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Veröffentlicht am 07.08.2024 18:39

Landwirte in Ansbach die Bäume gießen lassen: Was aus der Idee wurde

Die Stadtgärtnerei hat in den vergangenen Jahren Probleme gehabt, ihre Stadtbäume über die immer heißeren und trockeneren Sommer zu bringen. Jetzt hat man eine zusätzliche Saisonkraft in Vollzeit fürs Bäumegießen eingestellt und zusätzliches Equipment geordert – was allerdings einige Fragen aufwirft.

Im heißen Juli 2023 hatte Baureferent Jochen Büschl im Bauausschuss beklagt, dass man bei neu gepflanzten Stadtbäumen einen Ausfall von 20 bis 25 Prozent habe – und das, obwohl die Verwaltung bei Neupflanzungen die Bewässerung für drei Jahre mit ausschreibe. Büschl hatte damals eine zusätzliche Saisonkraft und ein weiteres Groß-Tankfahrzeug gefordert.

Die Landwirte und ihre Güllefässer

Dieser Forderung ist man offenbar nachgekommen, obwohl im Ausschuss durch CSU-Stadtrat Gerhard Sauerhammer eine ganz andere Idee zur Sprache kam: Auf dem Land gebe es jede Menge ehemaliger Bauern, die noch Güllefässer hätten, so Sauerhammer: „Wieso vergeben wir das Bewässern der Bäume nicht an die Landwirte? Das kommt uns weitaus günstiger.“ Die Verwaltung versprach damals, Einzellose für Straßenabschnitte zur Ausschreibung zusammenzustellen.

Die FLZ fragte bei der Verwaltung nach, was – ein Jahr danach – aus dieser Idee geworden ist. „Um die Aufträge vergeben zu können, hätte man 50.000 Euro in den Verwaltungshaushalt 2024 einstellen müssen“, erklärte Stefan Guggenberger vom Geschäftsbereich des Oberbürgermeisters. Das sei dann den Sparzwängen des Haushaltes zum Opfer gefallen. In den Haushaltsberatungen war davon allerdings nicht die Rede. Man habe verwaltungsintern entschieden, den Ansatz für die Bewässerungs-Bauern gar nicht erst in den Entwurf des Kämmerers hineinzuschreiben, so Guggenberger. Für den Haushalt 2025 will man aber versuchen, entsprechende Mittel bereitzustellen.

Rund 50.000 Euro hat die Stadt stattdessen für neue Ausrüstung ausgegeben. Zum Beispiel für ein 6000 Liter fassendes Gießfass, das auf einen Lkw montiert werden kann, über den die Stadtgärtnerei bereits verfügt. Das größte Gießfahrzeug, das die Stadtgärtner bisher hatten, verfügte über eine Kapazität von 3000 Litern. Dazu kommen zwei 1500-Liter-Tanks zur Montage auf Fahrzeuge sowie zwei Kleintraktoren mit 1000 Litern und 750 Litern Kapazität. „Außerdem können wir zusätzlich einen der zwei städtischen Kanalspül-Lastwagen aktivieren“, so Guggenberger.

Angeschafft wurde auch ein neuer Gießarm für das 3000-Liter-Fahrzeug, das es dem Mitarbeiter ermöglicht, den Gießvorgang aus dem Führerhaus heraus zu steuern.

Equipment kommt diesen Sommer nicht zum Einsatz

Diesen Sommer, der Gott sei Dank weniger trocken ist als jene in den Jahren zuvor, wird das neue Equipment allerdings nicht mehr zum Einsatz kommen. „Die Lieferung der neuen Ausrüstung wird im Herbst erwartet“, kündigt Guggenberger an. Das hilft zwar den Stadtbäumen aktuell wenig – aber schließlich sei der Herbst die beste Zeit zum Bäumepflanzen.

CSU-Stadtrat Gerhard Sauerhammer findet es auf FLZ-Anfrage „ärgerlich“, dass seine Idee so wenig Widerhall gefunden hat und man „gleichzeitig so einen Tank bestellt hat“. Er bleibt beharrlich: „Warum fragt man nicht beim Maschinenring Ansbach an? Der besorgt entweder das Gießen selbst – oder er kennt den einen oder anderen Bauern, der das übernehmen kann.“ Offenbar sei die Not bei der Ansbacher Verwaltung noch zu klein. Sauerhammer bezweifelt auch „dass man solche Kleinstaufträge gleich groß ausschreiben muss“.

Stadtgärtnerin Monika Begert füllt an der Rothenburger Straße die Wassertaschen einer kürzlich gepflanzten Linde. Im Hintergrund das Bewässerungs-Fahrzeug mit zwei 1500-Liter-Tanks. (Foto: Winfried Vennemann)
Stadtgärtnerin Monika Begert füllt an der Rothenburger Straße die Wassertaschen einer kürzlich gepflanzten Linde. Im Hintergrund das Bewässerungs-Fahrzeug mit zwei 1500-Liter-Tanks. (Foto: Winfried Vennemann)
Stadtgärtnerin Monika Begert füllt an der Rothenburger Straße die Wassertaschen einer kürzlich gepflanzten Linde. Im Hintergrund das Bewässerungs-Fahrzeug mit zwei 1500-Liter-Tanks. (Foto: Winfried Vennemann)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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