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Veröffentlicht am 01.09.2023 17:33

Eine Pasteurisieranlage für Gutenstetten

Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Gerhard Knöchlein (im gelben Shirt) füllt Apfelsaft in den Beutel, Björn Reiß mit Hilfe von Bürgermeister Gerhard Eichner (rechts) in Flaschen. Allianzmanagerin Theresia Pöschl beobachtet zufrieden, was sie da gefördert hat. (Foto: Johannes Zimmermann)
Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Gerhard Knöchlein (im gelben Shirt) füllt Apfelsaft in den Beutel, Björn Reiß mit Hilfe von Bürgermeister Gerhard Eichner (rechts) in Flaschen. Allianzmanagerin Theresia Pöschl beobachtet zufrieden, was sie da gefördert hat. (Foto: Johannes Zimmermann)
Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Gerhard Knöchlein (im gelben Shirt) füllt Apfelsaft in den Beutel, Björn Reiß mit Hilfe von Bürgermeister Gerhard Eichner (rechts) in Flaschen. Allianzmanagerin Theresia Pöschl beobachtet zufrieden, was sie da gefördert hat. (Foto: Johannes Zimmermann)

Gutenstetten wird immer mehr zur alkohol- und saft-autarken Gemeinde. Am Donnerstag folgte der nächste Schritt in diese Richtung: eine Pasteurisieranlage für Säfte jedweder Art. Kümmerer ist der Obst- und Gartenbauverein Gutenstetten, Fördergelder flossen aus dem Regionalbudget.

Im Obsthaus herrscht an diesem Tag ein schwer österreichischer Ton. Dafür verantwortlich ist Mario Hartl, Elektro- und Servicetechniker des Herstellers „voranMaschinen GmbH“ mit Sitz in Pichl bei Wels unweit der deutschen Grenze. An diesem Tag baut er die Anlage auf und erklärt sie Schritt für Schritt. Aber wie kam es überhaupt dazu?

„Das ist ein Job, da stehst Stunden“

In Gutenstetten konnte bislang im Obsthaus schon Saft kaltgepresst werden. Allerdings gab es im Domizil der Gartler keine Möglichkeit, das Produkt anschließend zu erhitzen und damit zu pasteurisieren. So mussten die Gutenstettener daheim auf dem Herd im Wecktopf das Flüssige erhitzen und erneut abfüllen. Der Vorsitzende Gerhard Knöchlein erzählt lachend, dass dafür in manchem Haushalt sogar die Schlachttrommel herhalten musste. Björn Reiß kennt das schwierige Erhitz-Prozedere aus eigener Erfahrung: „Das ist ein Job, da stehst ein paar Stunden.“ Knöchlein ergänzt: „Dieser Vorgang ist sehr zeitaufwendig und die Energiekosten sind hoch.“

Die Lösung: eine Pasteurisieranlage im Gutenstettener Obsthaus. So könnte jeder seinen eigenen Saft aus seinem persönlichen Obst pressen, erhitzen und gleich danach in Flaschen oder Beutel abfüllen. „Diese Anlage können alle Ortsansässigen sowie Personen aus der Umgebung nutzen“, betont Knöchlein. In der Gemeinde stehen sehr viele Obstbäume – und auch die Nachfrage nach Apfelsaft von Streuobstwiesen werde immer größer, so der Vorsitzende.

Eine große Investition für den Obst- und Gartenbauverein

Das zeigt ein Blick nach Burgbernheim, zum „EinHeimischen“ der Streuobst Mittelfranken-West eG. Der erfreut sich großer Beliebtheit. Wieso also nicht auch in Gutenstetten im kleinen Vereinsrahmen eine Pasteurisieranlage installieren? Das dachte sich nicht nur Knöchlein. „Wir sollten diese Möglichkeit nutzen, um für uns und die nächsten Generationen diese Investition zu tätigen“, betonte er.

