Der Frankenbund hat seinen Kulturpreis an Helmut Haberkamm verliehen. Der aus Dachsbach im Aischgrund stammende Autor erhielt die Auszeichnung für sein vielschichtiges Werk der vergangenen Jahrzehnte.
Der Frankenbund mit rund 7000 Mitgliedern widmet sich mit Veranstaltungen, Tagungen und Veröffentlichungen der fränkischen Geschichte und Kultur. Am Samstag traf er sich zu seiner Bundestagung im unterfränkischen Schloss Gaibach, das zur Stadt Volkach am Main gehört.
Dr. Paul Beinhofer, früherer Regierungspräsident von Unterfranken, überreichte den mit 1500 Euro dotierten Kulturpreis an Dr. Helmut Haberkamm. Die Laudatio auf den 62-Jährigen hielt Professor Dr. Georg Seiderer von der Universität in Erlangen.
Der Historiker blickte zurück ins Jahr 1992, in dem für ihn die zwei wichtigsten Ebenen des Werks von Haberkamm sichtbar werden. Zum einen erschien nach dem Studium der Germanistik und Anglistik seine Doktorarbeit über die britische Gegenwartsdichtung. Als Kenner der deutsch- und englischsprachigen Literatur sei sein Werk voller Hommagen an Autoren von Shakespeare bis Rilke, so Seiderer.
Ebenfalls im Jahr 1992 erschien im Cadolzburger Verlag „ars vivendi“ sein erster Gedichtband „Frankn lichd nedd am Meer“. Hier habe sich die Freude gezeigt, das Charakteristische am Dialekt zum Klingen zu bringen. „Durch seine Herkunft ist Helmut Haberkamm vertraut mit dem ländlichen, bäuerlichen Vokabular, mit Bezeichnungen und Dingen, die dem Städter mehr oder weniger fremd sind, und schöpft auch aus ihm den Reichtum seiner Sprache“, sagte Seiderer. „Die Mundart, der Aischgründer Dialekt, bietet ihm die Klaviatur, auf der er virtuos spielt. Dabei sind es eher die leisen Töne, die er anschlägt.“
Diese hätten sich schon im ersten Band gezeigt. „Man könnte im Rückblick deuten, dass schon darin das Programm lag, dem er sich seit seinem Debut widmet. Es geht in seinen Dialektgedichten um Franken, aber so, dass auch die Verwerfungen und das Untergründige dieses Landstrichs sichtbar werden”, sagte Professor Seiderer. „Heimattümelnd war seine Dialektdichtung nie, und der kritische Blick auf die Heimat, auf das, was als ,derhamm´ bezeichnet werden kann, gehört zu ihr ebenso wie seine intime Kenntnis.”
Mit dem Dachsbacher Dialekt sei es ihm gelungen zu zeigen, dass Dialekt in Mittelfranken viel mehr sei als das öffentlich vor allem wahrgenommene Nürnbergerische. „Natürlich gibt es in Mittelfranken auch anderswo Mundartdichtung, ob wir nun an Schorsch Heidingsfelder (1899-1967) aus Ansbach oder Wilhelm Staudacher (1928-1995) aus Rothenburg denken, von anderen Teilen Frankens ganz zu schweigen. Aber ich glaube, dass Helmut Haberkamm ganz wesentlich dazu beiträgt, dass Mittelfranken und seine Dialekte nicht auf das Nürnbergische reduziert werden.”
Der Historiker erinnerte an viele Projekte, die der Preisträger mit anderen Kreativen aus verschiedenen Bereichen realisiert hat. Beim Mundartfestival „Edzerdla“ in Burgbernheim versammle er als künstlerischer Leiter „nahezu alle, die in der fränkischen Szene Rang und Namen haben“. Hier zeige sich, dass er als „begnadeter Kommunikator Menschen zusammenbringt“. Das Festival hatte bei seiner dritten Auflage in diesem Jahr 3000 Besucher angezogen.
Haberkamm habe „als Autor von Gedichten, Theaterstücken, Erzählungen und Romanen, mit der charakteristischen Verbindung von Sprache und Musik und als Initiator des Mundartfestivals Edzerdla die Szene der fränkischen Literatur nicht nur bereichert, sondern geprägt“, schloss Seiderer.
Haberkamm, der als Gymnasiallehrer für Deusch und Englisch in Spardorf und Erlangen arbeitete, hatte 2022 den Wolfram-von-Eschenbach-Kulturpreis des Bezirks Mittelfranken erhalten. Vorher wurde er unter anderem mit dem Literaturpreis der mittelfränkischen Wirtschaft, dem Frankenwürfel und dem Erlanger Kulturpreis ausgezeichnet.
In einem Interview mit der Fränkischen Landeszeitung hatte er Einblick in seine Arbeitsweise gegeben und betont, dass für ihn der fränkischen Dialekt keine Grenzen habe.