Die Händler im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim ziehen ein überraschend positives Fazit des Lesejahres 2023. Für Kinder und Schüler soll es Aktionen für die Leseförderung geben.
„Bücher sind Medizin für die Seele“, unterstreicht Matthias Bareiß vom Arche Buchladen in Sugenheim. Er sollte es wissen, schließlich ist Bareiß gleichzeitig auch Apotheker und sein Buchladen liegt direkt über der Traut‘schen Apotheke, die Bareiß ebenfalls leitet. „Ich erwarte weiterhin wachsendes Interesse am Buchladen“, sagt Bareiß. „Ich bin fest davon überzeugt, dass das reale Buch aus Papier – das man in den Händen halten kann – trotz Digitalisierung und Hektik im Alltag nicht ausstirbt, sondern eine Renaissance erleben wird.“
„Das Buchgeschäft ist sicherlich eines jener Geschäfte, die trotz Internet weiterhin Bestand haben werden“, sagt auch Volker Struckmeier von der Buchhandlung Schmidt in Neustadt. Der Bamberger hat erst im Februar das Ladengeschäft übernommen. „Ich bin gar kein gelernter Buchhändler, sondern Kaufmann“, erklärt er, weshalb er das Thema Bücher auch eher pragmatisch sieht.
„Buchhandlungen haben den Vorteil, dass sie von der Lieferzeit mit dem Onlinehandel vergleichbar sind – wenn nicht gar schneller. Und eine Preisbindung vorhanden ist. Ob München oder Kiel, online oder im Laden, überall kostet das Buch gleich viel. Dadurch sind der persönliche Kontakt und die Ladenausstattung viel entscheidender“, sagt Volker Struckmeier. Das führe dazu, dass sein Geschäft nach der Übernahme von alteingesessenen Buchhändlern nun weiter „ohne Anlaufschwierigkeiten“ funktioniert.
Struckmeier leitet neben dem Neustädter Betrieb auch die Buchhandlung Frenkel in Nürnberg. Im Vergleich zur Großstadt fällt ihm auf, dass „es ein wahnsinnig großes Lesepublikum in Neustadt gibt. Egal welche Richtung: ob Krimi, Thriller, oder leichte Kost. Letzteres geht besser in Neustadt, Nürnberg hat einen höheren Anteil an Sachbüchern“, sagt der Kaufmann und fügt scherzend hinzu: „Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Neustädter besser kochen können und keine Bücher dafür brauchen.“ Eine Besonderheit in Neustadt stellen demnach auch die bekannten Buchverfasser dar: „Lokale Autoren wie beispielsweise Wolfgang Mück werden wahnsinnig schnell verkauft und sind teilweise schon vor dem Erscheinen vergriffen.“
Das kann auch Angela Meyer von „Schreibwaren und Bücher Hans Meyer“ in Scheinfeld bestätigen. Zwar verkauft der Laden hauptsächlich Schreibwaren, „aber unsere sehr kleine Buchabteilung lief dieses Jahr sehr gut“. Besonders beliebt waren regionale Krimis und Autoren. Für 2024 würde sich Angela Meyer einen Harry-Potter-Effekt wünschen, also ein neues Buch, dass so einen Hype auslöst wie die Romanreihe von J.K. Rowling. „Ich erinnere mich noch gut! Um Mitternacht haben wir den Laden geöffnet, um einen neuen Band zu verkaufen. Die Kunden standen schon Schlange und haben gewartet, bis die Tür geöffnet wurde“, sagt sie.
Christian Finzel und Stella Cramer, die die beiden Buchhandlungen Dorn in Neustadt und Bad Windsheim leiten, wünschen sich von 2024 etwas anderes. Im Gespräch mit der Redaktion steht für sie das kommerzielle Buchgeschäft nicht im Fokus, sondern – insbesondere für Cramer – die Leseförderung. Schon vergangenes Jahr war sie deswegen in Schulen und sprach mit Eltern über passende Bücher für junge Kinder, gab Führungen für Schüler in den Buchhandlungen, engagierte sich beim Welttag des Buches und verteilte zahlreiche „Lesetüten“. In diesem Jahr strebt sie eine engere Kooperation mit dem Kinderschutzbund und den lokalen Lions Clubs an.
Cramer berichtet, dass viele Kinder und Schüler „auf die digitalen Medien auch einfach keine Lust mehr haben“. Sie will deshalb ein starkes Team für die Leseförderung aufbauen und mit Aktionen Kinder im ganzen Landkreis wieder zum Lesen bringen. „Das dient dem Schutz der Kinder“, sagt sie. Denn Lesen bleibe für die Entwicklung wichtig und sei letztlich „demokratiefördernd“.
Doch auch wenn zwischen Büchern und digitalen Medien oft ein Kampf besteht, gibt es auch positive Beispiele: Christian Finzel berichtet von „Booktokern“, die auf sozialen Medien Bücher vorstellen und bewerben. Diese sehr speziellen Influencer sind so beliebt, dass er dafür in seinen Läden einen extra Tisch aufgebaut hat, bei dem ein jüngeres Publikum besonders gern zugreift und stöbert.
Abgesehen davon berichtet Finzel, dass das Geschäft in den Buchhandlungen nach der Pandemie ein Auf und Ab sei. Das Problem: alles wird teurer, aber die Verlage drücken die festgeschriebenen Buchpreise. Das führt laut Finzel dazu, dass die Gewinnspanne für den Handel immer geringer wird.