Burg Hohenlandsberg: Herrschaftssitz mit tragischem Schicksal | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 25.05.2024 09:00

Burg Hohenlandsberg: Herrschaftssitz mit tragischem Schicksal

Matthias Schenk, Hobbyheimatforscher aus Nenzenheim, am Hohenlandsberg. Er führt regelmäßig Gruppen zu der Ruine. (Foto: Carmen Lechner)
Matthias Schenk, Hobbyheimatforscher aus Nenzenheim, am Hohenlandsberg. Er führt regelmäßig Gruppen zu der Ruine. (Foto: Carmen Lechner)
Matthias Schenk, Hobbyheimatforscher aus Nenzenheim, am Hohenlandsberg. Er führt regelmäßig Gruppen zu der Ruine. (Foto: Carmen Lechner)

Weil ihr Burgherr den Lehren Martin Luthers folgte, überstand die Feste Hohenlandsberg die Bauernkriege. Doch Bekenntnis und Engagement wurden ihr schließlich zum Verhängnis. Vor 500 Jahren wurde auf einer Anhöhe des südlichen Steigerwalds die Burganlage fertiggestellt, von der 30 Jahre lang der gesellschaftliche Alltag der umliegenden Dörfer bestimmt wurde.

Die überwachsenen Mauerreste inmitten des Waldes der Fürstlich Schwarzenberg’schen Familienstiftung erreicht man auf mehreren Wegen – zum Beispiel vom Weinort Weigenheim aus. Einst lag sie direkt an der alten Handelsroute „Hohe Straße“. Matthias Schenk ist aufgefallen, dass die Burganlage heuer ein Jubiläum feiert – 500 Jahre Fertigstellung. Der aus dem nahen Nenzenheim stammende Hobby-Heimatforscher ist die Wege zur Burg hinauf schon als Kind gelaufen. „Die Ruine mit ihren vielen damals noch geöffneten Höhlen und Gängen war ein Paradies zum Versteckenspielen und Ritterspielen“, sagt Schenk.

Als ihr Erbauer Johann von Schwarzenberg im Jahr 1511 damit begonnen hatte, das ursprüngliche Schloss abzubrechen, wollte er sie unter den aktuellen Erkenntnissen der Festungsbaukunst wieder aufbauen. Dieses Ur-Schloss befand sich seit 1435 im Besitz des fränkisch-böhmischen Adelsgeschlechts.

Hans Sachs besang den „Spiegel Frankens“

„Spiegel Frankens“ wird die Burg oft genannt. Angeblich soll sie die erste weit und breit mit Fenstern aus Glas gewesen sein, was bei Sonneneinstrahlung spiegelnd wirkte. Buchdrucker Hans Glaser, der Mitte des 16. Jahrhunderts in Nürnberg lebte, porträtierte die Burg vor und nach der Zerstörung. Glaser arbeitete detailliert Türme und Burgmauern des 1524 vollendeten Baus heraus.

„Solche Holzschnitte wurden Mitte des 16. Jahrhunderts gerne in Druck gegeben“, erklärt Daniel Burger. Der Direktor des Bayerischen Staatsarchivs in Nürnberg weiß, dass die Burg der soziale Anlaufpunkt für die rund 30 Dörfer zu ihren Füßen gewesen sei, die heute auf mittel- wie unterfränkischem Boden zwischen den Landkreisen Kitzingen und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim liegen.

Selbst Hans Sachs, der Nürnberger Meistersinger, besang Hohenlandsberg in seinem „Pasquillus auf das Schloss zu Plassenburg“ nach deren Zerstörung am 21. Juni 1554 als dessen „Schwester“, der dasselbe Schicksal wie der Festung bei Kulmbach blühte. „Die Burg Hohenlandsberg hat eine gewisse Tragik, die noch heute berührt“, meint Burger.

Die sollte ihr Erbauer, der 1528 verstarb, zwar nicht mehr erleben. Dafür aber sein Sohn Friedrich, dem später der Beiname „der Unglückliche“ verliehen wurde. Friedrich hatte sich bereits 1526 zu den Lehren Martin Luthers bekannt, mit dem sein Vater in Korrespondenz stand. Der Einfluss von Johann von Schwarzenberg auf seinen Sohn war groß – Friedrich wurde Gefolgsmann des protestantischen Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen.

