Die Grundwasserpegel im Landkreis Ansbach sinken seit einigen Jahren. Diese Entwicklung setzte sich heuer fort. Damit sich die Grundwasservorräte wieder auffüllen können, muss das Regenwasser vor Ort zurückgehalten werden und so viel wie möglich versickern. Dies macht die Fraktion Die Grünen/Alternative Liste Leutershausen deutlich.
Das betrifft sowohl die Land- und Forstwirtschaft als auch die versiegelten Flächen innerhalb unserer Siedlungen, wie es in einer Pressemitteilung der Leutershausener Stadtratsfraktion heißt. Städte und Gemeinden sind gesetzlich verpflichtet, Niederschlags- nicht mit Schmutzwasser zu vermischen. Der Artikel 44 des bayerischen Wassergesetzes regelt, dass Staat und Gemeinden auf die dezentrale Versickerung und Maßnahmen zur natürlichen Rückhaltung und zur Speicherung hinwirken sollen.
Genau hier sieht die Fraktion massive Umsetzungsdefizite bei der Stadt Leutershausen. Damit sich die Grundwassersituation nicht immer mehr verschärft, sei dringend mehr Engagement zum nachhaltigen Umgang mit dieser wertvollen Ressource nötig. Das beinhaltet die Reduzierung von Regen- und Fremdwasser in der Kläranlage.
Die Kommune müsse bei der Versickerung von Niederschlagswasser mit gutem Beispiel vorangehen, so die Forderung. Haus- und Grundbesitzer sollten beraten werden, damit sie das Dachwasser ihrer Gebäude möglichst am Ort der Entstehung versickern lassen beziehungsweise als Brauchwasser nutzen. Die wertvollen Inhaltsstoffe des Abwassers müssten wieder in den Nährstoffkreislauf eingebracht werden. „Deswegen sollte das Kommunalunternehmen Leutershausen (KUL) unverzüglich einen Aktionsplan für die Verbesserung der Abwasser- und damit auch der Klärschlammqualität erstellen, damit eine nachhaltige Verwertung unseres Klärschlamms als Dünger auf dem Acker wieder möglich ist.“ Die Schadstofffracht im Abwasser müsse reduziert werden. Das KUL habe die Möglichkeit, entsprechende Anreize zu setzen.
Neben Maßnahmen zur Förderung der Grundwasserneubildung ist die Reduzierung der Entnahme der zweite wichtige Schritt auf dem Weg zu einem nachhaltigen Umgang mit der lebenswichtigen Ressource. Dort, wo kein Trinkwasser nötig ist, soll Regenwasser verwendet werden. „Konkret gilt das auch für den Neubau des Bauhofs, wo derzeit Trinkwasser zum Spülen der Toiletten vorgesehen ist.“ Kommunale Flächen und Anpflanzungen sollten mit Regenwasser gegossen werden.
Die gute Nachricht ist gemäß der Mitteilung: Jeder kann zur Einsparung von Trinkwasser und zur Versickerung von Regenwasser beitragen. Haus- und Grundstücksbesitzer haben vielfach die Möglichkeit, ihr Dachwasser vom Kanal abzukoppeln und auf dem Grundstück zu versickern. Oft sind auch der Einbau einer Zisterne und die Nutzung des aufgefangenen Niederschlagswassers im Haus möglich.
Die schlechte Nachricht ist: Die Kanalisation der Stadt Leutershausen leitet aktuell Niederschlagswasser von circa 85 Hektar an versiegelten Flächen, das keiner Reinigung bedarf, in die Kläranlage ein. Außerdem gelangen laut der Genehmigungsunterlagen zur Kläranlagensanierung rund 7,4 Liter Grundwasser pro Sekunde, auch Fremdwasser genannt, das durch Undichtigkeiten in die Kanäle einsickert, in die Kläranlage. Das bedeutet, dass in der Kläranlage erheblich mehr Regen- und Fremdwasser als Abwasser „behandelt“ wird.
Kostbares Nass, das für die Grundwasserneubildung verloren ist und sowohl bei der derzeit laufenden Sanierung und Erweiterung der Kläranlage als auch im Betrieb erhebliche Kosten verursacht. „Geld, das man hätte sparen können, wenn die Stadt, wie von unserer Fraktion seit Jahren gefordert, die Versickerung von Regenwasser vor Ort, die Sanierung maroder Kanäle und die Trennung von Abwasser und Niederschlagswasser konsequent umgesetzt hätte“, macht die Fraktion in der Mitteilung deutlich.