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Veröffentlicht am 22.09.2025 18:39

Weiter drei Krankenhäuser bei ANregiomed: Ein hart erkämpfter Kompromiss

Das war ein zäher Prozess. Der Verwaltungsrat von ANregiomed hat in nichtöffentlicher Sitzung eine Einigung für die Zukunft des Klinikverbundes gefunden. Die drei Standorte Ansbach, Dinkelsbühl und Rothenburg bleiben erhalten. Allerdings mit Anpassungen.

Grundlage soll das Szenario 5 in dem seit langem laufenden Strategieprozess sein. Dieses sieht eigentlich vor, Dinkelsbühl und Rothenburg zu Sektorübergreifenden Versorgern (SÜV) abzuwerten. Allerdings hat das Bundesgesundheitsministerium noch gar nicht definiert, was ein solches SÜV leisten kann und darf. So lange das nicht geschehen ist, werden beide als normale Krankenhäuser weiter geführt. Fest steht nur, dass ein SÜV mehr ambulante und weniger stationäre Leistungen anbieten wird.

Notfallversorgung rund um die Uhr

Beide Standorte werden nach dem Beschluss vom Montag eine Notfallversorgung rund um die Uhr behalten, kündigt das Landratsamt in einer Pressemitteilung an. „Sie können demnach vom Rettungsdienst angefahren und aufgesucht werden – an sieben Tagen in der Woche, 24 Stunden.” An beiden Standorten wird es rund um die Uhr eine Innere Medizin geben. In Rothenburg bleibt zudem die stationäre Chirurgie im 24/7-Betrieb.

In Dinkelsbühl wird auf eine ambulante Chirurgie von 8 bis 21 Uhr umgestellt. „Durch den Erhalt der D-Arzt-Struktur bleibt auch die berufsgenossenschaftliche Behandlung von Arbeitsunfällen, einschließlich Wege- und Schulunfälle, erhalten.” Ausdrücklich heißt es im Pressetext: Die Möglichkeit zur Umwandlung in ein SÜV bleibe für Dinkelsbühl und Rothenburg bestehen, vorausgesetzt diese Form biete „für die Standorte in der Zukunft bessere Entwicklungsmöglichkeiten”.

Wie lange es bei der 24/7-Chirurgie in Rothenburg bleibt, wird sich zeigen. 2030 kommt sie erneut auf den Prüfstand. Ein Defizit von bis zu 3,5 Millionen Euro übernehmen Stadt und Landkreis Ansbach als Träger von ANregiomed nach dem festgelegten Schlüssel von 30 zu 70. Sollte die Chirurgie teurer kommen, entscheidet der Landkreis Ansbach, ob er das darüber hinausgehende Defizit alleine übernimmt oder das Angebot einstellt.

Chirurgie in Rothenburg bleibt auf dem Prüfstand

Die Endoprothetik, die als Aushängeschild des ANregiomed-Standortes Dinkelsbühl gilt, bleibt dort so lange, bis der Bauabschnitt 6 in Ansbach abgeschlossen ist. Nach dem derzeitigen Zeitplan wäre das 2030. Die Schlaganfallversorgung in Dinkelsbühl soll ebenfalls als „Tele-Stroke-Unit“ erhalten bleiben. Sie gehört zur Inneren Medizin, die völlig unangetastet bleibt. Wegfallen wird aber die Neurologie.

Stationäre Kardiologie nur noch in Ansbach

Was es nach dem Kompromiss nicht mehr in der bisherigen Form geben wird, ist die stationäre Kardiologie in Rothenburg. Hier gibt es Auflagen des Gesetzgebers, die eine Fortsetzung faktisch unmöglich machen. Eine stationäre Kardiologie mit den Bereichen Herzkatheter- und Schrittmacherversorgung sowie Elektrophysiologie soll in Ansbach gebündelt werden. Rothenburg wird aber eine ambulante kardiologische Versorgung behalten.

Auch Ansbach wird Federn lassen müssen – allein wegen der Auflagen durch den Bund. Die Nephrologie, die Thoraxchirurgie und die Urologie stehen auf der Streichliste. Das Klinikum Ansbach soll weiter die „umfassende Notfallversorgung” für Patientinnen und Patienten in Stadt und Landkreis Ansbach rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche sicherstellen. Dies betrifft beispielsweise die Schlaganfallversorgung, die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Herzinfarkt in einem Herzkatheterlabor sowie die Schwerverletztenversorgung.

