Selten hat ein Klappstuhl für so viel Aufsehen gesorgt wie das frühmittelalterliche Exemplar, das im vergangenen Jahr im Rahmen von Bauarbeiten im Gewerbegebiet bei Endsee gefunden wurde.
Und dort könnte noch mehr im Boden versteckt sein, meinte Dr. Christoph Lobinger vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) am Freitag bei einer Pressekonferenz zum Auftakt der Jahrestagung „Archäologie in Bayern“, die bis Samstag in Rothenburg stattfindet. Schließlich werde das Gewerbegebiet noch wachsen.
Der Klappstuhl und die weiteren Funde in Endsee, darunter Überreste von Höhlenbären, Mammuts und Wollnashörnern, haben auch einen prominenten Platz im neuen archäologischen Jahrbuch für Bayern gefunden, das ebenfalls präsentiert wurde. Ein „archäologisches Archiv vom Paläolithikum bis zum Frühmittelalter“, also über 40.000 Jahre hinweg, wird das Areal nahe der Grenze zwischen den Landkreisen Ansbach und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim darin genannt.
Dementsprechend sind die von Archäologen als sensationell eingestuften Funde auch ein Thema bei der Tagung, sagten Prof. Dr. Bernd Päffgen, Vorsitzender der Gesellschaft für Archäologie in Bayern und Dr. Walter Irlinger, Abteilungsleiter Bodendenkmalpflege beim Landesamt, bei dem Pressegespräch.
Sie verwiesen aber auch auf die bedeutenden Funde in Rothenburg, etwa in der Judengasse. „Die ganze Altstadt ist ein Bodendenkmal“, bestätigte Oberbürgermeister Dr. Markus Naser. Weitere bedeutende Funde im Landkreis nannte stellvertretender Landrat Stefan Horndasch.
Der Klappstuhl, ein eisernes Gestell, stammt aus einem frühmittelalterlichen Frauengrab. Nach erster anthropologischer Einschätzung handelte es sich um eine im Alter von 40 bis 50 Jahren verstorbene Frau, die dort bestattet worden war. Reste einer Holzverschalung lassen auf eine geschlossene Grabkammer schließen.
Neben dem Frauengrab legten die Archäologen auch ein Männergrab frei, das sich in nahezu paralleler Anordnung befand und eine reich verzierte Waffenausstattung aufwies. Landeshistorisch stehen die beiden Endseer Gräber vermutlich im Zusammenhang mit der fränkischen Einflussnahme in der Main- und Tauber-Region im 6. und 7. Jahrhundert. Das bis heute verkehrsgeografisch günstig an der Autobahn gelegene Endsee selbst wird erstmals im Jahr 798 erwähnt.
Mittlerweile hat ein Restauratorenteam den Fund, der vor gut einem Jahr im Block geborgen und für weitere Untersuchungen in die Werkstätten des BLfD gebracht worden war, freigelegt und konservatorisch behandelt, teilte das Landesamt mit.
Eine computertomographische Untersuchung machte schnell deutlich, dass der Klappstuhl nahezu vollständig erhalten und sogar mit Verzierungen, in diesem Fall Buntmetall-Einlagen aus Messing, verziert ist. Daraufhin entschieden sich die Experten des BLfD für die behutsame Freilegung, die im Sommer dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen wurde.
Der Klappstuhl setzt sich aus zwei mit einem Achsstift verbundenen Rahmen zusammen, an den horizontalen Streben befinden sich zwei schmale Schlitze. Diese dienten zur Befestigung der Sitzfläche, die vermutlich aus einem Tierfell bestand, worauf mineralisierte, organische Reste hindeuten. Die Verzierungsmotive reichen von Spiralen über Rauten bis hin zu Fischgrätmustern.
„Der äußert seltene Fund eines frühmittelalterlichen eisernen Klappstuhls im August 2022 war bereits eine Sensation, doch dass sich nach über 1400 Jahren Verbleib im Erdboden eine solche Dichte an Details erhalten hat, war selbst für die Experten des BLfD eine Überraschung. Mittels modernster Technik und hocherfahrener wissenschaftlicher Begleitung, konnte der spektakuläre, international beachtete Jahrhundertfund, buchstäblich wieder auf die Beine gestellt werden“, äußert sich Generalkonservator Prof. Dipl.-Ing. Architekt Mathias Pfeil, Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.