielsicher zu ihren Kulminationspunkten, die bei aller Massivität doch durchhörbar blieben.

Genauso überzeugend präparierte Markus Popp mit dem Akademischen Orchester filigrane Details und polyphone Verläufe heraus. Einmal mehr zeigte sich auch, wie gut, warm und klar die Reichsstadthalle bei einem mittelgroßen Symphonieorchester klingen kann.

Organische Ausgestaltung

Markus Popp hatte die antiphonische Streicheraufstellung gewählt, bei der erste und zweite Geigen nicht hintereinander sitzen, sondern links und rechts vom Dirigenten. Eigenwillig schien, dass er die Pauken links vorne platzierte – aber die Wirkung beim großen Orgelpunkt im Schlussteil des ersten Satzes war verblüffend gut. So plastisch und zugleich latent bedrohlich, so gewittrig präsent, aber unpathetisch schiebt sich das lange Paukentremolo selten unter das Geschehen. Auch der berüchtigte Einsatz von Becken und Triangel im zweiten Satz war alles andere als vordergründig, sondern organisch integriert.

Kurzum, ein stattliches Festkonzert. Am Ende erhoben sich die rund 400 Gäste, um im Stehen zu applaudieren. Der letzte Auftritt des Akademischen Orchesters der Universität Würzburg soll es denn in Rothenburg nicht gewesen sein. Tourismusdirektor Dr. Jörg Christöphler will es wieder einladen.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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