Worum es auf dem Campus am Freitag ging, das war von weithin sicht- und hörbar: Verschiedene Hunde standen vor den Türen und begrüßten die Besucherinnen und Besucher mit wedelnden Schwänzen. Das Wohl der Tiere stand im Fokus: Verschiedene Ausstellende und Vorträge informierten über Tierschutz im In- und Ausland.
Wie die Veranstaltung überhaupt zustande gekommen ist? Studierende der Hochschule Ansbach hatten sie im Rahmen des Studiums und der Tätigkeit bei der Hochschul-Redaktion FrankenSein organisiert. Als Veranstaltungsort diente der Campus Rothenburg, da er sich perfekt für das Vorhaben eignete, so Organisatorin Melissa Harrer. Hintergrund: Harrer, die auch Teil der Redaktion ist, widmete ihre Masterarbeit dem Thema Tierschutz und begleitete Jenny Müller-Hasanay, Gründerin der Tierschutz-Organisation Jeta aus Albanien, zwei Wochen lang bei ihren täglichen Aufgaben.
So entstand auch die Kooperation für die Veranstaltung, auf der Müller-Hasanay einen Vortrag über den Auslandstierschutz hielt und erste Einblicke in den Film der Studierenden gewährte. „Ich habe den Film selbst noch nicht gesehen“, erzählte Müller-Hasanay davor lachend.
Auch für Harrer war es eine Generalprobe, denn: Die Arbeit ist noch nicht abgegeben. „Es ist sich so zeitlich besser ausgegangen, und das Projekt lag mir sehr am Herzen“, so die 29-Jährige.
Aber zunächst konnten sich die 40 Besucherinnen und Besucher bei den Ständen der Tierschutz-Organisationen umsehen, sich vernetzen und sich gegen eine Spende das Essen vom Buffet schmecken lassen. Die Spendensumme geht vollständig an Jeta, erklärte Harrer.
Sie hatte die Gründerin der Organisation bei einem Urlaub in Albanien kennengelernt, bei dem sie das Leid der Straßenhunde hautnah miterleben musste: Gemeinsam mit ihrer Schwester fand sie einen kleinen Hundewelpen im Müll. Sie suchten nach einer Möglichkeit, die junge Hündin mit nach Deutschland zu nehmen und dort weiterzuvermitteln. Bei diesem Vorhaben half ihnen Müller-Hasanay. „Die Hunde brauchen Impfungen, um überführt werden zu können“, erklärte Harrer. Gemeinsam schafften sie es, heute ist der Hund in Deutschland.
Der Tierschutz und die Liebe für die Tiere blieben. Harrer startete ihren Master-Studiengang in Ansbach schon mit der Intention, die Masterarbeit mit diesem Thema abzugeben. „Tierschutz ist mir einfach ein Herzensthema“, sagt Harrer. Sie arbeite seitdem selbst im Metier und freue sich, das Event ausrichten zu können und damit Aufmerksamkeit auf den Tierschutz im In- und Ausland lenken zu können.
Im Vortrag von Jenny Müller-Hasanay ging es unter anderem um die Frage, was wichtiger ist: Tierschutz im Ausland oder hier in Deutschland, wo die Tierheime teilweise keine Tiere mehr aufnehmen können?
„Leid gibt es überall auf der Welt“, sagt Müller-Hasanay. Wegschauen könne keiner, und es sei wichtig, dass Menschen sich bereit erklären, anzupacken und zu helfen - egal wo.
Gleichzeitig weiß Melissa Harrer, dass sich aktuell ein Trend abzeichnet, Tiere eher aus dem Ausland nach Deutschland zu holen und aufzunehmen, dann aber mit der Pflege dieser und den Bedingungen, die sie mitbringen, überfordert zu sein. „Wer einen Hund aus Griechenland aufnimmt, muss damit rechnen, dass der erstmal nicht stubenrein ist“, weiß Harrer. Und oftmals landen diese Tiere dann aus Überforderung wieder in deutschen Tierheimen. Ein Teufelskreis – und die, die auf die Hilfe angewiesen sind, leiden am meisten darunter.
Müller-Hasanay ist sich sicher: „Der Schlüssel liegt bei Dir“, sagt die 48-Jährige. Es sei wichtig, dass sich immer wieder Menschen finden, die im Tierschutz helfen und unterstützen. Hunde seien ihr Leben lang auf die Hilfe und Unterstützung von uns Menschen angewiesen.
Dieser Verantwortung sollten sich Tierhalterinnen und Tierhalter bewusst sein – und sie nicht unterschätzen. Tierschutz im Ausland sei ihr deshalb wichtig, weil so Modelle aus Europa in Schwellenländer weitergegeben werden können, in denen ein Tierleben eben doch deutlich weniger wert ist als hier vor Ort. „Das, was ich in Europa im Tierschutz gelernt habe, gebe ich in Albanien weiter“, erklärt Müller-Hasanay.
Dem Vortrag von Müller-Hasanay, in dem sie weitere Einblicke in die Arbeit des Tierschutzes in Albanien gewährte, schloss sich eine rege Diskussionsrunde an. Das Fazit: Tierschutz ist überall wichtig, im Inland wie auch im Ausland. Alle vier der vertretenen Tierschutzvereine konnten in einem Redebeitrag ihre Meinung darlegen und im Anschluss diskutierten die Besucherinnen und Besucher weiter.
Melissa Harrer: „Wir haben festgelegt, dass es wichtig ist, welchen Verein man unterstützt. Es sollten nicht nur wahllos Hunde aus dem Ausland nach Deutschland gebracht werden, sondern die Vereine sollten vor Ort Projekte wie Kastrationsprogramme fördern und die Bevölkerung aufklären.“