Im Jahr 2026 ist Schluss. Auch hinter dem Evangelischen Bildungszentrum auf dem Hesselberg und anderen Einrichtungen im Landkreis Ansbach stehen Fragezeichen.
Die Landessynode hatte im März 2022 beschlossen, die von der Landeskirche bezuschussten Tagungshäuser von externen Gutachtern nach einem Kriterienkatalog bewerten zu lassen. Bis 2030 will die Landeskirche ihre Zuschüsse in diesem Bereich auf neun Millionen Euro pro Jahr begrenzen. Seit April liegt das Gutachten vor, viele Gespräche mit den Häusern wurden geführt. Nun ist unter anderem klar: Das Wildbad Rothenburg wird geschlossen.
In der Region rund um die ehemalige Reichsstadt dürfte diese Entscheidung ein kleineres Beben auslösen – und das nicht nur in evangelischen Kreisen. Regionalbischöfin Gisela Bornowski habe die Mitarbeitenden am Dienstag informiert, dass ab 2026 keine Gelder mehr für das Haus zur Verfügung stehen, teilte der Einrichtungsleiter Dr. Wolfgang Schuhmacher mit. Trauer, Empörung und Unverständnis seien die Reaktion gewesen. Rothenburgs Oberbürgermeister Dr. Markus Naser sprach gestern von einer „Bankrotterklärung“ der Landeskirche. Eventuell noch vorhandene Spielräume, um die Schließung abzuwenden, will er auf jeden Fall nutzen.
Als es im Jahr 2017 schon einmal einen Kaufinteressenten für das wildromantisch am Ufer der Tauber gelegene Haus gab, war die Gegenwehr für die Verkaufspläne riesig. Für viele – vor allem innerkirchlich wichtige – Tagungen und Veranstaltungen bot das Wildbad ein mondänes Ambiente. Die Regionalbischöfinnen und -bischöfe des Kirchenkreises feierten hier Sommerempfänge, auch der Pfarrer- und Pfarrerinnenverein war regelmäßig dort zu Gast. Damit dürfte es bald vorbei sein.
Das Wildbad soll „zeitnah geschlossen und verkauft“ werden, heißt es in einem dreiseitigen Papier, das als Exzerpt der Gutachten bereits am Samstag voriger Woche den Mitgliedern der Landessynode – dem Parlament der Evangelischen in Bayern – in Vorbereitung auf die Herbsttagung vorgelegt wurde, die gestern Abend in Amberg begonnen hat. Kritik oder gar einen Aufschrei gab es nicht, nur das ein oder andere Raunen sei in der Nürnberger Sebalduskirche zu hören gewesen, als die zuständigen Oberkirchenräte Stefan Blumtritt und Stefan Reimers die Ergebnisse präsentierten. Ob das während der Herbsttagung auch so sein wird, bleibt abzuwarten.
Ein großes Fragezeichen steht weiter hinter dem Evangelischen Bildungszentrum am Hesselberg. Eigentlich dürfte es „in zwei bis drei Jahren nicht mehr gefördert werden“, heißt es in dem Papier. Wegen seiner großen Bedeutung für die Kirche in der Region, aber auch darüber hinaus, soll es nun Kooperationspartner suchen, am besten finanzkräftige.
Als Veranstaltungsort für den jährlichen bayerischen Evangelischen Kirchentag, als Tagungsort vieler kirchlicher Berufsgruppen, als Standort der Fachstelle „Ländliche Räume“ sowie der Evangelischen Dorf- und Betriebshilfe und wegen der Verantwortung für das dortige NS-Erbe bekommt der Hesselberg eine zweite Chance.
Ganz sicher weiter auf der finanziellen Zuwendungsliste der Landeskirche stehen demnach nur noch fünf Häuser: die Evangelischen Bildungszentren (EBZ) Pappenheim und Bad Alexandersbad, das evangelische Kloster der Frauen-Communität Casteller Ring (CCR) auf dem unterfränkischen Schwanberg, außerdem die nach einer Sanierung kürzlich wieder eingeweihte Jugendbildungsstätte Neukirchen bei Coburg und das Gästehaus der Communität Christusbruderschaft Selbitz.
Diese fünf Häuser haben in der Nutzwertanalyse besonders gut abgeschnitten“ – inhaltlich, betriebswirtschaftlich und baulich. Noch unklar ist die Zukunft des Hauses Respiratio auf dem Schwanberg, das man mit anderen Landeskirchen gemeinsam betreibt.
Nach dem Aus für den geplanten neuen kommunal-kirchlichen Campus in Neuendettelsau stehen auch das bisherige Gästehaus des Partnerschaftszentrums Mission Eine Welt, die Tagungszentren der Rummelsberger Diakonie und die Übernachtungsmöglichkeiten des Religionspädagogischen Zentrums (RPZ) in Heilsbronn auf der Kippe. Ihre Arbeit soll auf ein bis zwei Standorte konzentriert werden. Keine Zuschüsse mehr erhalten in Zukunft darüber hinaus das Haus der Stille des Pastoralkollegs der Landeskirche in Neuendettelsau und das Predigerseminar in Nürnberg. Damit wird deren faktisches Aus noch einmal offiziell besiegelt.
Auf Nachfrage bestätigt Oberkirchenrat Blumtritt: „Wir werden sicher mit mehr als den fünf Häusern in die Zukunft der kommenden Jahre gehen.“ Dazu würden Projektteams eingesetzt, die Prüfaufträge für einzelne Einrichtungen erhielten, die baldmöglichst oder zumindest vor 2030 abgeschlossen sein sollen.
Allerdings werde es „für kein Haus eine unbegrenzte unumstößliche Fortbestandsgarantie“ bezüglich landeskirchlicher Zuschüsse geben – alle Finanzmittel seien „längerfristig abhängig von der Entwicklung“ bei der Kirchensteuer, hieß es.