Die Hoffnung, ihre Enkel wiederzusehen beziehungsweise kennenzulernen, hat eine Landkreisbürgerin längst begraben. Das schmerzt sie. Der Kontakt zur Familie ihres Sohnes riss schon vor Jahren ab. Es herrscht Funkstille. So wie der 70-Jährigen geht es auch anderen Omas und Opas. Deshalb will die Frau eine Selbsthilfegruppe ins Leben rufen.
Die Idee dazu hatte sie bereits vor sechs Jahren und war damit an Gudrun Hobrecht von der allgemeinen Beratung des Caritasverbandes Fürth und Neustadt/Aisch (so der neue Name nach dem Zusammenschluss) herangetreten. Selbsthilfegruppen zu diesem Thema gibt es in der näheren Umgebung nicht, hatte die „verlassene Oma” recherchiert.
Auch wenn, wie Hobrecht aus beruflicher Erfahrung weiß, im Landkreis durchaus Bedarf für ein solches Angebot bestehen würde, fiel die Resonanz damals verhalten aus. Es gab deshalb kaum Rückmeldungen. Kurzum: Es kam keine Selbsthilfegruppe zusammen. Vielen fällt es schwer, über das Thema zu sprechen. Scham spielt zudem eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Nun gibt es also einen weiteren Anlauf, in der Hoffnung, dass sich diesmal Omas und Opas finden, die keinen Kontakt mehr zu den Enkelinnen und Enkeln haben. Eltern, die für ihre Kinder tabu sind, möchte sie ebenfalls ansprechen und mit ins Boot holen. Die Gründe für den Abbruch des Kontaktes können vielfältiger Natur sein; Familiäre Probleme, Streitigkeiten, Trennung der Eltern oder Entfremdung. Es ist für viele Eltern und Großeltern ein Schock, wenn die Verbindung zerreißt. Der Verlust belastet sie emotional. Nicht immer gelingt eine Annäherung.
Bei der 70-jährigen Landkreisbewohnerin ist dies der Fall. Ihre 15-jährige Enkelin hat sie zuletzt an deren zweitem Geburtstag gesehen, das jüngere Kind kennt sie gar nicht. „Ich würde sie auf der Straße nicht erkennen.” Inzwischen ist auch der Kontakt zum Sohn erloschen. Die Landkreisbürgerin schmerzt es, dass die Enkel zu den Eltern der Schwiegertochter Kontakt pflegen, aber nicht zu ihr. Nicht allzu groß ist ihre Hoffnung, dass sich die Enkel bei ihr melden, wenn sie erwachsen sind. Irgendwie ist sie für sie eine Fremde, auch wenn sie die Großmutter ist.
Der Austausch mit Gleichgesinnten in einer Selbsthilfegruppe kann womöglich helfen, das Erlebte aufzuarbeiten, Scham abzubauen und mit der neuen Lebenssituation umzugehen, sagt die Betroffene. Gudrun Hobrecht weiß, wie hilfreich es sein kann, mit anderen auf Augenhöhe zu sprechen, zu merken, dass man mit dieser Situation nicht allein ist, und vielleicht neue Perspektiven zu finden. Nun hofft die Landkreisbewohnerin, dass es im zweiten Anlauf klappt, eine Selbsthilfegruppe zu bilden.
Wer sich für die Selbsthilfegruppe „'Verlassene Eltern und Großeltern” interessiert, kann sich beim Selbsthilfebüro des Caritasverbandes melden, das anfangs als Anlaufstelle fungieren würde, teilte Gudrun Hobrecht mit. Diese ist unter Telefon 09161/888915 oder per E-Mail an hobrecht@caritas-nea.de zu erreichen. Ort und Zeit der Treffen werden dann mit den Interessierten noch besprochen.