Dass die TCM-Gemeinde ein Faible für Bewährtes hat, bringt schon der Name zum Ausdruck. Schließlich stehen die drei Buchstaben für Traditionelle Chinesische Medizin. Mitunter finden aber auch in diesem Genre Umstellungen statt, etwa räumlicher Art. So tagt der TCM-Kongress nach Jahrzehnten im Wildbad heuer andernorts.
Bei der Eröffnungsveranstaltung für das international besetzte Fachtreffen mit rund 550 Teilnehmenden am Mittwochabend wurde der Ortswechsel, der organisatorische Gründe hatte und sich aus der lange ungeklärten Zukunftsperspektive des Wildbads erklärt, auch thematisiert, und zwar von Oberbürgermeister Dr. Markus Naser.
In seinem auf Englisch gehaltenen Grußwort hieß er die Gäste aus dem deutschsprachigen Raum, der europäischen Nachbarschaft, den Vereinigten Staaten und mehreren asiatischen Ländern in Rothenburgs „Multi Purpose Hall“, also in der Mehrzweckhalle, willkommen. Atmosphärisch könne diese natürlich nicht mithalten mit dem Wildbad, weshalb er auf eine Rückkehr des Kongresses dorthin hoffe, so Naser. Für diesen Hinweis erntete er heftigen Applaus, was als Beleg dafür gewertet werden kann, dass das Gros der Teilnehmenden, von denen viele schon oft dabei waren, sich das ebenfalls wünscht.
In der Tat findet das Welttreffen von Praktikerinnen und Praktikern in Sachen TCM mit internationalen Koryphäen dieses Fachs zum 56. Mal in Rothenburg statt. Geleitet wird der Kongress von Julia Stier und Gabriele Fischer-Humbert, die der Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft für Traditionelle Medizin (AGTCM) angehören.
Noch bis Samstag werden in zahlreichen Vorträgen und Workshops, verteilt auf mehrere Räume im Stadtgebiet, neue Erkenntnisse im Bereich der Akupunktur, aber auch in anderen Feldern dieser uralten Medizinlehre vermittelt und diskutiert.
Gastredner bei der Eröffnung waren Dr. Yair Mamon, Präsident der Europäischen TCM-Dachorganisation aus Israel, Professor Lihong Liu von der TCM-Universität in der chinesischen Millionenstadt Chengdu und Professor Dr. Benno Brinkhaus, stellvertretender Leiter des Naturheilkunde-Instituts der Berliner Charité. Letzterer sprach sich gegenüber der Redaktion ebenfalls klar für eine Rückkehr der Großveranstaltung ins Wildbad aus.