Kunsthalle Hilsbach: Die Regentropfen von Chinatsu Ikeda | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 19.04.2024 19:12

Kunsthalle Hilsbach: Die Regentropfen von Chinatsu Ikeda

„After the Waves at Matsushima, Part 2“ nennt sich dieses Werk, das die aus Japan stammende Künstlerin Chinatsu Ikeda in Hilsbach zeigt. (Foto: Martina Kramer)
„After the Waves at Matsushima, Part 2“ nennt sich dieses Werk, das die aus Japan stammende Künstlerin Chinatsu Ikeda in Hilsbach zeigt. (Foto: Martina Kramer)
„After the Waves at Matsushima, Part 2“ nennt sich dieses Werk, das die aus Japan stammende Künstlerin Chinatsu Ikeda in Hilsbach zeigt. (Foto: Martina Kramer)

Regentropfen, die an mein Fenster klopfen, Raindrops keep falling on my head, when the rain starts to fall – sie sind ein beliebtes Bild, in dem vielfältige Emotionen ausgedrückt werden. In Hilsbach kann man sie sogar im Inneren eines Raumes erleben, bei der Ausstellung von Chinatsu Ikeda. „Where the Rain Starts to Fall“ heißt ihre Kunstschau.

Wer die Kunsthalle in Hilsbach betritt, wird einen kurzen Moment der Überraschung erleben. Große Regentropfen-Objekte hängen an kaum sichtbaren Fäden von der Decke herab und verändern augenblicklich die Atmosphäre des Raums. Sie stellen die Verbindung desselben mit den Malereien der japanischen Künstlerin Chinatsu Ikeda her, die an den Wänden gezeigt werden. Ein raumgreifendes Display mit ganz besonderem Charme. Denn schaut man die Wasserfarb-Gemälde genau an, dann kehrt das Regentropfen-Thema in fein ziselierter Form gestalterisch in der Malerei wieder. All die Landschaften, die die in Berlin lebende Künstlerin hier komponiert hat, bestehen aus Abertausenden von Regentropfen.

Reinigende Symbolik

Regen, Flüsse, das Meer, Wasser an sich habe für sie eine reinigende, sich erneuernde, ja fast kathartische Symbolik, sagt Chinatsu Ikeda. „Es fühlt sich an, als ob etwas passiert, eine Bewegung der Reinigung, ein Neustart, eine wohltuende Frische“, beschreibt sie ihre Empfindungen. Wasser als Mittel der Purifikation ist auch in der Tradition ihres Heimatlandes Japan von Bedeutung. Inzwischen kennt Chinatsu Ikeda auch die westliche Welt. Die 1980 in Osaka geborene Künstlerin hat an der „School of the Art Institute“ in Chigago studiert, bevor sie 2020 nach Deutschland kam.

Dass sich ihre Kunst auf Vorangegangenes bezieht, zeigt der Zyklus „After the Waves at Matsushima“. Eines der Bilder daraus präsentiert sie auch auf dem Ausstellungsposter. Es zeigt einen bizarren Felsen, der von einem aufgewühlten Meer umtost wird, überdacht von einem wolkenverhangenen Himmel, aus dem vereinzelte Sonnenbahnen hervortreten. Es ist ein Ausschnitt aus einem größer angelegten Gemälde, das Künstlerin Chinatsu Ikeda in zwei weitere, eigenständige Bilder zerlegt hat.

Diese Reihe lehnt sich an das Werk des japanischen Künstlers Korin Orgata (1658 bis 1716) an, dessen leicht abstrahierte, farbintensive, dynamische Darstellung sich wiederum auf eine ältere und zugleich formalere Quelle bezieht: Tawayara Sotetsu (1570 bis 1643). Dessen Werk hängt heute im Smithsonian’s National Museum of Asian Art in Chicago. Auch bei diesem sind die beiden Felsen mitten Meer unter einem belebten Himmel schon das Motiv. Die Regentropfen-Bilder von Chinatsu Ikeda greifen dieses Thema in charmanter Weise wieder auf und überbrücken mühelos mehr als 450 Jahre japanischer Kunsthistorie.

Natur als Inspirationsquelle

Natur als Inspirationsquelle, die auch Anlehnung an das Phantastische erlaubt, ist für die Kunst Chinatsu Ikedas von zentraler Bedeutung. Unlängst weilte sie für einige Zeit in Hilsbach als Artist in Residency und veranstaltete in Ansbach einen Workshop mit Kindern. Sehr beeindruckt habe sie der Kontrast zwischen dem pulsierenden Leben in der Großstadt Berlin und der ländlichen Gemächlichkeit in Franken, die viel Raum zur Selbstreflexion ermögliche.

Bunt, kraftvoll und lebhaft ihre Reaktion auf diese Gegebenheiten, wie ihr großformatiger Bilderzyklus zeigt, der am Treppengeländer zum Untergeschoss angebracht ist. Dieser steht ganz im Gegensatz zu ihrer Malerei, die sie aus Berlin mitgebracht hat. Und zeigt doch auch wieder eine Facette des Gesamtthemas, das diese Ausstellung so wirksam ins Szene setzt.

Am Sonntag, 21. April, hat die Kunsthalle in Hilsbach 4–5 noch einmal von 14 bis 17 Uhr ihre Pforten geöffnet.


Von Martina Zumach
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