Zapfenstreich für das Quasimodo in Triesdorf: Warum die Kult-Kneipe schließt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 13.03.2025 17:07

Zapfenstreich für das Quasimodo in Triesdorf: Warum die Kult-Kneipe schließt

Neun Jahre lang betrieben Doris und Andreas Bohnstedt das Quasimodo. Jetzt ist Schluss. Doch sie bleiben der Gastronomie in der Region treu: Ab Sommer sind sie im Kiosk am Krummweiher zu finden. (Foto: Antonia Müller)
Neun Jahre lang betrieben Doris und Andreas Bohnstedt das Quasimodo. Jetzt ist Schluss. Doch sie bleiben der Gastronomie in der Region treu: Ab Sommer sind sie im Kiosk am Krummweiher zu finden. (Foto: Antonia Müller)
Neun Jahre lang betrieben Doris und Andreas Bohnstedt das Quasimodo. Jetzt ist Schluss. Doch sie bleiben der Gastronomie in der Region treu: Ab Sommer sind sie im Kiosk am Krummweiher zu finden. (Foto: Antonia Müller)

„Alles muss raus“ steht auf einem Zettel, der an der Eingangstür klebt. Am Freitag stehen Dekoartikel und Geschirr bei einem Flohmarkt zum Verkauf. Das Quasimodo wird geräumt. Andreas Bohnstedt hat die Gaststätte in Triesdorf gemeinsam mit seiner Frau Doris vor neun Jahren übernommen.

Ordentlich aufgereiht stehen Stein-Bierkrüge, Cocktailgläser und Schüsseln auf den Holztischen im Gastraum. Eine Lichterkette und bunte LED-Streifen zieren die Wände und in einer Ecke dreht sich an der Decke eine kleine Discokugel. All das soll beim Flohmarkt am Freitag, 14. März, ab 15 Uhr verkauft werden. Außerdem herrscht Barbetrieb – auch Rum und Liköre müssen weg.

Zum Abschiedsessen „mega geile Stimmung”

Am Samstag, 8. März, war die Gaststube zum vorerst letzten Mal mit Leuten gefüllt. „Es war alles voll“, erzählt Andreas Bohnstedt. Beim Abschiedsessen herrschte eine „mega geile Stimmung“.

Neun Jahre lang servierten die beiden Mitte 50-Jährigen hier Burger, reichten Whiskey und Gin über die Bar. Angefangen hat alles, als Andreas Bohnstedt 2016 als Gast ins Quasimodo kommen wollte und vor verschlossener Tür stand. „Warum ist denn das Ding zu?“, fragte er sich damals. Der Pächter hatte aufgehört. Bohnstedt bewarb sich und schloss später einen Pachtvertrag ab.

So spontan es anfangs war, es war keine Schnapsidee. Andreas Bohnstedt arbeitete zuvor bereits als Bartender. Jahrelang tourte er hauptberuflich mit Getränkeständen auf Großveranstaltungen durch ganz Deutschland. Davor und auch nach dieser Zeit arbeitete der Maschinenbau-Techniker in Kraftwerken.

Quasimodo als Standort für Studentenfeten in Triesdorf

Im Quasimodo hatte er ab Tag eins alle Hände voll zu tun. Die Küche musste entkernt werden. Die Kosten dafür trug der Bezirk Mittelfranken, Eigentümer des Hauses. Doch viele kleinere Arbeiten im Haus und auch im Biergarten erledigte der neue Pächter. „Alles, was man hier sieht, haben wir gemacht“, fasst es Andreas Bohnstedt zusammen.

Anfangs war der Zulauf groß. Im Außenbereich fanden rund 150 Gäste Platz, innen weitere 50 auf rund 80 Quadratmetern. Über 400 Gäste feierten teilweise bei Studentenfeten im Außenbereich. Das erforderte viel Personal. „In Spitzenzeiten waren wir zu zehnt“, so der Gastronom.

Über die Jahre haben sie die Plätze im Biergarten deutlich reduziert. Seit der Corona-Pandemie habe sich das Ausgehverhalten deutlich verändert, findet Bohnstedt. Nur noch vereinzelt kamen Schüler und Studierende aus Triesdorf. Große Partys fanden nicht mehr statt. Die Stammkundschaft schätzt der Pächter auf Ü50. Neben der Pandemie sorgten auch mehrere Komplettsperrungen der B13 für Herausforderungen. Die Zufallsgäste blieben damit aus.

Stress statt Abschiedsschmerz für die Bohnstedts

In den vergangenen Jahren lag der Fokus eher auf Geburtstagsfeiern und dem normalen Betrieb. Das Team bestand neben Doris Bohnstedt in der Küche und Andreas Bohnstedt an der Bar und im Service aus zwei weiteren Mitarbeitern.

Was über die Zeit gleich blieb, waren die Burger auf der Speisekarte, verrät der Gastronom. Auch vegane Gerichte hatten sie schon immer im Angebot. In den Anfangsjahren waren diese aber noch nicht so gefragt, erinnert er sich.

Direkt neben der historischen Villa Sandrina in Triesdorf haben die beiden Freunde einen Platz verpachtet bekommen, wo sie seit Oktober immer wieder Partys für Studierende und Einheimische schmeißen. (Foto: Marcus Weger)
Direkt neben der historischen Villa Sandrina in Triesdorf haben die beiden Freunde einen Platz verpachtet bekommen, wo sie seit Oktober immer wieder Partys für Studierende und Einheimische schmeißen. (Foto: Marcus Weger)

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Die Einnahmen im Quasimodo blieben stabil, sagt der Pächter. Doch die Ausgaben und die Arbeit stiegen immer weiter an. Um sich langfristig halten zu können, wären wohl große Veränderungen nötig gewesen. Doch eine Umstellung auf fränkischen Mittagstisch am Sonntag, das war für Bohnstedt keine Option.

Der Abschiedsschmerz hält sich derzeit in Grenzen. „Im Moment überwiegt eher der Stressfaktor.“ Denn sie räumen nicht nur das Quasimodo, sondern starten parallel ihr neues Projekt: der Kiosk am Krummweiher in Bechhofen. Ab April werden sie dort Gäste begrüßen und auch den zugehörigen Campingplatz verwalten.

In der Freizeit gerne am Krummweiher

Die Idee, das Quasimodo aufzugeben, schwirrt schon länger in Bohnstedts Kopf herum. „Der Pachtvertrag läuft zum Ende des Jahres aus“, sagt er. Ob er diesen noch mal verlängern würde, hat er sich schon länger gefragt. Der Krummweiher ist für das Gastronomen-Paar seit 35 Jahren ein beliebtes Freizeitziel. Bei einem Besuch im Sommer 2023 erfuhren sie, dass die Kioskbetreiberin aufhört. Im Mai vergangenen Jahres bewarb Andreas Bohnstedt sich dann – und bekam den Zuschlag.

Er vereinbarte mit dem Bezirk, schon früher aus dem Quasimodo auszuziehen. Wie es mit dem Haus weitergeht, weiß Andreas Bohnstedt nicht. Der Bezirk hat wohl Gutachten in Auftrag gegeben und eine 3-D-Vermessung angeordnet, erzählt er.

Nun starten die Bohnstedts noch mal ein neues Projekt. Die schönen Erinnerungen an das Quasimodo bleiben trotzdem. Besonders die Anfangszeit mit großen Partys behält Andreas Bohnstedt im Gedächtnis.


Antonia Müller
Antonia Müller
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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