Über den Dächern der Stadt sollte in Traumlage ein neuer Wohnkomplex entstehen. Im Sommer 2023 wollten die Vertreter der Alexander Rothschild Liegenschaften GmbH mit dem Bau von vier Mehrfamilienhäusern auf dem Filet-Grundstück am Drechselsgarten beginnen. Doch jetzt liegt das Projekt auf Eis.
Ein Bauzaun riegelt das 3500 Quadratmeter große Areal derzeit ab. Seit Mai vorigen Jahres, als das einstige von der Unternehmerfamilie Max Schmidt (Firma Bellmann) bewohnte herrschaftliche Gebäude abgerissen worden war, hat sich nichts mehr getan. Alles steht still, obwohl der Plan zunächst vorgesehen hatte, bereits im Sommer 2023 mit den Arbeiten zu beginnen.
Die Verschiebung ins zweite Quartal des zurückliegenden Jahres war bereits ein erster Fingerzeig für die Schwierigkeiten, mit denen sich nicht nur der Investor aus Nürnberg, sondern die gesamte Branche herumplagt.
Steigende Zinsen, Inflation, gestiegene Bau- und Materialkosten – allesamt ungünstige Faktoren. Dennoch wollten die Rothschild Liegenschaften, die bereits den Umbau des gegenüberliegenden Hotel-Areals zu Wohneinheiten umgesetzt hatte, den Neubau noch vor wenigen Monaten realisieren. „Es ist geplant, dass wir es durchziehen“, meinte Geschäftsführer Matthias Hämmer noch Anfang Mai 2023.
Doch seitdem hat sich viel getan, führt Hämmer aus. So ist die Inflation inzwischen zwar eingebremst und die Baukosten haben sich in den zurückliegenden Monaten wieder halbwegs eingependelt. Doch weil nach einer Klage der CDU ein Milliardenloch im Haushalt der Ampel-Koalition anderweitig gestopft werden muss, haben sich zwei entscheidende Voraussetzungen für Investoren negativ verändert, moniert Hämmer die Maßnahmen der Regierung.
„Mit den Rahmenbedingungen ist es nicht möglich für Bauträger, ein komplettes Objekt ins Laufen zu bekommen.“ Ein Satz wie in Stein gemeißelt.
Konkret geht es um die für Neubauten komplett gestrichenen KfW-Fördermittel des Bundes sowie die derzeit eingefrorenen steuerlichen Möglichkeiten einer Abschreibung. „Es kauft doch derzeit keiner eine Wohnung, wenn er nicht weiß, ob er etwas gefördert bekommt oder was man abschreiben kann“, meint Hämmer und schiebt den Schwarzen Peter nach Berlin.
„Die Regierung tut nichts, dass etwas vorangeht“, findet der Rothschild-Geschäftsführer, da mache es überhaupt keinen Sinn, Objekte wie die am Drechselsgarten geplanten 18 Eigentumswohnungen „auf den Markt zu bringen“.
Stelle sich die Situation für den einzelnen Häuslebauer in diesen Tagen schon schwierig dar, türmten sich die vorhandenen Fragezeichen für größere Objekte zu einem Berg auf, den niemand besteigen wolle. „Es ist nicht möglich, das umzusetzen“, sagt Hämmer und bestätigt die vorläufige Einstellung der Planungen: „Das Projekt liegt erst einmal auf Eis.“
Dabei spielt es laut Hämmer auch keine Rolle, dass das Grundstück am Drechselsgarten 4 und 6, so die offizielle Anschrift der zwei ehemals herrschaftlich daherkommenden Villen, mit einer exklusiven Lage inklusive eines Traum-Ausblicks über die Stadt aufwarten kann. Auch der spezielle Entwurf der vier in einer H-Form zusammenhängenden Wohngebäude („Das schaut richtig fein aus“) sei laut Hämmer kein Argument für Käufer, sämtliche Unwägbarkeiten auszublenden.
Der Frust des Projektplaners ist auch am Telefon herauszuhören. Viel Arbeit ist bereits in das ambitionierte Vorhaben geflossen. Schon um die Baugenehmigung musste von Seiten des Investors lange gerungen werden. Es wurden mehrfach Pläne verworfen, ehe die jetzige, deutlich verschlankte Version vom Stadtrat und der Baubehörde grünes Licht bekam. Seit Ende Januar 2023 liegt dem Investor der Genehmigungsbescheid vor.
Das Projekt liegt
In der Zwischenzeit hätten die Ausschreibungen der einzelnen Gewerke, bei denen der Bauträger auf regionale Unternehmen setzen will, längst begonnen haben können. Doch auch diese Vorarbeiten werden von den Rothschild Liegenschaften derzeit nicht weiter verfolgt. Würden die Anbieter jetzt Preise für ihre Leistungen anbieten, bräuchte es „in einem halben Jahr eine neue Kalkulation“, erklärt Hämmer und stellt fest: Das Projekt am Drechselsgarten steht derzeit für den Bauträger nur noch „auf der Beobachtungsliste“.