Wo bis vor eineinhalb Jahren 40.000 Puten aufgezogen wurden, sollen künftig 160.000 Hühner Eier legen – etwa 45 Millionen Stück im Jahr. Das Vorhaben in Frommetsfelden sorgt für Diskussionen. Das Gemeindehaus in dem Leutershäuser Stadtteil war voll, als Landwirt Christoph Ballenberger seine Pläne nun der Dorfbevölkerung vorstellte.
Seit im März 2023 rund 15.000 Puten nach dem Ausbruch der Geflügelpest gekeult werden mussten, stehen die vier zusammen fast 10.000 Quadratmeter überdachenden Ställe von Christoph Ballenberger und seinem Vater Stefan leer. Die Familie lebt von der Substanz. Ein Neustart mit Hühnern dürfte sich aufgrund des Genehmigungsverfahrens etwa zwei Jahre hinziehen, erläuterte Architekt Reiner Kieckbusch, der eigens aus Norddeutschland angereist war. Das Procedere ist eben erst mit einem Beschluss des Stadtrates zur Bauleitplanunggestartet.
Warum Ballenberger vorhat, mehrere Millionen Euro für den Wechsel in den Betrieb zu investieren, blieb an dem 90-minütigen Informationsabend offen. Der 36-Jährige erläuterte die Gründe später im Gespräch mit der FLZ. „Der Verbraucher gibt uns vor, was wir zu produzieren haben“, sagte der Landwirt. Der Fleischkonsum sei rückläufig, das Ei aber verspreche mehr Zukunft am Markt. Zudem habe man bei der Legehennenhaltung „mehr unternehmerische Freiheit“.
Und, das leugnete er nicht: Man erlöst mehr als mit anderen Produkten aus Ackerbau und Viehzucht. Etwa 40 Prozent des Handelspreises bleiben beim Ei dem Erzeuger. Acht bis elf Cent bekomme der Landwirt pro Stück – so ganz einig sind sich Vater und Sohn da nicht. Etwa einen Cent verdiene der Betrieb an jedem Ei, meint Christoph Ballenberger.
Genaue Branchen-Zahlen gibt es nicht. „Leider lassen sich die Preise nicht konkret beziffern“, sagt Clemens Dalchau, Pressereferent der Deutschen Geflügelwirtschaft: „Die Erzeuger handeln unterschiedliche Preise mit dem Lebensmitteleinzelhandel aus und behandeln diese Absprache als Geschäftsgeheimnis.“ Geheimnisse aber wolle er nicht haben, betonte Ballenberger Junior im Gemeindehaus: Er setze auf Transparenz.
Mark Breyer von der Stallbaufirma VencoTec Agrar erklärte ausführlich, wie der weitgehend automatisierte Ablauf im Betrieb aussehen soll. Die geplante Volierenhaltung, bei der sich die Hühner über mehrere Etagen mit Legenestern und Sitzstangen frei bewegen könnten, berücksichtige das natürliche Verhaltensmuster der Hühner.
Mit 17 Wochen kommen die Junghennen in den Stall. Den verlassen sie erst nach knapp zwei Jahren wieder. Der letzte Weg führt zum Schlachter, voraussichtlich nach Wassertrüdingen. Dort enden sie als Suppenhühner.
Die Fragen und Sorgen aus den Reihen der Zuhörerinnen und Zuhörer drehten sich weniger um das Wohl der Tiere als um das der Dorfbewohner. Um An- und Abtransport ging es, um die Emissionen aus den Ställen, um den Wasserverbrauch und die Dimension des Betriebes. Der wäre einer der größeren in Deutschland: Von den etwa 2250 aktuell registrierten Höfen mit mehr als 3000 Legehennen – kleinere werden statistisch nicht erfasst – halten nur knapp 100 mehr als 100.000 Tiere.
Laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium zahlen Verbraucher derzeit im Preiseinstiegssegment für die 10er-Packung Bodenhaltungseier 1,99 Euro. Bei Eiern aus Freilandhaltung sind es 2,29 Euro, bei Bio-Eiern 3,19 Euro.
Gemessen an den Auswirkungen des bislang genehmigten Putenbestandes könnte Ballenberger 225.000 Hühner halten, darauf ist auch das Genehmigungsverfahren ausgelegt. Doch in die vorhandenen Ställe passen nur 160.000 Exemplare. Ein zusätzlicher Bau sei derzeit nicht geplant, versicherte er. Und: „Wir stehen ganz am Anfang.“ Auch für Freilandhaltung sei man offen, aber dafür bräuchte man 60 Hektar Fläche im Umfeld der Ställe: illusorisch.
Partei für die Hühner ergriff ALL-Stadträtin Renate Götzenberger: „Das ist keine Haltungsform, die wir uns wünschen sollten.“ Contra bekam sie von Christian Schwarzer vom Landesverband der Bayerischen Geflügelwirtschaft. Er verwies auf die deutlich niedrigeren Tierschutz-Standards im Ausland und plädierte für „das Ei, das unter unseren Augen erzeugt wird – transparent und vor unserer Haustür“.