Berliner Künstler in Franken: Patrick Alt stellt in Hilsbach aus | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 19.10.2023 06:59

Berliner Künstler in Franken: Patrick Alt stellt in Hilsbach aus

Neun Bilder, Ausschnitte aus einem Leben: „Der Fries“ von Patrick Alt in Hilsbach. (Foto: Thomas Wirth)
Neun Bilder, Ausschnitte aus einem Leben: „Der Fries“ von Patrick Alt in Hilsbach. (Foto: Thomas Wirth)
Neun Bilder, Ausschnitte aus einem Leben: „Der Fries“ von Patrick Alt in Hilsbach. (Foto: Thomas Wirth)

Schlicht „Der Fries“ hat Patrick Alt seine Ausstellung in der Hilsbacher Kunsthalle (Landkreis Ansbach) überschrieben. Die Einfachheit täuscht. Der Begriff ist kunstgeschichtlich aufgeladen. Er verweist zurück bis in die griechische Architektur, aber auch auf die monumentalen Bilderfriese von Gustav Klimt und Edvard Munch. Alts Fries ist anders.

Das raumgreifende Pathos, das historischen Bilderfriesen oft zu eigen ist, auch das Repräsentative, Offizöse, das entsteht, wenn in öffentlichen Gebäuden großformatige Gemälde als Wandgliederung dienen – Patrick Alts Hilsbacher Fries unterläuft solche Erwartungen. Er negiert sie. Alts Fries behauptet nichts, drängt keine Deutungen auf. Er lädt zur Reflexion ein über Stationen eines Lebens.

Bilder mit lockerem, gestischem Schwung

Patrick Alt hat für seine Ölmalereien Momente seines eigenen Lebens als Malanlass genommen. Die neun Bild haben ein mittleres, gleichsam häuslich-privates Format. Sie hängen auf Augenhöhe, schweben also nicht ehrfurchtfordernd über den Köpfen. Der Berliner Künstler hat sie mit lockerem, gestischem Schwung gemalt, der sich zu Figuren formt, mitunter so verdichtet, dass kaum mehr Malgrund durchscheint. Oft aber bleibt viel Weiß stehen: Leerstellen zum Selbstfüllen. Patrick Alt hat seine Figuren nicht individualisiert; sie sind Menschen-Chiffren. Was genau die Bilder thematisieren, verraten sie selbst kaum.

So persönlich scheinen die biographischen Konstellationen, dass sie sich dem Außenstehenden nicht enträtseln. Nur die Titel geben allgemeine Hinweise. Titel wie „Pubertät in der Leere“, „Schwärmer“ oder „Young Parents“. Das fünfte, also zentrale Bild, heißt „Mutter“. Es zeigt drei Figuren. Dreimal die Mutter? Die letzten beiden Ölmalereien, „How Did We Get This Far Apart“ und „Jugend ohne Gott“, thematisieren Entfremdungserfahrungen.

So allgemein also ist dieser so persönliche Fries gehalten, dass der Betrachter sich selbst darin suchen kann, dass er Erinnerungen an eigene Lebensmomente, Lebensphasen entdeckt – oder eben nicht. Vielleicht, weil er sie nicht sehen will.

Symbolschwere Raum-Bilder-Konstellation im Keller

Ganz anderer Art ist die kraftvoll symbolschwere Raum-Bilder-Konstellation im Keller der Kunsthalle. Dunkel, bunkerhaft wegen seiner Betonwände wirkt der Raum. Als Erstes fällt der Blick auf das Gemälde „Frühling in Flandern“. Platziert ist es zwischen zwei kleinen quadratischen Fenstern. Licht, Steine und grüne Blätter sind durch sie zu sehen – ein Kontrapunkt zum schweren Gewölk, das auf dem neuexpressionistschen Landschaftsbild die Sonne über Flandern verdüstert. Die Stellungskriege des Ersten Weltkriegs scheinen nah.

Der Eindruck trügt nicht. An der linken Wand hängt, mit blauen Strichen auf die Leinwand geworfen, „The FFF (Franz Ferdinand Feeling)“. Festgehalten hat Patrick Alt den Augenblick, bevor die Kugeln des Attentäters das österreichische Thronfolgerpaar in Sarajewo treffen.

An der rechten Wand setzt Patrick Alt „Opium fürs Volk“ in Szene, was sich nicht auf eine bloße Marx-Anspielung reduzieren lässt. Im glimmendroten Schein schält sich ein grünes Gesicht, wohl Opium rauchend, aus einer pastos bewegten Finsternis – oder wird gerade von ihr verschlungen. Eine starke Bildmetapher für vieles.

Der Fries“ ist in der Kunsthalle Hilsbach noch einmal am Sonntag, 22. Oktober, von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Geöffnet ist sie außerdem nach Vereinbarung, Telefon 01 51/57 58 26 31.


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
north