Geschäftsleute aller Art, Hochschulprofessoren und -mitarbeiter, Politiker, Impulse zum Thema Künstliche Intelligenz, Livemusik, Cocktails, Essen, ein lauer Sommerabend. Die Voraussetzungen für den Unternehmerabend der Stadt Ansbach waren ideal. Zum zweiten Mal fand er auf dem Campus der Hochschule statt.
Das Publikum war bunt gemischt. Die Professorin plauderte mit dem Gastronomen, der Stadtkämmerer verhandelte sich mit der Theater-Genossenschaft aus, der Kleinunternehmer bandelte mit dem größeren Mittelständler für eine Zusammenarbeit an, der Oberbürgermeister ließ sich vom Hochschul-Präsidenten über neue Ideen informieren. Egal ob man das nun einfach Austausch oder im Wirtschaftssprech Netzwerken nennt, es ist der Kern des Unternehmerabends, den die Stadt Ansbach alljährlich veranstaltet.
Hinzu kommt jeweils ein Impulsvortrag zu einem Thema. Diesmal sprach Prof. Dr. Roman Rusch von der Ansbacher Hochschule über „Deep Fake Alarm?! Wie Politik und Wirtschaft mit synthetischen Medien umgehen“. Um zu beweisen, wie einfach sich heute mit Künstlicher Intelligenz (KI) falsche Videos erstellen lassen, zeigte er einen Auftritt von Bundeskanzler Olaf Scholz in einer Fernsehsendung – plötzlich mit voller Haarpracht in Matthias-Reim-Optik. Die Haare seien über Nacht dagewesen, schwadronierte er und erzählte im typischen Scholz-Sprech, dass die Frauen in der Bundestagsverwaltung ihn nun nur noch „Goldlocke“ nennen würden.
Ein klarer Fall von Manipulation durch KI. Aber die Ergebnisse, so Rusch, werden immer besser und vor allem immer einfacher herzustellen. „Das geht mit ein paar wenigen Klicks.“ Um Stimme und Sprache nachbauen zu können, genügen heute schon Aufnahmen, die nicht einmal eine Minute lang sein müssen.
Die Angst, dass ein Fake-Video vor der Europawahl Furore machen könnte, war groß. Rusch: „Es geht darum, Destabilisierung reinzubringen.“ Experten seien sich einig, dass es bei der Präsidentschaftswahl in den USA sicher noch weit mehr Versuche in diese Richtung geben werde.
Die Trolle, die dahinter stecken und in Russland vermutet werden, hätten auch schon in diesem Jahr Internetseiten etablierter Zeitungen geklont und dort verschiedene Falschmeldungen eingebaut. Es lässt ein Fake-Video glaubhafter erscheinen, wenn auch vermeintlich seriöse Quellen darüber berichten. Wenn dann noch Meldungen in den sozialen Medien und über Influencer verbreitet werden, erreicht das schnell eine Dimension, die vor Jahren unvorstellbar war.
Die EU reagiert darauf, indem sie Software entwickeln lässt, die manipulierte Bilder und Videos erkennt. Auch Faktenchecknetzwerke bekommen Geld aus Brüssel. Mit dem KI-Gesetz hat die EU die Leitplanken gesetzt, was künftig erlaubt ist und was nicht. Wichtig sei es auch, Medienkompetenz zu vermitteln.
Rusch betonte, dass KI nicht nur für Negatives genutzt werden könne. Unternehmen könnten viele Aufgaben den Computern überlassen. Er nannte das Beispiel einer Software, die einem Bäcker ausrechnet, wie viel Brot und Brötchen er am nächsten Tag benötigt. Die Mengen an weggeworfenen Lebensmitteln habe sich dadurch erheblich reduziert.
Für Forschungsprojekte aller Art sei die Hochschule in Ansbach der richtige Ansprechpartner, machte Präsident Prof.-Dr. Sascha Müller-Feuerstein Werbung für seine Einrichtung. „Wir haben Lust auf gemeinsame Projekte.“ Die Unternehmen in der Region könnten durch das breit aufgestellte Bildungsangebot an den verschiedenen Standorten in vielerlei Hinsicht profitieren.
Unter anderem gibt es einen eigenen Bereich für KI – das AN-Kit im Retti-Campus in Ansbach und auch das neu geschaffene Technologie-Tansfer-Zentrum in Neustadt/Aisch habe hier viel Know-how. Dort sitzen auch die Spezialisten für IT-Sicherheit.
Auch Oberbürgermeister Thomas Deffner lobte die Hochschule und ihre Innovationskraft, die in die Region hinaus strahle. Er dankte aber auch den Unternehmern, die in der Stadt ansässig sind. Mit 29.450 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei vergangenes Jahr ein neuer Höchststand erreicht worden. Das bedeutete mehr als 1650 Arbeitsplätze, die binnen eines Jahres in Ansbach hinzukamen.
Er lobte die Stadt als guten Standort für Unternehmen, dank eines starken Breitbandausbaus und einer hohen Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung, die Ansbach erst kürzlich in einem Deutschland-Ranking attestiert wurde.