Die kaiserlichen Truppen siegten

Dieser rief 1546 als Mitglied des Schmalkaldischen Bundes seine Fürsten und Grafen zur Verteidigung des neuen Glaubens – genauer gesagt der neuen Konfession – gegen den katholischen Kaiser und dessen Stände auf. Die kaiserlichen Truppen gewannen die Auseinandersetzungen. Über Friedrich wurde ebenso wie über die anderen protestantischen Anführer die Reichsacht verhängt.

Für die Verwaltung der Burg Hohenlandsberg setzte sich der Kaiser Fürst Albrecht II. Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach ein. Der übergab das Tagesgeschäft an den Burghauptmann Hyronimus Stöckel. Dieser sollte sich aber als räuberisch erweisen. Quellen berichten von Überfällen auf Nürnberger, Bamberger wie Würzburger Kaufmannszüge.

Der Verwalter erwies sich als Räuber

Stöckel wurde den geistlichen Herren von Würzburg und Bamberg sowie den weltlichen aus Nürnberg zunehmend ein Dorn im Auge. So kam es zu einer Einigung dieser so unterschiedlichen Partner. „Nach dem Motto ,der Feind meines Feindes ist mein Freund’ haben sich diese drei zusammengeschlossen, um den Hauptmann zu vertreiben und die Burg letztlich zu zerstören“, beschreibt Daniel Burger die Geschehnisse.

Die Belagerung wurde ab dem 5. April 1554 vom Nürnberger Hauptmann Sebald Schirmer geleitet, dessen Grab auf dem Nürnberger Johannisfriedhof in Nähe zu jenem Albrecht Dürers liegt. Hier liegt auch Johann von Schwarzenberg begraben – der Erbauer und der Zerstörer von Burg Hohenlandsberg sind also im Tode miteinander vereint. Innerhalb dreier Tage wurde die Burg zerstört – „geschliffen“, wie man damals sagte. Hilfreich war eine neue Erfindung des Nürnberger Schraubenmachers Lienhard Danner: die Brechschraube. Diese wie ein riesiger Schraubstock wirkende Vorrichtung konnte Burgmauern zum Einsturz bringen.

Freiherr Friedrich war zwar bereits am 24. November 1552 von Kaiser Karl V. begnadigt worden. Alcibiades aber wehrte sich erfolgreich dagegen, dass Friedrich die Burganlage wieder in Besitz nehmen konnte. 1561 verstarb Friedrich – unglücklich. Die Burg blieb Ruine.

Familienoberhaupt als Fledermausschützer

Die teils verschlossenen Kellergänge bieten seit langer Zeit Unterschlupf für die Mopsfledermaus, die dort ihr Winterquartier bezogen hat. Johannes Fürst zu Schwarzenberg, Kopf des fränkisch-böhmischen Hochadelsgeschlechts, freut sich, dass wenigstens durch sie Leben in den alten Steinen herrscht. „Ansonsten stellt die Ruine eher eine Belastung dar. Wir müssen für die Verkehrssicherheit sorgen, was angesichts der vielen Ausflügler, Burgenwanderer und der Mountainbiker, auch notwendig ist“, sagt das Familienoberhaupt.

Das Areal in Ehren halten

Man sei immer eng der Region verbunden geblieben. Auch wenn sich die Familie konfessionell in verschiedene Richtungen entwickelt habe. Es gebe eine holländische Linie, die sich „Schwartzenberg en Hohenlansberg“ schreibt und im Gegensatz zu seiner eigenen Familie protestantisch sei.

Die ältesten Besitzungen hat die Schwarzenberg’sche Familienstiftung in Franken – darunter einen rund 1900 Hektar umfassenden Forstbetrieb, in dem auch die Burgruine liegt. Ein Bild hängt im Dienstzimmer des Fürsten an der Wand – in Form einer Kopie des Hans-Glaser-Holzschnitts, der nach der Zerstörung der Burg entstanden war.

Hohenlandsberg als Teil der Familiengeschichte in Ehren zu halten – das ist dem Adligen wichtig. Dass die Fledermäuse hier ein Zuhause gefunden haben, gebe ihr auch heute noch einen echten Mehrwert.


Von Carmen Lechner
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