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Veröffentlicht am 16.01.2025 14:11

Der Abschied aus Hagenbüchach fällt ihr schwer

Tausende Male dürfte sie durch dieses Tor zur Kirche gegangen sein. Nun wechselt Pfarrerin Monika Bogendörfer von Hagenbüchach nach Möhrendorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Tausende Male dürfte sie durch dieses Tor zur Kirche gegangen sein. Nun wechselt Pfarrerin Monika Bogendörfer von Hagenbüchach nach Möhrendorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Tausende Male dürfte sie durch dieses Tor zur Kirche gegangen sein. Nun wechselt Pfarrerin Monika Bogendörfer von Hagenbüchach nach Möhrendorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt.

Sie geht mit Wehmut. Daraus macht Monika Bogendörfer kein Geheimnis, war sie doch schließlich über 16 Jahre Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Hagenbüchach und Kirchfembach. Elf Jahre hatte sie sich die Stelle mit Kerstin Baderschneider geteilt, danach übernahm sei die Pfarrei alleine – mit Leib und Seele.

Der Mutter von drei erwachsenen Kindern fällt der Abschied schwer, sagt sie. Jedoch sei es nun eben an der Zeit zu wechseln, denn normalerweise seien es nur 15 Jahre, die man an einer Pfarrstelle verbringt – so wollen es die Regularien der evangelischen Kirche. Bis zur Rente sind es bei Monika Bogendörfer noch weitere 16 Jahre – deutlich zu lange also, um für den Rest des Berufslebens in Hagenbüchach bleiben zu können.

Sie bleibt in der Nähe

Immerhin: In allzu weite Ferne verschlägt es sie nicht, hatte sie doch darum gebeten, zumindest in erreichbarer Nähe ihres Freundeskreises bleiben zu dürfen. Deshalb zieht sie mit ihrem Gatten auch nur einen Landkreis weiter nach Möhrendorf bei Erlangen. Ihr Mann, ein Architekt, sei mittlerweile in Rente und werde sie künftig etwas im Haushalt unterstützen, erzählt sie weiter.

Die Theologin stammt aus Kräft bei Rügland im Landkreis Ansbach und wuchs dort auf einem Bauernhof auf. Die Oma sei ausschlaggebend gewesen, dass sie Pfarrerin wurde. Sie sei eine sehr fromme und kluge Frau gewesen, erinnert sich Monika Bogendörfer.

In den Zeiten des Zweiten Weltkrieges sei sie mutig genug gewesen, sich der Nazi-Grußformel nicht zu beugen: „Heil gibt es nur bei Jesus Christus, nirgendwo anders“, habe sie gesagt. Die Oma habe viel Mut und Kraft aus ihrem Glauben geschöpft, die auch stellvertretende Dekanin im Dekanatsbezirk Neustadt/Aisch war, die Bedeutung ihres ersten Rollen-Modells.

Der große Zusammenhalt ist außergewöhnlich

Von der Pfarrstelle in zwei verschiedenen Landkreisen und den unterschiedlichen politischen Gemeinden, die sie jetzt aufgeben muss, schwärmt sie im Gespräch mit der Redaktion. Hagenbüchach gehört zum Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Kirchfembach zum Landkreis Fürth. Trotzdem sei der Zusammenhalt dieser Dörfer sehr groß. Deswegen organisierte die Pfarrerin mit dem Kirchenvorstand viele Treffen und Veranstaltungen. Ob Frauenclub oder Frauenkreis bis hin zur Jugendgruppe und Kindertreff, war für jede Altersgruppe etwas dabei.

Besonders beliebt seien die Kindergottesdienste, die parallel zum Hauptgottesdienst stattfinden, so Bogendörfer. Und auch der Kindertreff im Gemeindehaus sprengte oft beinahe die Kapazitäten.

Viele Taufen

Zu Hagenbüchach gehören Mausdorf, Bräuersdorf, Erlachskirchen, Erlachsmühle und Trübenbronn, zählt Bogendörfer ohne ins Stocken zu geraten auf. Dabei gab es immer nur ein „Wir“, sagt die Pfarrerin, die für längere Zeit auch für die Seelsorge in den Emskirchener Ortsteilen Elgersdorf und Dürrnbuch zuständig war, nicht ohne Stolz.

Noch eines werde sie nicht vergessen, denn nicht alle Geistlichen hätten dieses Glück: Sie habe während ihrer Zeit in Hagenbüchach mehr Kinder getauft, als Beerdigungen abgehalten. Ein gutes Omen offenbar, denn erst unlängst seien Eltern zu ihr gekommen und hätten dringend darum gebeten, ihr Kind noch zu Bogendörfers Amtszeit in Hagenbüchach taufen zu lassen. „Viele Leute bedauern es schon, dass ich gehe“, sagt die Pfarrerin, die in Erlangen und ein Jahr in Jerusalem Theologie studiert hatte.

Günther Beckstein und Köpkes Söhne

Ihre künftige Wirkungsstätte sei etwas städtischer geprägt und die Zahl der Gemeindeglieder sei etwas größer. Doch das kennt sie schon von ihrer früheren Pfarrstelle in Nürnberg-Mögeldorf, in der unter anderem auch der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günter Beckstein ein Mitglied der Kirchengemeinde war. Die Söhne des früheren Nationaltorwartes Andy Köpke habe sie dort übrigens konfirmiert erzählt sie – die seien super nett gewesen.

Auch der Wandel, den sie in ihren 16 Jahren in Hagenbüchach erlebt habe, werde ihr im Gedächtnis bleiben: Seit 2008 hätten dort viele Bauern ihre Landwirtschaft aufgegeben, auch zwei Wirtshäuser wurden geschlossen. Aber die Kirche hatte und hat weiterhin einen hohen Stellenwert, freut sie sich.

Am Sonntag, 19. Januar, wird Monika Bogendörfer von Dekanin Ursula Brecht während eines Gottesdienstes, der um 14 Uhr in der Kilianskirche beginnt, verabschiedet. Dann heißt es für die Theologin „auf ein Neues“. Sie verlässt Hagenbüchach nach 16 Jahren – mit ein bisschen Traurigkeit und auch ein bisschen Vorfreude auf eine neue Aufgabe. Nochmals 16 Jahre lang?

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