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Veröffentlicht am 11.07.2025 07:00

Diakoneo aus Neuendettelsau: Mehrere Interessenten für verschiedene Standorte

Das in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Neuendettelsauer Sozialunternehmen Diakoneo sieht sich nun wieder auf einem guten Kurs. „Unsere Konsolidierungs- und Sparmaßnahmen zahlen sich aus”, teilte Ina Strickstrock, Vorständin Personal und Unternehmensentwicklung, auf Anfrage der FLZ mit.

Zu diesen Sparmaßnahmen zählt unter anderem der Verkauf der Rangauklinik im Ansbacher Stadtteil Strüth sowie der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in Neuendettelsau und Ansbach, die bei Diakoneo unter dem Namen Gesundheitszentrum Mittelfranken zusammengefasst sind. Für diese Einrichtungen, so Strickstrock, habe man „mehrere ernsthafte Kaufangebote erhalten”. Mit den Interessenten sei man in Verhandlungen. Um wen es sich handelt, verrät Diakoneo nicht, denn es sei Verschwiegenheit vereinbart worden.

Verkaufen will das Sozialunternehmen auch die Klinik Hallerwiese/Cnopfsche Kinderklinik in Nürnberg, eine der größten Geburtskliniken in Deutschland. Obwohl sich die Verhandlungen schon seit vielen Monaten hinziehen, hat man nach den Worten der Diakoneo-Vorständin immer noch keine Lösung hinsichtlich der finanziellen Forderungen und Möglichkeiten gefunden. Eingebunden in die Gespräche seien die Stadt Nürnberg, die Staatsregierung und die evangelische Landeskirche.

Kein Bieter für die Klinik Schwabach

Vorläufig bei Diakoneo bleiben wird wohl die Klinik Schwabach, denn im Bieterverfahren habe sich kein ernsthafter Interessent für das Krankenhaus finden lassen, informierte Ina Strickstrock weiter. Die Kreisklinik Roth hat allerdings Ende Mai ein Strukturgutachten für die Region Schwabach-Roth in Auftrag gegeben, das Diakoneo intensiv mit vorbereitet hat. In etwa sechs Monaten sollen die Ergebnisse vorliegen, mit ersten Zwischenergebnissen wird in zirka drei Monaten gerechnet.

Das mit der Stadt Schwabach und dem Landkreis Roth abgestimmte Gutachten wird Szenarien für die künftige Gesundheitsversorgung in der Region definieren und Grundlage für einen Antrag auf Mittel aus dem sogenannten Strukturfonds sein. Mit diesem Geld kann dann die Versorgung der Zukunft auf- beziehungsweise die heutige Versorgung entsprechend umgebaut werden.

Auf der Liste der Einrichtungen, die Diakoneo abstoßen möchte, steht auch das Studierendenwohnheim Collegium Oecumenicum in Bamberg. Hier sind die Verhandlungen mit einem Käufer nach den Worten von Ina Strickstrock weit fortgeschritten: „Wir gehen davon aus, dass wir das Haus bis Ende des Jahres abgegeben haben werden”.

Der Fokus verschiebt sich

Nach weiteren Verkäufen, Schließungen von Einrichtungen und Veränderungen bei den Angeboten gefragt, wird die Vorständin grundsätzlich: „Die Welt um uns herum verändert sich. Das geht auch an Diakoneo nicht spurlos vorbei. Auch wir müssen uns an veränderte Rahmenbedingungen anpassen – so haben wir das immer in unserer rund 150-jährigen Geschichte getan”.

Bereits im Frühjahr hatte Diakoneo angekündigt, dass man sich alle Angebote und Einrichtungen ansehen werde. Man prüfe, ob Angebote noch gebraucht werden und „wo wir besser werden müssen”. Der Fokus von Diakoneo verschiebe sich in Richtung Bildung und Dienste für Menschen: „Gleichzeitig stellen wir unsere zentralen Einrichtungen neu auf, etwa Marketing und Kommunikation oder aber aktuell auch unsere Küchen.”

Bei Diakoneo wird derzeit in neun Küchen Essen zubereitet. Zukünftig wird bei Diakoneo noch an drei Standorten, unter anderem im Tagungszentrum in Neuendettelsau, gekocht. Außerdem wird es an weiteren drei Standorten in Himmelkron, Bruckberg und Neuendettelsau künftig Verteiler-Küchen geben. Die Diakoneo-Einrichtungen würden nicht mit Fertigmahlzeiten beliefert, sondern mit frisch zubereitetem Essen, welches tiefgefroren und in den Verteilerküchen zum Verzehr aufbereitet wird, teilte die Diakoneo-Pressestelle mit.

Änderungen beim Essen

Wer das Essen liefert, ist offenbar noch nicht sicher. Derzeit befinde man sich in Gesprächen mit einem externen Partner. Jedenfalls werde man das „Cook and Freeze“ Verfahren nutzen. Hierbei wird das Essen in einer externen Küche frisch zubereitet, vollständig gegart, tiefgefroren und in den Verteilerküchen aufbereitet. Durch das Einfrieren nach der Zubereitung werde eine höhere Qualität erreicht, denn es blieben mehr Nährstoffe enthalten. Zusätzlich ermögliche das Verfahren, dass die Produkte länger lagerfähig sind, was die Versorgungssicherheit deutlich erhöhe.

Die oberste Priorität habe die Sicherung der Qualität der Speiseversorgung. Diese sei bei Diakoneo unter den gegebenen Rahmenbedingungen weder dauerhaft gesichert noch wirtschaftlich tragbar. Deshalb müsse sich das Verpflegungskonzept bei Diakoneo ändern. Ziel sei es, die Speiseversorgung für alle Einrichtungen in Zukunft nachhaltig und zuverlässig zu gestalten.

Und was wird aus den Mitarbeitenden der stillgelegten Diakoneo-Küchen? Dazu befinde man sich aktuell im Beratungsprozess mit der Mitarbeitervertretung.

Insider berichten, Bewohner von Senioren- und Behinderteinrichtungen wie dem Wohnpark Neuendettelsau, dem Therese-Stählin-Heim und in Bruckberg seien trotz der Versicherung der Unternehmensleitung aufgebracht und fürchteten um die Qualität des Essens. Mitarbeitende sagen, es werde am falschen Ende gespart, statt den in den vergangenen Jahren aufgeblähten Leitungskreis zu reduzieren.

Der Standort Ansbach des Diakoneo-Gesundheitszentrums Mittelfranken mit den MVZs für Kinder- und für Lungenheilkunde soll verkauft werden.  (Foto: Thomas Schaller)
Der Standort Ansbach des Diakoneo-Gesundheitszentrums Mittelfranken mit den MVZs für Kinder- und für Lungenheilkunde soll verkauft werden. (Foto: Thomas Schaller)
Der Standort Ansbach des Diakoneo-Gesundheitszentrums Mittelfranken mit den MVZs für Kinder- und für Lungenheilkunde soll verkauft werden. (Foto: Thomas Schaller)

Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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