Zur Pilgerstätte wurde am Mittwoch das Industriegebiet in Burgbernheim. Übereinandergestapelte Wohn-Container hatten das Interesse etlicher Bürger geweckt. Die Nachricht, dass in der Straße „Im Grund“ geflüchtete Menschen untergebracht werden sollen, verbreitete sich wie ein Lauffeuer, Telefone standen nicht mehr still. Doch nach und nach stellte sich heraus: An den Gerüchten ist nichts dran.
Rund 150, teils in drei Reihen übereinander gestapelte Container, mit Fenstern und Türen, teils mit überdachten Aufenthaltsflächen dazwischen, erwecken den Eindruck eines Container-Dorfs. Bürger vor Ort spekulierten gar schon, dass erste Busse bald schon Geflüchtete bringen, die dort untergebracht werden sollen. Aber: „Wir bauen in Burgbernheim absolut kein Flüchtlingslager“, sagt Werner Wagner, der Chef der gleichnamigen Firma, die bekanntlich mobile Toilettenwagen im Luxussektor und sogenannte Gafferschutzzäune herstellt.
Die Fläche hinter dem Firmengebäude wolle man wirtschaftlich nutzen, sagt Wagner auf Nachfrage unserer Redaktion, weiter wolle er sich aus eben diesen „wirtschaftlichen Gründen“ nicht dazu äußern. Sein Telefon klingle fast ununterbrochen, weil Anrufer wissen wollen, wofür diese Container sind.
Bastian Kallert, Pressesprecher beim Landratsamt, hatte am Vormittag ebenfalls schon etliche Anrufe. „Das ist eine Firmengeschichte. Es gibt auch keine konkreten Pläne für die Unterbringung von Flüchtlingen in Burgbernheim“, sagt Kallert, der aber nicht ausschließen möchte, dass die Container vielleicht irgendwann auch einmal für Flüchtlinge genutzt werden könnten. Der Landkreis habe bislang allerdings noch keine Container bestellt.
Kallert sagt aber auch: „Die Zuweisungsthematik wird sich in den nächsten Tagen noch verschärfen.“ Zeitnah müsse eine Lösung für die Unterbringung der dem Landkreis zugewiesenen Flüchtlinge gefunden werden. Wie viele das sein werden, sei schwer abzuschätzen. Die Zahlen änderten sich stetig und können auch deutlich steigen, je nach dem, wie viele Flüchtlinge in Mittelfranken aufzunehmen sind. „Bei einer Erfüllungsquote von 100 Prozent liegen wir momentan bei 1135 Flüchtlingen für den Landkreis“, erklärt Kallert.
Ein starker Zustrom sei derzeit aus der Türkei zu beobachten, es sei aber eine „bunte Mischung“ von Menschen aus verschiedenen Ländern. Auch komme es auf die Auslastung des hiesigen Ankerzentrums in Zirndorf mit seinen Außenstellen an. Momentan arbeite man im Landratsamt auf Hochtouren an einer Lösung. In der Bürgermeisterdienstversammlung Anfang November kommt das Thema erneut auf den Tisch, weil sich ein Bild bereits jetzt abzeichne: „Die Gemeinden haben einfach wenig Liegenschaften, selbst, wenn sie helfen wollen, ist das dann schwierig“, sagt Kallert.
Auch in Burgbernheim hat Bürgermeister Matthias Schwarz da wenig Hoffnung: „Wir schreiben jetzt noch einmal unsere Leerstände aktiv an.“