Bereits vor acht Jahren war die Künstlerin Silvia Hornig in Hilsbach zu Gast. Damals zeigte sie Arbeiten zusammen mit ihrer holländischen Kollegin Hanneke van der Werf. Nun präsentiert die in Berlin lebende Malerin eine Einzelausstellung unter dem Titel „Foxtrott“.
„Malerei begreife ich als Ereignis der Entgrenzung, ein sinnliches Erspüren von Räumen, in denen rhythmische Farbgeschehen nicht erkennbar und erklärbar sein müssen“, erläutert die Künstlerin ihr Konzept. Einen zarten Hinweis enthält diese Äußerung dennoch. Da ist von Rhythmus die Rede, so wie er etwa in dem Gesellschaftstanz Foxtrott eine Rolle spielt. Ein Wechsel zwischen temperamentvoll und zurückgenommen, laut und leise, wie die beiden Varianten Quickstepp und Slowfox etwa.
Nun wird der Betrachter in Silvia Hornigs Werken kein unmittelbares Zeichen für diesen um 1910 in Nordamerika populär gewordenen Tanz finden. Es ist vielmehr der Rhythmus der Ausstellung selbst, auf den die Malerin sich bezieht. Ihre abstrakten Bilder wechseln von ruhiger Atmosphäre zu temperamentvollem Verve und ergeben durch ihre Hängung eine Art Melodie.
Melodien sind es tatsächlich, die Silvia Hornig bei ihrer Arbeit inspirieren, eine Art innerer Soundtrack, der sie begleitet. Das heißt aber nicht, dass sie beim Malen Musik hört. Malen ist für die Künstlerin ein intimer Prozess, dem man sich ganz hingeben muss, so weit, dass man sich selbst nicht mehr wahrnimmt. Dass die Bilder sich quasi eigenständig komponieren.
„Das ist das Schwerste an meiner Art zu arbeiten. Ich möchte, dass bei der Entstehung meiner Werke etwas Einmaliges und Neues entsteht. Möchte nicht auf bereits Vorgefasstes und Bestehendes zurückgreifen. Dafür muss ich mich selbst ausblenden.“ Stattdessen der inneren Melodie des Lebens lauschen, sich in den „Flow“ fallen lassen und Lasur über Lasur legen, bis ein ganz einmaliges Farbspiel entsteht, das am Besten zur Geltung kommt, wenn es von Naturlicht beleuchtet wird.
So, wie es etwa in der Hilsbacher Galerie möglich ist. Da verwischen die Konturen, werden weich und fließend. Das Geheimnis dieser Bilder liegt in den vielen übereinander gelegten Schichten, die ihnen Tiefe verleihen. Das changierende Spiel der Pigmente lässt auch eine scheinbar monochrome Fläche lebendig werden. Kleinste Nuancen und Farbveränderungen bei den Slowfox-Bildern wechseln mit lebhaften, sprudelnden Farbkompositionen zum Quickstepp-Gemälde.
Bisweilen kommt der Betrachter dem dahinter verborgenen Sound durch die Titel auf die Spur. Das mysteriöse „formajortom“ entpuppt sich bei Trennung der Teile als eine Anspielung auf einen Helden der Bowie-Saga, auf den im All verlorenen Weltraumfahrer Major Tom. Die Umdrehung von Space Odditiy in „odd spacity“ knüpft weiter an die Geschichte an. Ja, seltsam ist die Story allemal und für den Protagonisten so verstörend, dass er am Ende zum Junkie wird.
Hornigs Bilder sind nicht so verstörend wie Bowies Weltraumdrama, sondern eher heiter, verspielt, farbenfroh. Sie erfreuen sich einer ansprechenden Ästhetik, einer einfühlsamen Komposition, einer anmutigen Zartheit. „Das Schöne darf in der Kunst zum Glück wieder ein Thema sein“, sagt Silvia Hornig.
Ihre Arbeiten kommen an, wie die vielen Ausstellungen vornehmlich in Spanien und Deutschland zeigen. Sie haben einen ganz besonderen Rhythmus.
Die Ausstellung von Silvia Hornig in der Kunsthalle Hilsbach ist noch am Sonntag, 16. Juli, von 14 bis 18 Uhr geöffnet oder nach terminlicher Vereinbarung unter Telefon 0151/57582631.