„Das große ehrenamtliche Engagement ist wirklich toll. Mit so vielen Teilnehmenden hatten wir vorher gar nicht gerechnet“, stellt Neustadts Museumsleiter und Kreisheimatpfleger Jochen Ringer begeistert fest. Seit Januar bilden Stadtverwaltung und Geschichts- und Heimatverein in Neustadt 27 neue Gästeführer aus.
Zahlreiche Frauen und Männer seien dem Aufruf der FLZ gefolgt und ließen sich nun ausbilden, so Ringer, der die Ausbildung leitet. Sie werden nach ihrer Abschlussprüfung zusammen mit den bisherigen Kolleginnen und Kollegen, die schon länger bei Stadt- und Museumsführungen aktiv sind, Besucherinnen und Besuchern sowie Einheimischen die Kreisstadt präsentieren.
Worum geht es bei der Ausbildung? „Wir beschäftigten uns mit der historischen Altstadt und ihren Bauten, aber auch mit dem Aischgründer Karpfenmuseum und dem Markgrafenmuseum im Alten Schloss“, erläutert der Museumsleiter gegenüber unserer Redaktion. Außerdem werde ein Methodenüberblick über besucherorientierte Objektvermittlung – das Handwerkszeug eines jeden Gästeführers – vermittelt. „Aber nicht nur in der Theorie.“ Ringer führte die Teilnehmenden deshalb kürzlich durch die gesamte Stadt zu den Stationen der verschiedenen Führungen, die man als Besucherin und Besucher in Neustadt buchen kann.
Beim jüngsten Praxis-Rundgang ging es darum, einen Überblick zur Altstadt zu erhalten. Aber auch Themenführungen stehen noch auf dem Programm, bei denen spezielle Bereiche weiter vertieft werden.
Als Beispiel nennt Ringer Neustadts Schlösser. Dass Albrecht Achilles das Alte Schloss erbaute und hier mit seiner Gemahlin Anna von Sachsen bei seinen Aufenthalten in der Stadt residierte, sei in Neustadt ja relativ bekannt. Albrecht selbst steht schließlich in Form einer Bienenbeute vor dem Alten Schloss, Anna in Form einer Statue im Apothekergarten im Schlosshof.
Weniger bekannt sei dagegen ein anderer Hohenzoller, der einige Jahrhunderte später im Neuen Schloss residierte: Friedrich Christian. Auch über ihn werden die neue Führerinnen und Führer viel Spannendes erfahren, das sie weitergeben können.
Aber nicht nur wegen seines berühmt-berüchtigten Bewohners war das Neue Schloss etwas Besonderes. „Es ist nach den mittelalterlichen Burgen der erste reine Residenzbau der Frühen Neuzeit in Franken, teilt Ringer mit. Der Grundriss mit seinen Zimmerfluchten neben einem parallel dazu verlaufenden Gang sei ein Novum gewesen und habe das Prinzip des Passierens mehrerer Vorräume ermöglicht, bis man schließlich zum Markgrafen gelangte.
„Auf der Außenseite war das Neue Schloss zwar an die Stadtmauer angebaut, besaß sonst aber keinerlei fortifikatorische Eigenschaften.“ 1906 sei es bis auf den Treppenturm abgebrannt und anschließend als Schulhaus im Jugendstil wieder aufgebaut worden.
Jochen Ringer weist darauf hin, dass im vergangenen Jahr 168 Führungen in Neustadt stattfanden, die bisher von einem guten Dutzend ehrenamtlicher Stadt- und Museumsführern bewältigt wurden. „Das ist eine enorme Leistung.“
Es handelte sich um 59 gebuchte und 31 offene Stadtführungen, die an den Samstagen stattfanden, sowie 78 Museumsführungen. Bei der letzten Versammlung der Ehrenamtlichen sei dann der Wunsch nach einer neuen Ausbildungsrunde aufgekommen, um die vielen Führungen möglichst auf noch mehr Schultern verteilen zu können. „Damit sind wir jetzt gut gewappnet, wenn die Besucherzahlen in Zukunft noch weiter steigen,“ ist sich Ringer sicher. Denn nicht nur Bustouristen nehmen die Angebote des Geschichts- und Heimatvereins wahr: Auch zu Firmenfeiern oder Vereinsausflügen werden Führungen in Neustadt gebucht, ebenso von Familien und Geburtstagsgesellschaften.
Buchungen von Stadtrundgängen und Museumsführungen werden in den Museen im Alten Schloss unter der Telefonnummer 09161/6620905 oder unter info@museen-im-alten-schloss.de entgegen genommen.