Rothenburger Imker: Marcel Budaker schwärmt für Bienen | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 24.06.2023 10:00

Rothenburger Imker: Marcel Budaker schwärmt für Bienen

Jeden Samstag in der Saison gibt Marcel Budaker am Lehrbienenstand zukünftigen Hobbyimkerinnen und -imkern sein Wissen weiter. (Foto: Anna Beigel)
Jeden Samstag in der Saison gibt Marcel Budaker am Lehrbienenstand zukünftigen Hobbyimkerinnen und -imkern sein Wissen weiter. (Foto: Anna Beigel)
Jeden Samstag in der Saison gibt Marcel Budaker am Lehrbienenstand zukünftigen Hobbyimkerinnen und -imkern sein Wissen weiter. (Foto: Anna Beigel)

Wenn die Bienen summen und brummen, fühlt er sich wohl. Und auch Hornissen oder Wespen machen ihm nichts aus. Marcel Budaker ist der Vorsitzende des Zeidlervereins 1868 Rothenburg und dort auch für die Ausbildung der Hobbyimker verantwortlich.

Der 44-Jährige war bis vor kurzem auch als Hornissenberater tätig. Doch es wurde ihm zu viel. Neben seinem Vorsitz im Zeidlerverein ist er nämlich außerdem noch Schriftführer im entsprechenden Kreisverband. Und im hiesigen Verein ist er nicht nur im Vorstand, sondern auch einer von zwei Bienensachverständigen und Fachwirten. Das heißt: Budaker kümmert sich um die Ausbildung der Hobbyimker.

Neben seinem zeitaufwendigen Hobby hat er auch noch Familie. Da müsse die Ehefrau schon mal zurückstecken, sagt er. Aber „Bienen fragen nicht, wann man Zeit hat. Das ist eben die Natur“, erklärt er lächelnd.

Zwei Jahre lang lernen die zukünftigen Hobbyimker im Lehrbienenstand beim „Probeimkern“ alles rund um die Biene. „Von der Anatomie bis hin zur Königinnenzucht“, wie er sagt. „Die ersten fünf Jahre danach geht erstmal so ziemlich alles schief“, so Budaker. Es würden Königinnen und auch Völker verloren. Doch das sei normal. Danach sei man dann bereit und habe genug Erfahrung.

850 Obstbäume für die Insekten

Elf Vereinsvölker sind es am Lehrbienenstand aktuell, die von fünf Probeimkerinnen und -imkern und sonstigen Vereinsmitgliedern betreut werden. Und die Lage für die summenden Insekten ist perfekt: 850 Obstbäume stehen im Hochzeitswald für sie bereit.

Über einen Zufall ist Marcel Budaker dann vor wenigen Jahren auch noch zum Hornissenberater geworden, als es im Kindergarten seiner Kinder ein Wespennest gab. Als Imker wurde er um Rat gefragt. Doch er wusste, die Wespen sind geschützt. Deshalb rief er beim Landratsamt an. Den Leuten am Telefon schien es zu gefallen, dass er die Wespen nicht vertreiben, sondern umsiedeln wollte. Und so kam er zum Posten als Hornissenberater, für den man sich bewerben muss und anschließend vom Landrat berufen wird. Auch eine Ausbildung braucht es. Doch als Imker bringt man bereits ein gewisses Interesse und Wissen mit, sagt Marcel Budaker.

Als Hornissenberater wurde er dann oft angerufen, um Nester anzuschauen oder Arten zu bestimmen. „Man ist für den Artenschutz da“, sagt er. Daher werden die Nester auch umgesiedelt statt bekämpft. Zumindest, wenn es die heimischen Hornissen sind. Eine Ausnahme bilden dagegen die asiatischen Hornissen. Die stellen eine Bedrohung für die europäischen Hornissen dar. Und nicht nur für die: Auch ein Bienennest könnten sie innerhalb von drei Wochen zerstören, so Budaker.

Der asiatische Einwanderer gilt als invasive Art und muss deshalb gemeldet und bekämpft werden. Durch den Klimawandel sei er über Frankreich nach Deutschland gekommen und baue dort viel größere Nester als die heimische Art. Wer den Verdacht hat, eine asiatische Hornisse zu entdecken, soll sie auf keinen Fall versuchen, zu fangen oder zu töten, sagt Budaker. Besser wäre es, ein Foto zu machen und dann einen Imker oder den entsprechenden Hornissenberater anzurufen.

Das gibt es bei Hornissennestern zu beachten

Generell gelte bei Hornissennestern: Abstand halten. Die Insekten würden einen oft nur anstupsen und nur stechen, wenn man eine Abwehrbewegung macht. Liegt ein Hornissennest vor, wie es beispielsweise mal im Burggarten der Fall war, werden diese Gebiete gerne abgesperrt und gemieden. Dadurch wird den Hornissen ihr natürlicher Lebensraum geboten. In diesem Jahr gilt bisher aber noch keine Bedrohung für Ängstliche: Wie Thomas Müller, Pressesprecher von der Stadt, auf Nachfrage der Redaktion meinte, sind den Stadtgärtnern aktuell noch keine Hornissennester in der Stadt bekannt.

Doch auch das wäre für Marcel Budaker kein Problem: Wo andere das Weite suchen, geht es ihm gut: „Das ist schon extrem beeindruckend, wenn du in so einem Schwarm stehst und den umsiedelst“, sagt er begeistert. Daher sei es ihm auch nicht leichtgefallen, den Job als Hornissenberater aufzugeben. Doch seit etwa vier Wochen macht ihn nun ein anderer.

Die Tatsache, dass er nun so leidenschaftlich für Bienen schwärmt, ist gar nicht mal so selbstverständlich. Über Nacht sei er in den 90er Jahren zum Besitzer mehrerer Bienenvölker geworden. Sein Großvater war damals gestorben und es stand für ihn außer Frage, dessen Imkerei nicht zu übernehmen.


„Das waren für mich nur stechende Viecher.”

Marcel Budaker

Zuvor habe er sich gar nicht dafür interessiert. „Ich hab überhaupt keine Ahnung davon gehabt, das waren für mich nur stechende Viecher“, gesteht er mit einem Lachen. Also arbeitete er sich gezwungenermaßen ins Imkern hinein, besuchte in der Realschule Schrozberg die Imker AG. Und nun ist es seine Leidenschaft, seine Passion. Das merkt man. „Das Feuer ist übergesprungen: Ich bin Imker“, sagt er mit Überzeugung.

Später habe er den Rothenburger Zeidlerverein aus einer Art „Dornröschenschlaf“ geweckt. Der Verein habe zuvor nur aus ein paar wenigen Imkern bestanden, die sich eher aus Versicherungsgründen zusammengetan hatten, wie er sagt. Doch Marcel Budaker packte es an und verpasste dem Verein ein neues Image.

2018 wurde die Anlage am Hochzeitswald gebaut, wo nun jeden Samstag in der Saison von 13 bis 15 Uhr Action angesagt ist. Nicht nur „Lehrlinge“ kommen, auch ehemalige Imker oder Interessierte; es sei immer was los. Auch Kindergärten, Schulen oder das Ferienprogramm wären stetige Besucher. Dadurch würden auch die Jüngsten erste Berührungspunkte mit Bienen erfahren.

Der Zeidlerverein sucht immer neue Leute, die sich fürs Imkern interessieren und es lernen wollen. Bei Interesse kann sich an zvr@gmx.de gewandt werden. Am 9. Juli findet ein Tag der offenen Tür am Lehrbienenstand statt.


Anna Beigel
Anna Beigel
Redakteurin für Westmittelfranken und Landkreis Ansbach
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