Die 23-Jährige aus Schillingsfürst gewann den Landeswettbewerb der Maler und Lackierer in Bayern und holte auf Bundesebene den vierten Platz.
Mit den eigenen Händen Dinge schaffen und erschaffen – das machen zahlreiche Handwerkerinnen und Handwerker jeden Tag. In einer Serie stellt die FLZ erfolgreiche Nachwuchstalente aus Westmittelfranken und ihre Berufe vor. Den Start macht die Malerin Tina Hahn.
Als Frau im Handwerk ist es nicht immer einfach. „Manchmal wird man unterschätzt“, sagt Tina Hahn. Das passiert vor allem auf Baustellen, bei denen mehrere Gewerke gleichzeitig arbeiten. Aber davon lässt sich die 23-Jährige nicht verunsichern. Entweder kann sie darüber hinweg schauen oder sie nimmt es mit Humor und gibt auch mal Kontra.
Zu unterschätzen ist die 23-Jährige nämlich absolut nicht. In mehreren Wettbewerben des Ausbildungsberufs „Maler und Lackierer“ hat sie sich letztendlich mit den besten Deutschlands gemessen.
Doch woher kommt die Leidenschaft für diesen Beruf? „Ich wollte immer etwas Kreatives machen“, erzählt Hahn. Einen Job im Büro konnte sie sich nie vorstellen. Schon mit 15 Jahren hat sie deshalb ein Praktikum beim Malerbetrieb Leyrer in Schillingsfürst gemacht. Hahn hat dann ihre Mittlere Reife abgelegt und arbeitete ein Jahr im Freiwilligendienst der Bundeswehr.
Das Praktikum ging ihr jedoch nicht mehr aus dem Kopf. Also begann sie im Herbst 2020 im Malerbetrieb Leyrer die Ausbildung. In der Lehrzeit trainierte sie sich dann die verschiedenen Fertigkeiten an. Zum Beruf gehört weit mehr als Malen: Hahn kann auch Tapezieren, Verputzen, Lackieren und verschiedene Spachteltechniken anwenden.
Der Arbeitsalltag ist sehr vielfältig. Oft gestalten sich Arbeiten vor Ort schwieriger als erwartet. „Dann muss man sich schnell etwas anderes einfallen lassen.“ Nicht so viele Überraschungen erlebt Hahn dagegen bei der Farbauswahl. Die Trendfarben sind weiß und grau. Besonders bei Hausfassaden empfindet Hahn das als es sehr eintönig. In Wohnräumen gibt es häufig nur noch eine Highlight-Wand mit Mustertapete oder Farbe. Tina Hahn würde sich wünschen, dass es wieder etwas kreativer und knalliger wird. „Ich hoffe, dass das wieder kommt“, sagt sie.
Was Hahn an ihrem Beruf nämlich am meisten gefällt ist, wenn sie etwas selbst gestalten darf. Im Alltag ist das nicht so oft der Fall. Bei den Wettbewerben konnte sie das aber schon mehr ausleben.
Mit der Traumnote 1,0 qualifizierte sie sich als Beste der Berufsschulklasse für den Kammerwettbewerb. Dort belegte sie den ersten Platz und zog damit in den Landeswettbewerb ein. Mit dem Sieg in München durfte Hahn nach Berlin. Dort durfte sie sich mit den Besten aus ganz Deutschland messen. Gegen 14 weitere Teilnehmende ist Hahn in Berlin angetreten.
Bei den Wettbewerben müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschiedene Fertigkeiten beweisen. Es geht um Präzision, Schnelligkeit, Kreativität und Geschick. Gemalt und lackiert wird in Malerkojen, die aus mehreren Wänden, meist in U-Form angeordnet, bestehen.
Auf den Wänden sollte die Hauptstadt in verschiedenen Facetten im Vordergrund stehen. In der kreativen Aufgabe zeichnete Hahn deshalb den bekannten Checkpoint Charlie. Damit wollte sie den geschichtlichen Hintergrund abbilden. Beim Speed-Wettbewerb musste sie ein vorgegebenes Muster abkleben, auch Farben musste sie möglichst genau nach Vorgabe mischen. Auf einer weiteren Wand zeichnete sie ein vorgegebenes Design exakt nach Vorgabe auf.
Selbstständig werden, wäre schon cool.
„Mich bringt wenig aus der Ruhe“, sagt die 23-Jährige. Trotzdem waren die insgesamt 14 Stunden des Wettkampfes stressig, erinnert sie sich. Geschlafen hat sie eher wenig. Am Ende reichte es zwar nicht für den Sieg. Aber Hahn wurde Viertbeste.
Nach wie vor möchte sich Tina Hahn weiterbilden. Sie plant, ab kommendem Herbst eine Technikerschule zu besuchen. Ein Jahr Berufserfahrung muss sie dafür aber noch sammeln. Dann wird sie ihr Können zwei Jahre lang weiter ausbauen. Sie möchte dafür entweder nach Stuttgart oder nach Fulda gehen. Auch für Stipendien hat sie sich beworben – eine Zusage hat sie schon.
„Selbstständig werden wäre schon cool“, sagt Tina Hahn mit Blick in die fernere Zukunft. Sie hofft, ihre kreative Ader zukünftig in den Mittelpunkt der Arbeit stellen zu können. Höhere Erfolgschancen rechnet sie sich dafür in Großstädten aus – zum Beispiel kann sie sich Köln gut vorstellen.