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Veröffentlicht am 27.02.2026 15:52

Neuer Beweis gefunden: Gustav Weißkopf war doch der erste Motorflieger

Gustav Weißkopf hat wahrscheinlich als Erster einen Motorflug durchgeführt. Ein Nachbau seines Fluggeräts ist im Museum „Pioniere der Lüfte” in Leutershausen zu sehen.  (Foto: Heinz Wraneschitz)
Gustav Weißkopf hat wahrscheinlich als Erster einen Motorflug durchgeführt. Ein Nachbau seines Fluggeräts ist im Museum „Pioniere der Lüfte” in Leutershausen zu sehen. (Foto: Heinz Wraneschitz)
Gustav Weißkopf hat wahrscheinlich als Erster einen Motorflug durchgeführt. Ein Nachbau seines Fluggeräts ist im Museum „Pioniere der Lüfte” in Leutershausen zu sehen. (Foto: Heinz Wraneschitz)

Am Donnerstagabend hat John Brown „eines der berühmtesten Fotos der Welt“ seziert. Es stammt offiziell aus dem Jahr 1903 und soll den ersten über 120 Fuß weiten Motorflug der Geschichte zeigen, also jenen am 17. Dezember mit Orville Wright auf dem Fluggerät Flyer I. Brown wies vor allem auf jede Menge Details dieses Bildes hin.

Der Flughistoriker, Pilot und qualifizierte Fotograf ist seit langer Zeit davon überzeugt, dass nicht die Browns, sondern der in Leutershausen geborene Gustav Weißkopf der weltweit erste Motorflieger war; das ist bekannt. Denn für John Brown steht fest, dass die Flüge von Gustave Whitehead, wie der sich in den USA nannte, schon ab 1901 stattgefunden haben. Darüber hat er viel veröffentlicht. Doch den knapp 150 im Saal „Roter Würfel“ der Hochschule München Anwesenden und den per Live-Übertragung Zuschauenden präsentierte Brown an diesem Abend vor allem Überraschendes zu besagtem Bild, das den Wright`schen Erstflug zeigen soll.

Ebenfalls vor Ort war die Flughistorische Forschungsgemeinschaft Gustav Weißkopf und konnte sich mit einem Werbe-Banner, Flyern zu Gustav Weisskopf und zum Museum und einem Modell der 21B präsentieren.

Nach Gänsehautmoment genau hingeschaut

Vor allem auf die Schatten von Orville auf dem Flieger, von seinem Bruder Wilbur im Sand des Strands von Kitty Hawk in North Carolina und von einer kleinen Sitzbank, die mitten in der Szene steht, zeigt Brown: Denn die weisen in verschiedene Richtungen. Vor etwa sechs Wochen hatte er jenen „Gänsehautmoment“, als ihm auf einmal ein Licht aufging – oder besser: jene verschiedenen Schattenverläufe. Und seitdem habe er selbst lange sehr genau hingeschaut.

„123, nein, 118 Jahre hat das niemand gemerkt“, erklärte der Flughistoriker. Denn das Foto hatten die Wrights nicht gleich nach dem selbst proklamierten Erstflug vom 17. Dezember 1903 öffentlich gemacht, sondern erst vier Jahre später. Tatsächliche Zeugenaussagen zu dem Flug gibt es laut Brown ohnehin nur zwei: die eines 17-Jährigen, der auch das Foto gemacht haben soll – und eines Herrn, der bestätigt, dass er „das Gleiche wie der Junge gesehen“ habe.

Brown, der am New York Institute of Photography zum Profifotografen ausgebildet wurde, hat sich deshalb intensiv mit besagtem Wright-Foto befasst. Dafür hat er modernste Technik eingesetzt. Denn auch er sah bisher eher Verschwörungstheorien hinter Aussagen, dass die Wrights damals gar nicht geflogen seien. Doch nun tat er das, was gemeinhin gemacht wird, um Fake-Fotos zu erkennen: Er suchte nach Sachen, die nicht da sein sollten – und nach Schatten, die in die falsche Richtung zeigen.

