Die Großtagespflegeeinrichtung „Hofstube 9“ in Trautskirchen-Dagenbach feiert in diesen Tagen ihr einjähriges Bestehen. Das alternative Betreuungsangebot für bis zu zehn Kinder im Alter zwischen einem und 14 Jahren hat sich gut etabliert und ist seit dem ersten Tag ausgebucht.
Inmitten des landwirtschaftlichen Betriebs der Familie Weiskopf werden die Kinder in einem separaten Haus von Montag bis Freitag von 8 bis 13.30 Uhr naturnah betreut. Die Kleinen kommen gleich in der Früh, die Schulkinder während des Schuljahrs im Anschluss an den Unterricht mit dem Bus. Alle helfen auf spielerische Weise bei der Versorgung von Kühen, Schafen, Ziegen, Eseln, Pferden, Hühnern, Meerschweinchen und weiteren tierischen Hofbewohnern. Tiere füttern und Eier sammeln gehören wie die Mahlzeiten und der Morgenkreis zum festen Tagesablauf.
Unter einer Großtagespflege versteht man einen Zusammenschluss von zwei oder mehr Tagesmüttern oder -Vätern. Die Hofstube wurde vor einem Jahr als landkreisweit zweite Einrichtung dieser Art von der ausgebildeten Erzieherin und Erlebnispädagogin Svenja Weiskopf und ihrem Mann Florian geschaffen, der sich zur Tagespflegeperson weiterbilden ließ. Gemeinsam mit einer weiteren Erzieherin und einer Hauswirtschaftskraft betreuen sie die altersgemischte Gruppe und meistern den Spagat zwischen einem landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb mit 50 Milchkühen und der Tagespflege.
Die 42-jährige vierfache Mutter Svenja Weiskopf verfügt über langjährige Berufserfahrung als angestellte Erzieherin sowie Kita-Leiterin und hat auch das Konzept für ihre Einrichtung entwickelt. „Mein Ziel ist, die Familien auf einem Teil ihres Lebenswegs bestmöglich zu begleiten und einen Beitrag dazu leisten, dass jedes Kind sich entfalten kann und seinen Platz findet“, sagt Weiskopf. Die Selbstständigkeit bietet ihr dafür mehr Gestaltungsfreiraum als ein Angestelltenverhältnis. Gleichzeitig ist ihr der Erhalt der kleinbäuerlichen Strukturen durch ein transparentes und offenes Hofleben ein Herzensanliegen – zwei Ansätze, die sich gut verbinden lassen.
Das vierköpfige Team nimmt sich viel Zeit für den Austausch. „Sonst wäre die Betreuung von Kindern mit dieser riesigen Altersspanne auch gar nicht zu bewältigen“, sagt Svenja Weiskopf. „Gleichzeitig Einjährigen und Schulkindern gerecht zu werden – das ist vielleicht die größte Herausforderung.“
Die kleine Gruppe und der hohe Betreuungsschlüssel kommen an bei Eltern, die den familiären Charakter schätzen. Den Ausschlag für die Entscheidung, den Nachwuchs bei den Weiskopfs betreuen zu lassen, geben oft Bedenken, ob das Kind in einer regulären Krippen- oder Kindergartengruppe mit zwölf oder 25 Kindern zurechtkommt. Voraussetzung ist natürlich, dass die Familien mit den angebotenen Betreuungszeiten auskommen, die deutlich unter denen einer regulären Kindertagesstätte liegen. Die evangelische Kindertagesstätte am Rathaus in Trautskirchen ist beispielsweise Montag bis Donnerstag von 7 bis 15 Uhr und freitags von 7 bis 14 Uhr geöffnet.
„Mir gefällt die Flexibilität, mit der hier auf die Kinder eingegangen wird“, sagt die Elternbeiratsvorsitzende der Hofstube, Bianca Fischer, deren Sohn Felix seit einem Jahr die Einrichtung besucht. „Das war für mich maßgeblich dafür, ihn überhaupt so früh in die Betreuung zu geben.“ Beispielsweise könne der Zweijährige dort seinen Mittagsschlaf machen, wenn er gerade müde sei, und sei nicht an einen starren Tagesablauf gebunden. „Außerdem finde ich es gut, dass die Kinder in der Arbeit mit den Tieren lernen, Verantwortung für bestimmte Aufgaben zu übernehmen und dabei auch tagtäglich erfahren, wo unsere Lebensmittel herkommen.“
Das Landratsamt fungiert als Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde. Eltern, die auf der Suche nach Tagesmutter oder -Vater sind, können sich ans Kreisjugendamt wenden und werden dann unter anderem an die Hofstube verwiesen. Das Landratsamt zieht auch die Elternbeiträge ein. Ein Vollzeitplatz kostet die Eltern 150 Euro im Monat – die 100-Euro- Förderung des Freistaats ist bereits abgerechnet. Für die Familien von Kindern unter drei Jahren ist diese Option günstiger als die Tagesstätte im Ort, doch ab dem Kindergartenalter ist die Hofstube teurer.
„Aus Gemeindesicht ist es absolut positiv, dass es dieses zusätzliche Kinderbetreuungsangebot gibt“, sagt Bürgermeister Werner Wirth (SPD). Als die Hofstube in Betrieb ging, seien die Plätze in der evangelischen Kindertagesstätte gerade besonders rar gewesen. Die zusätzlichen Kapazitäten in Dagenbach hätten den Druck zur Schaffung weiterer Räumlichkeiten etwas reduziert. „Außerdem haben die Eltern so eine Wahlmöglichkeit zwischen unterschiedlichen pädagogischen Konzepten.“
Bezogen auf die kindbezogene Förderung, die sich Freistaat und Kommune teilen, kommt es für die Gemeinde aufs Gleiche heraus. Denn die Kommune zahlt für jedes betreute Kind, das seinen Wohnort in Trautskirchen und seinen Ortsteilen hat, ganz egal, welche Einrichtung es besucht. Mittlerweile kann jedem Kind in der Gemeinde auch wieder ein Betreuungsplatz angeboten werden. Vor allem im Krippenbereich hat die evangelische Kita aktuell sogar noch Kapazitäten, um noch weitere Kinder aufzunehmen.
Für Svenja und Florian Weiskopf sind das erfolgreich verlaufene erste Jahr sowie natürlich die positiven Reaktionen der Familien dennoch ein Ansporn, weiterzumachen und sich immer weiterzuentwickeln.