Nicht Orgelmusik zur Marktzeit hieß es am Samstag, sondern präziser „Orgeljazz zur Marktzeit”. Die Würzburger Hochschullehrerin Dr. Lilo Kunkel gab in Ansbach Evergreens auf der Pfeifenorgel zum Besten.
Das Wanderfestival Jazzarise, mit dem der Bayerische Musikrat, dieses Jahr in Ansbach Station machte, hatte Lilo Kunkel an die Rieger-Mühleisen-Orgel von St. Johannis gebracht. Die prominente Orgeljazz-Expertin führte in der gut besuchten Kirche vor, wie das funktionieren kann: Jazzstandards, für ein kleines Ensemble oder eine satt besetzte Bigband, auf ein vermeintlich würdig-ernstes Instrumentes zu übertragen.
Jazz ist in der Kirchenmusik freilich schon lange kein Fremdwort mehr. Vor allem das Neue geistliche Lied animiert dazu, an der Orgel mit Jazz zu experimentieren und Choräle dementsprechend zu bearbeiten. Auch Lilo Kunkel hat dazu mustergültige Kompostionen beigetragen.
Kirchenmusik bliebt dieses Mal außen vor. Lilo Kunkel fädelte in ihrem Programm, das eine starke halbe Stunde dauerte, Jazzhits des 20. Jahrhunderts auf. Geordnet hatte sie es in drei Blöcke, Kirchenmusikdirektor Carl Friedrich Meyer wies bei seiner Begrüßung darauf hin. Die Titel der Stücke bezogen sich auf „Sonne und Mond”, „Wolken und Himmel” und auf „Blue”, was natürlich auf Blue Notes und Blues anspielte. Die Titel der Stücke legten also doch Assoziationsspuren ins Transzendente hinüber. Weil Himmel und Himmelskörper im geistlichen Kontext immer über die Wirklichkeit hinausverweisen.
Lilo Kunkel interpretierte die Evergreens sehr entspannt. Sie ruhten in sich, auch da, wo virtuose Fertigkeiten verlangt waren. Quincy Jones „The Midnight Sun Never Set” zu Beginn strahlte nur so vor sonnigem Optimismus. Bei Glenn Millers „Moonlight Serenade” verblüffte die Organistin mit einem warmen Soft-Sound, der an eine Hammond-Orgel denken ließ und Glenn Millers Stil kongenial adaptierte.
Bei David Manns „No Moon at All” schien augenzwinkernd Astor Piazzolla dazuzustoßen. Lilo Kunkels Registerkunst stellte die typischen Orgelfarben in neuen Zusammenhänge, produzierte auch untypische Farben, nutzte also das synthetisch-kombinatorische Potenzial des Instrumentes. Was etwa bei Django Reinhardts „Nuages” oder bei Marvin Fishers „When Sunny Gets Blue” schöne Effekte mit sich brachte. Kurzum: Orgeljazz zum Zurücklehnen und Mitwippen.