Der Neue am Landestheater Dinkelsbühl: „Ich war schnell Feuer und Flamme” | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 15.01.2026 20:07

Der Neue am Landestheater Dinkelsbühl: „Ich war schnell Feuer und Flamme”

Thomas Weber ist seit Herbst 2025 neues Ensemblemitglied beim Landestheater Dinkelsbühl. (Foto: Lisa-Maria Liebing)
Thomas Weber ist seit Herbst 2025 neues Ensemblemitglied beim Landestheater Dinkelsbühl. (Foto: Lisa-Maria Liebing)
Thomas Weber ist seit Herbst 2025 neues Ensemblemitglied beim Landestheater Dinkelsbühl. (Foto: Lisa-Maria Liebing)

Ein Anruf, ein Treffen und eine Pro-und-Contra-Liste lockten den Schauspieler Thomas Weber nach Dinkelsbühl. Seit September ist er neues Ensemble-Mitglied beim Landestheater. Er steht unter anderem in dem Stück „Was war und was wird” auf der Bühne, das am Samstag, 17. Januar, Premiere feiert.

Im November 2024 klingelte Webers Telefon. Am anderen Ende der Leitung: die neue Intendantin des Landestheaters, Jasmin Meindl. Ihr Anliegen: Sie wollte Weber für das Ensemble gewinnen. „Ich bin ehrlich, im ersten Moment dachte ich mir, wie sage ich ihr jetzt höflich ab”, erzählt Weber. Damals arbeitete er als freischaffender Schauspieler – ein Lebensmodell, das er sehr schätzte. Eine feste Anstellung kam für ihn zunächst nicht infrage.

Eine zweite Chance für Dinkelsbühl

Doch ein Treffen einen Monat später in Regensburg änderte seine Sicht. Meindl habe ihm von ihren Plänen für das Theater und ihrer Vision für Dinkelsbühl berichtet. „Ich war dann relativ schnell Feuer und Flamme“, sagt Weber. Am Ende fiel die Entscheidung mithilfe einer klassischen Pro-und-Contra-Liste. „Ich hatte 2009 bereits einen Gastvertrag in Dinkelsbühl. Ich habe damals eine Kollegin kennengelernt, mit der ich noch heute sehr gut befreundet bin. Deshalb wollte ich Dinkelsbühl eine zweite Chance geben. Nicht nur, weil ich mich sehr dafür interessiere, sondern auch wegen eines gewissen Gefühls von Nostalgie. Und mir gefällt die Stadt.”

Seine 25-jährige Theaterlaufbahn hat Weber schon in viele Städte Deutschlands geführt. Geboren wurde er aber 1977 in München. Dort ist er als Einzelkind aufgewachsen und hat das Gymnasium besucht. Er war schon immer ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler, betont der heute 48-Jährige. „Den ersten richtigen Kontakt mit der Schauspielerei hatte ich aber erst in der zehnten oder elften Klasse durch eine Schultheatergruppe, bei der ich mitgemacht habe.” Seine erste Rolle: König Peter in dem Stück „Leonce und Lena” von Georg Büchner, erinnert er sich.

Für Berufswunsch das Gymnasium verlassen

Schnell habe er dabei gemerkt, dass ihm die Schauspielerei sehr viel Spaß mache – mehr Spaß als alles andere zu jener Zeit. Somit stand sein Entschluss fest: Er wollte Schauspieler werden. Damit begann für ihn die Bewerbungsphase bei allen staatlichen und einigen privaten Schauspielschulen in Deutschland, wie er erzählt. „Bei der Vorstellungsrunde hat es dann bei der dritten Schule direkt geklappt.”

Seine Eltern, beide pensionierte Beamte, haben mit der Theaterwelt, wie er selbst sagt, nichts am Hut. Dennoch wurde er von ihnen bei seinen Berufsplänen zu jeder Zeit unterstützt. Und das, obwohl er – ein Albtraum vieler Eltern – in der zwölften Klasse das Gymnasium ohne Abitur schmiss, um auf eine Schauspielschule zu wechseln. „Natürlich wäre es ihnen sicher lieber gewesen, wenn ich den Schulabschluss noch gemacht hätte. Aber sie wussten genauso gut wie ich, dass ich es wahrscheinlich eh nicht geschafft hätte. Ich war wirklich ein wahnsinnig schlechter Schüler”, erzählt er und lacht.

Besuch von Vorlesungen an der Uni Regensburg

1998 startete er also mit seiner Ausbildung an der Schauspielschule Zerboni in München, wechselte später an die Kunstuniversität Graz und schloss dort 2001 ab. Es folgten zahlreiche Engagements an Bühnen im gesamten Bundesgebiet, darunter in Ingolstadt, Braunschweig, Augsburg, Stendal, München und zuletzt Regensburg. „Über Umwege habe ich dort auch Jasmin Meindl kennengelernt“, sagt Weber – ein Kontakt, der sich nun als entscheidend erwies.

Neben der Schauspielerei schreibt Weber Musik für Theaterproduktionen, spielt Gitarre und geht gerne wandern. Zudem besucht er offene Ringvorlesungen an der Universität Regensburg. „Ich habe den großen Wunsch, mir noch mehr Wissen anzueignen“, sagt er. Langfristig könne er sich sogar ein Studium der Geistes- oder Medienwissenschaften vorstellen – mit dem Ziel, später als Dramaturg zu arbeiten.

Für die kommenden zwei Jahre steht Weber nun aber erst einmal auf der Bühne des Landestheaters. Neben „Was war und was wird“ ist er auch in dem Stück „Die Erbschaft“ zu sehen. Mit einem Anruf, der zunächst zu einer Absage führen sollte, hat damit für Weber ein neues Kapitel in Dinkelsbühl begonnen.

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