Der Gutenstettener Obst- und Gartenbauverein stellte einen Zuschussantrag ans Regionalbudget der Kommunalen Allianz „NeuStadt&Land“ – und die Verantwortlichen dort sagten ja. Die Anlage ist für den Obst- und Gartenbauverein Gutenstetten eine sehr große Investition, sagt Knöchlein, ohne Zahlen zu nennen. Rund 9300 Euro fließen aus dem Regionalbudget.

Heizt schnell hoch, zieht gut Strom

Am Donnerstag wurde der langgehegte Traum nun also endlich erfüllt. Wasser erhitzt die Heizspiralen – dessen Temperatur liegt bei rund 87 Grad, die vom Saft bei leicht über 80 Grad Celsius. Die Pumpen nie trockenlaufen lassen, den Pasteur nie ohne Inhalt erhitzen, um den Knall-Effekt zu vermeiden: Hartl gibt Tipps und zeigt Tricks. „Das heizt flott hoch“, sagt er. „Das zieht schnell Strom“, entgegnet Gerhard Knöchlein und eilt zum Zähler. „Der rennt“, sagt er.

Ein Testdurchlauf – und auch Säuberungsdurchlauf – mit Wasser. Jeder darf mal versuchsweise Flaschen und Beutel abfüllen, eine leere Flasche dient kurzerhand als kleine Handheizung – sie wird angenehm warm. Dann aber wird es ernst. Bürgermeister Gerhard Eichner schaufelt den zerstückelten Apfelbrei ins Sieb, Gerhard Köchlein schiebt ihn mit Handschuhen zurecht und Andreas Hartmann reicht Gitter nach Gitter. Presse an, Nase an, ein Apfeltraum. Der naturtrübe Saft strömt heraus und wird in einen der 220-Liter-Bottiche gepumpt. Von dort geht’s weiter in den Pasteur.

Der heizt hoch und heizt und heizt, bis er die Zieltemperatur erreicht hat. Sobald er fertig ist, fließt der Saft in die Abfüllanlage. Flasche an die Düse oder Fünf-Liter-Beutel auf die Waage, schon fließt das Apfel-Gold. Über 65 Liter sind es an diesem Tag. Mario Hartl rät zur Vorsicht, denn: „Warmer Saft ist furchtbar klebrig.“

Die Gutenstettener leben sich schnell ein an ihrer Pasteurisieranlage. „Alles sehr selbsterklärend“, betont Hartl. „Wennst des amol ein bis zwei Stunden machst, dann bist a Roboter.“

Der Federweißer ist gesichtert

Nach dem Spaß kommt der Putz. „Immer alles reinigen“, rät der Servicetechniker. Eine Speziallauge für die Reinigung, Säure für die Desinfektion. Alles wird fleißig mit Wasser gespült, ein orangenes Bällchen, das in den Wassereinlauf gesteckt wird, verrät, wann das Nass einmal die gesamte Anlage durchlaufen hat.

Die Hochsaison für die Pasteurisieranlage werden eigentlich nur drei Wochen sein, im Herbst, wenn das Obst saftig ist. Sie läuft ab sofort. Wer Saft pressen, pasteurisieren und abfüllen will, darf sich an den Obst- und Gartenbauvereinsvorsitzenden Gerhard Knöchlein wenden, Telefon 0 91 61/6 63 37 38 oder per E-Mail an Gerhard@Fam-Knoechlein.de. Gut wären zwei bis drei Zentner Obst.

Die Pasteurisieranlage ist ein weiterer Meilenstein zur saft- und alkoholautarken Gemeinde Gutenstetten: die kommunale Brennerei im Kolb-Anwesen, die Privat-Brauerei in Pahres, nun das vereinseigene Saftparadies an der Schulstraße: Fehlt eigentlich nur noch eine Kelterei. „Trauben können wir auch hier pressen“, sagt Knöchlein und lacht. Der Federweißer ist gesichert.

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