Wie in Hilsbach aus Fundstücken eine Kunst-Toilette wurde | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 18.11.2023 10:00

Wie in Hilsbach aus Fundstücken eine Kunst-Toilette wurde

Tobias Sternberg lehnt an der Tür der von ihm gestalteten Toilette in der Kunsthalle Hilsbach. (Foto: Martina Kramer)
Tobias Sternberg lehnt an der Tür der von ihm gestalteten Toilette in der Kunsthalle Hilsbach. (Foto: Martina Kramer)
Tobias Sternberg lehnt an der Tür der von ihm gestalteten Toilette in der Kunsthalle Hilsbach. (Foto: Martina Kramer)

Wen bei dem Besuch einer Ausstellung in der Kunsthalle einmal ein gar menschliches Bedürfnis überkommt, der sollte sich nicht zurückhalten, der dafür zuständigen Stätte einen Besuch abzustatten. Denn die Toilette der Galerie ist etwas ganz Besonderes, ein Kunstwerk als solches.

Gestaltet hat es der in Berlin lebende Künstler Tobias Sternberg. Zurzeit zeigt er in Hilsbach zusammen mit Hannah von Ginkel und Manon Heupel seine Werke unter dem Motto „Ewigkeit lügt“.

„Auf diesem Anwesen ist Holz so präsent, dass ich es unbedingt auch für die Gestaltung der Toilette benutzen wollte“, erklärt Sternberg. Wie bei seinen Skulpturen sind es vor allem Fundstücke, die hier zur Anwendung kommen.

Eigentlich alles davon stammt von dem alten Bauernhof, den Kuno Eberts Großvaters einst erworben hat, und das sich nun im Besitz des Enkels befindet. Ein schier unerschöpfliches Reservoir an Dingen, die allesamt eine Geschichte zu erzählen haben. Dieser kann man beim Besuch dieses stillen Örtchens in aller Ruhe nachspüren und dabei eine kleine Erlebnisreise unternehmen.

Kitschige Dinge wirken ganz anders.

Da ist zunächst einmal das ansprechende optische Gesicht dieses Raumes, die wohnliche Atmosphäre, die durch das Holz erzeugt wird, die vielen Objekte, die beziehungsreich zueinander angeordnet sind: alte landwirtschaftliche Geräte, deren Zweck nicht mehr jeder kennt, einfache Holzscheite jüngeren Datums, eine Stuhllehne mit Doppeladleremblem, die hier fast wie ein Wappen wirkt. „Eigentlich furchtbar kitschig, das Ding, aber hier bekommt es eine ganz andere Wirkung“, findet der in Stockholm geborene Schwede Sternberg. Dem kann man nur zustimmen.

Jedes Ding hier in diesem Raum wird zu etwas Besonderem. Das gilt vor allem für das Schachspiel, das sinnigerweise an der Innentür einer der beiden Abteile angebracht ist. So kann man nebenbei über die klassische Aufstellung, die einst der persische Schachmeister Abu Naim im neunten Jahrhundert angeordnet hat, grübeln. Wie kommt wohl das Schach-Matt für die weißen Figuren zustande? Nebenbei kann man an der Spieluhr drehen, die an der Wand in Handhöhe angebracht ist, und sich die passende Hintergrundmusik für den Denkprozess erzeugen.

Fördermittel aus dem Regionalbudget fließen in das Projekt

Eine wunderbare Spielerei auch für den Künstler, der seit einigen Monaten an der Gestaltung dieser Toilette arbeitet. Ein Work in Progress, für das aus dem Regionalbudget der ILE-Region Altmühlland A6 Fördermittel fließen und das in seiner Form und Originalität sicher einzigartig sein dürfte.

Die Ausstellung „Ewigkeit lügt“ mit Arbeiten von Manon Heupel, Hannah von Ginkel und Tobias Sternberg in der Kunsthalle Hilsbach ist noch einmal am morgigen Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet.


Von Martina Kramer
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