Wie kann das Weinparadies Franken mit seinen historischen Pfunden besser wuchern? Oder anders gefragt: Wie kann man das Unsichtbare sichtbar machen? Das soll ein Planungsbüro erarbeiten – und bekam jetzt viel Input von Menschen, die dort wohnen, touristisch tätig sind oder sich mit Archäologie beschäftigen.
Die sieben Ortsteile aus fünf Gemeinden Mittel- und Unterfrankens, die als Weinparadies bisher die Themen „Wein“ und „Natur“ vermarkten, überlegen, wie sie das reiche historische und kulturelle Erbe zur Geltung bringen. Im Zentrum dabei steht der Bullenheimer Berg, der zu seiner Zeit eine Metropole gewesen ist. Auch der berühmte Berliner Goldhut könnte von dort stammen. Eine weitere Besonderheit ist die Kreisgrabenanlage in Ippesheim, die 2000 Jahre vor Stonehenge entstanden war. Beide Funde weisen auf ein beeindruckendes astronomisches Wissen hin.
Mit Hilfe von LAG-Mitteln wurde deshalb ein Büro aus Norddeutschland mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Das „Erlebniskontor“ hat schon ähnliche Aufträge erledigt, auch in Süddeutschland.
Die Mitarbeiterinnen wollten nun erfahren, was aus der Region selbst für Wünsche und Ideen kommen. Nach dem Riesen-Andrang beim Vortrag von Dr. Margarete Klein-Pfeuffer im vergangenen Jahr, den mehr als 100 Menschen besucht hatten, hätte man im neuen Herrnberchtheimer Gemeinschaftshaus sogar noch ein paar Interessierte mehr erwarten können. Aber die etwa 60 Personen, die gekommen waren, kannten sich dafür umso besser aus, und die unterschiedlichen Ideen sprudelten regelrecht aus ihnen heraus.
In vier Arbeitsgruppen hatten sie die Gelegenheit, Anregungen vorzubringen. Die Einteilung war nach Zielgruppen erfolgt: Was wünschen sich a) historisch Interessierte, b) Weintrinker und Genießer, c) Gruppen und d) Familien für die Präsentation der Geschichte im Weinparadies Franken?, lautete die Frage.
Dabei gab es abgefahrenere Ideen wie ein Laufband auf den Bullenheimer Berg oder eine Sommerrodelbahn, aber auch viel Übereinstimmung in den einzelnen Gruppen. Von den Umsetzungsformaten, die Silke Petzold vom Büro vorgestellt hatte – ein großes Besucherzentrum, ein kleines Besucherzentrum, einen Nachbau und ein Schaufenster (wie das Modell der Kreisgrabenanlage), Erlebniswege und Lehrpfade sowie die Inszenierung authentischer Standorte –, wurde ein großes Besucherzentrum fast durchweg abgelehnt.
Die Inszenierung authentischer Schauplätze fand dagegen in allen Gruppen Anklang: Ein Beispiel ist eine Plexiglasscheibe in der Landschaft, durch die man ein Relikt der Vergangenheit sieht, das zeichnerisch so ergänzt wird, wie es ursprünglich ausgesehen haben mag.
Ein kleines Besucherzentrum, beziehungsweise einen zentralen Anlaufpunkt, möglicherweise mit einem Regionalmarktregal und der Möglichkeit, einen Film vorzuführen: Das könnten sich zum Beispiel der Ippesheimer Bürgermeister Karl Schmidt und einige Gästeführerinnen vorstellen, die sich mit den Bedürfnissen von Gruppen beschäftigten. Auf Nachfrage vom dritten Weigenheimer Bürgermeister Jochen Rückert waren sich aber alle einig: Es sei nicht das Ziel, dass scharenweise Busse ins Weinparadies kommen, sondern es soll bei sanftem Tourismus bleiben.
In der Familiengruppe wurde gefragt: „Warum sollen wir uns nicht direkt auf diese Zielgruppe stürzen?“ In Bezug auf die reinen Weintrinker und Genießer, so hieß es, werde man nie die Infrastruktur bieten können, wie das zentrale Weinland in Franken. „Da könnten wir uns doch spezialisieren.“
Weitgehende Einigkeit bestand, dass die Angebote in der Regel ohne Personal auskommen sollten. Aber auch auf QR-Codes, Apps und Handys wollte man sich nicht ausschließlich verlassen, sondern diese mit Tafeln, Modellen oder Repliken zum Anfassen, Stationen, in denen es auf Knopfdruck Erläuterungen gibt, oder eben Filmen ergänzen. Kurzum: Man will alle Sinne ansprechen.
Spezielle Angebote für Kindergeburtstage, aber auch Exkursionen oder Vorträge für ein fachlich interessiertes Publikum gehören zu den Vorschlägen, die kurzfristiger umzusetzen sein dürften, fasste die Vorsitzende des Weinparadieses, Ingrid Reifenscheid-Eckert, zusammen.
Generell sollen die Angebote niedrigschwellig, auch spielerisch sein, bei Bedarf aber die Möglichkeit bieten, sich vertiefter mit den Funden und der Geschichte der Gegend zu beschäftigen.
Nun ist erst einmal das „Erlebniskontor“ wieder am Zug: Aus den vielen Vorschlägen soll ein Konzept aus einem Guss entstehen.