Anträge für die Abrechnungen

In Ansbach sollen nach dem Beschluss die Allgemeine Innere Medizin und die Allgemeine Chirurgie, die Kardiologie, die Gastroenterologie, die Unfallchirurgie, die Gefäßchirurgie, die Gynäkologie samt Geburtshilfe, die Neurologie, die Neurochirurgie sowie die Palliativmedizin bleiben. „Darüber hinaus sollen bestimmte Angebote und Spezialisierungen – zum Beispiel im Bereich der Tumorversorgung – auch weiterhin gesichert werden”, heißt es in der Mitteilung.

Der Verwaltungsrat hat nicht nur die strategische Linie festgelegt, sondern auch beschlossen, die hierfür nötigen Leistungsgruppen zu beantragen. Die Leistungsgruppen regeln, für welche medizinischen Angebote ein Krankenhaus in Zukunft Geld abrechnen kann.

„Wir stehen auch in Zeiten der Veränderung weiterhin zu unseren Krankenhäusern und den Beschäftigten“, werden Landrat Dr. Jürgen Ludwig und Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner in der Pressemitteilung zitiert. Die beiden Vorsitzenden des Verwaltungsrates verweisen einmal mehr auf „sich dramatisch verändernde Rahmenbedingungen” durch Vorgaben des Bundes und die fehlende Strukturplanung durch den Freistaat Bayern.

Der Vorsitzende und sein Stellvertreter hoffen, dass es mit den beschlossenen Schritten gelingen kann, das Defizit spürbar zu verringern. Im laufenden Jahr steht ein Defizit von 32 Millionen Euro im Wirtschaftsplan. Die tatsächlichen Zahlen sehen allerdings deutlich besser aus und lassen auf ein Minus hoffen, das kleiner als 20 Millionen Euro ausfallen könnte, wie aus Verwaltungsratskreisen zu erfahren war. Wie hoch das zu erwartende Defizit nach den nun beschlossenen Anpassungen wird, lässt die Mitteilung offen.

An ambulantem Angebot festhalten

Ein jährliches Millionen-Defizit fährt auch die ANregiomed MVZ GmbH ein. Das Medizinische Versorgungszentrum soll bis Ende 2028 eine schwarze Null erreichen. Details, wie das geschafft werden soll, werden in der Pressemitteilung nicht genannt. Grundsätzlich will ANregiomed an dem ambulanten Angebot festhalten.

Erhalten bleiben auch die Fachschulen der ANregiomed Akademie. „An allen drei Krankenhausstandorten sollen Berufsausbildungen im Bereich der Pflege angeboten werden, und auch der Auftrag zur theoretischen Pflegeausbildung innerhalb des Ausbildungsverbunds bleibt bestehen”, heißt es.

Die beschlossenen Schritte werden personelle Veränderungen mit sich bringen. Allen Beschäftigten im Klinikverbund und im MVZ soll „bei Veränderungen soweit möglich ein ihrer Qualifikation entsprechender Arbeitsplatz in der Unternehmensgruppe angeboten werden”.

Auch der ANregiomed-Standort Ansbach muss bei dem nun gefundenen Kompromiss auf Abteilungen verzichten. Die jetzige Lösung sorgt aber für einen Erhalt von drei Krankenhäusern in Stadt und Landkreis Ansbach. (Foto: Irmeli Pohl)
Auch der ANregiomed-Standort Ansbach muss bei dem nun gefundenen Kompromiss auf Abteilungen verzichten. Die jetzige Lösung sorgt aber für einen Erhalt von drei Krankenhäusern in Stadt und Landkreis Ansbach. (Foto: Irmeli Pohl)
Auch der ANregiomed-Standort Ansbach muss bei dem nun gefundenen Kompromiss auf Abteilungen verzichten. Die jetzige Lösung sorgt aber für einen Erhalt von drei Krankenhäusern in Stadt und Landkreis Ansbach. (Foto: Irmeli Pohl)
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