Daniela Schiwon kam im roten Tangokleid. Sie hatte den Tanznachmittag im AWO-Seniorenheim in Neustadt organisiert und da war es Ehrensache, dass das „Outfit” stimmt. Im Mittelpunkt jedoch standen Christian Wolf und Gesche Wicher, die die unterschiedlichsten Tänze präsentierten.
Von den Standardtänzen – Wiener Walzer – bis hin zu den Lateinamerikanischen, wie Cha-Cha-Cha – damit brachte das Tanzpaar viel Schwung ins Heim. Tanzen kennt kein Alter und genau das demonstrierten die beiden Profis vom Neustädter TanzSportZentrum. Initiiert wurde die tolle Abwechslung für die Seniorinnen und Senioren von Daniela Schiwon, die seit vielen Jahren immer wieder ins Heim kommt – früher, um die Oma zu besuchen, nach deren Tod, um mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern im Gespräch zu bleiben. Als sie und ihr Mann einen Tanzkurs absolvierten, entstand die Idee des Vorführnachmittags im Heim.
Tanzlehrer Christian Wolf sagte auf Daniela Schiwons Anfrage spontan zu – ohne Gage natürlich. Tatsächlich wurde die Vorführung für die Bewohner zur wunderbaren Abwechslung, die bei dem einen oder der anderen Erinnerungen an durchtanzte Kerwanächte geweckt haben dürfte. Auch die Sozialdienstmitarbeiterinnen Hildegard Hebeler und Dorothea Hübner waren begeistert. Die Frauen und Männer, die meist mit dem Rollator unterwegs sind, wippten fröhlich mit den Füßen im Takt der Musik und schwangen mitgebrachte Tücher. Daniela Schiwon hatte für den besonderen Nachmittag sogar ein Gedicht geschrieben.
Vertraute Melodien erklangen und man sah den alten Menschen die Freude regelrecht an. Hildegard Templer ist 87 Jahre und war früher begeisterte Tänzerin und oft auf dem Tanzboden, wie sie erzählte. „Nach meiner Hüft-OP ging es leider nicht mehr”, erzählt sie ein wenig melancholisch. Früher habe es nicht so viele Freizeitaktivitäten wie heute gegeben, meinte Alma Schömig (87), die aus der Nähe von Würzburg vor einem guten halben Jahr nach Neustadt ins Heim gezogen ist. „Mit einem guten Tänzer machte es ganz viel Spaß”, sagt sie rückblickend.
Ein solcher – und vor allem leidenschaftlicher Tänzer – war Manfred Steiner. Der 93-Jährige erzählte mit leuchtenden Augen, dass es seine schönste Zeit im Leben war, als er einst mit seiner Frau regelmäßig eine Tanzschule in Nürnberg besuchte. Ob er einer von denen war, von denen die ebenfalls bereits hochbetagte Betti Hieronymus (89) erzählte? Um einen guten Tänzer hätten sich die Frauen früher „fast gestritten”, erinnerte sie sich.
Das Fazit des Nachmittags: Christian Wolf und Gesche Wicher dürften selten ein dankbareres Publikum gehabt haben und die Bewohnerinnen und Bewohner hatten sich bestens unterhalten. Eine Neuauflage wäre mutmaßlich also wohl jederzeit willkommen.