„Da sind zwei Aufnahmen übereinandergelegt.“

Und tatsächlich: Er fand auf dem Foto Dinge an Stellen, „wo sie nicht sein dürften“. Etwa ein Stück Startschlitten, das unten am Flugzeug zu sehen ist – obwohl es in der Luft sein sollte. Das konnte er mithilfe von Vergleichsfotos des am Boden stehenden „Flyer“ herausfinden. „Die Digitalisierung ermöglicht es heutigen Forschern, technische Details und Einzelheiten hinsichtlich der Bestandteile, die vorher unklar waren, zu erkennen“, hob John Brown die Vorteile moderner Analysetechnik hervor. Damit erkannte er auch, dass die Kufen auf dem Bild gebogen sind – was nur unter Last der Fall sei, also wenn die Maschine am Boden wäre.

Dass die eingesetzte „Korona“-Glasplatten-Kamera an diesem trüben Tag keine so scharfen Bilder hätte produzieren können – auch das erläuterte Brown ausführlich. Wie er ebenso Details zum falschen Horizontverlauf und mehr analysierte. Nicht zuletzt aber sind es die Schatten, die für den Fotoanalytiker ein untrügliches Zeichen darstellen: „Da sind zwei Aufnahmen übereinandergelegt.“ So verläuft dieser bei Wilbur Wright, der am Boden steht, nach links; bei Orville auf dem Flieger werfen die Schuhe ihre Schatten nach rechts. Also müsse die eine Aufnahme vormittags, die andere nachmittags gemacht worden sein, so Browns eindeutige Schlussfolgerung. Und er nennt die Wrights deshalb „Hochstapler“.

„Was sagt das Deutsche Museum dazu?“

Laura Gebauer, die Leiterin des „Gustav Weisskopf Museum Pioniere der Lüfte“ in dessen Geburtsort Leutershausen gibt sich diplomatisch: „Wir als Museum freuen uns, dass aktuell wieder viel an dem Thema geforscht wird.“ Sein als „Plädoyer“ bezeichneter Vortrag dauerte 90 Minuten. Der letzte Satz: „Glauben Sie nur, was Sie sehen!“

Doch was passiert nun, „was sagt das Deutsche Museum dazu?“, fragte er in den Vortrags- und virtuellen Raum. Beim bekannten Münchener Technik-Tempel, der bislang die Wrights als die ersten Motorflieger benennt, wollte man sich nicht dazu äußern: Man kenne bislang die Beweisführung nicht, hieß es auf unsere Nachfrage.

Übrigens: Über den Erstflug des in Leutershausen geborenen Gustav Weißkopf am 14. August 1901 sind allein bis zum Ende dieses Jahres 1183 Zeitungsartikel weltweit erschienen. Auch das hat Brown herausgefunden – durch einfache Online-Recherche übrigens. Obwohl bis heute vielfach behauptet wird, es gebe nur den einen Beitrag vom 18. August 1901 im Sunday Herald.

Um dieses Bild der Gebrüder Wright geht es. Es soll gefälscht sein. (Foto: John T. Daniels)

Flughistoriker von Gustav Weißkopf überzeugt: Waren die Wrights also Fotofälscher?

Am Donnerstag hat John Brown eines der berühmtesten Fotos der Welt seziert. Es soll den ersten Motorflug der Geschichte zeigen. Aber was ist mit den Schatten?

Unstabil bei jeder Geschwindigkeit

Weniger bekannt ist ebenfalls, dass der Weißkopf-Nachbau „21B“ am 4. Oktober 1999 auf einem oberbayerischen Militärflugplatz seine Flugfähigkeit bewies, während eine Wissenschaftlergruppe des US‑Berufsverbands für Luft- und Raumfahrttechnik AIAA im Jahr 2003 im NASA-Windkanal dem Originalnachbau des „Flyer“ das Prädikat „unstabil bei jeder Geschwindigkeit“ ausstellte

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