Als „wichtigen Zwischenschritt” bewertete Wilburgstettens Bürgermeister Michael Sommer das Ergebnis der aktuellen Kosten-Nutzen-Berechnung für die Reaktivierung der Romantischen Schiene. Allerdings halte sich bei ihm die Begeisterung derzeit in Grenzen, so der Rathauschef mit Blick auf die noch fehlende Förderzusage durch den Bund.
In der Gemeinderatssitzung nahm Sommer Bezug auf die Mitteilung der Mittelfränkischen Eisenbahn-Betriebsgesellschaft, die vor einigen Tagen über die neueste Kosten-Nutzen-Untersuchung informiert hat. Diese ergab einen Wert von 3,1. Für den Nachweis der Wirtschaftlichkeit wären 1,0 ausreichend gewesen. Das Ergebnis einer vorangegangenen Prüfung war noch bei 0,9 gelegen.
Die Aufnahme des Personenverkehrs auf der Romantischen Schiene von Dombühl nach Wilburgstetten wäre für die Kommune grundsätzlich positiv, betonte das Gemeindeoberhaupt und sprach dabei von einem ersten Schritt mit dem Ziel der Durchbindung nach Nördlingen. Sommer machte deutlich, dass die Durchbindung wegen der damit einhergehenden Ertüchtigung der Strecke auch für den Güterverkehr von Nutzen wäre.
Ob der Bund für die Reaktivierung der Romantischen Schiene tatsächlich Fördergelder zur Verfügung stellen werde, sei aus hiesiger Sicht noch nicht geklärt, erläuterte Sommer angesichts der Debatten um den Einsatz von Finanzmitteln. Wie er weiter mitteilte, laufen die Planungen auf Seiten der Gemeinde aber weiter. Sommer nannte in diesem Zusammenhang die Abstimmungen zum Bahnübergang Walkmühle. Gemeinderat Josef Zech merkte dazu an, dass an dieser Stelle auf die Belange der Nutzerinnen und Nutzer des gut frequentierten Radweges Rücksicht genommen werden müsse.
Aus Sicht der Gemeinde Wilburgstetten sei die neueste Entwicklung – soweit das Ergebnis der Kosten-Nutzen-Untersuchung tatsächlich positiv ausfalle – jedenfalls ausdrücklich zu begrüßen, betonte Bürgermeister Sommer. Allerdings lägen der Gemeinde bis jetzt noch keine Unterlagen für eine eigene Bewertung des sogenannten „vorläufigen Ergebnisses” vor.
Auf eine Nachfrage der FLZ zur Kosten-Nutzen-Untersuchung beim Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr teilte dieses mit, dass das Ergebnis insoweit vorläufig sei, als das Vorhaben sich noch in der Phase der Vor- beziehungsweise frühen Entwurfsplanung befinde und die vorliegende Bewertung einen vorläufigen Kostenstand zugrunde lege. „Eine finale standardisierte Bewertung ist erst mit den Ergebnissen der Entwurfs- und Genehmigungsplanung und im Hinblick auf den dann zu stellenden Förderantrag möglich”, so ein Sprecher des Ministeriums.
Die bisherigen vorläufigen standardisierten Bewertungen aus den Jahren vor 2022 hätten darauf hingewiesen, dass das Erreichen der Wirtschaftlichkeitsschwelle – bei einem Kosten-Nutzen-Verhältnis größer als 1,0 – bei diesem Projekt mit Herausforderungen verbunden gewesen sei. Zugleich sei es im Zuge der Planungen insbesondere zu einem Anstieg der geschätzten Projektkosten und Veränderungen im Fahrzeugkonzept gekommen, so der Sprecher weiter.
Dem stand die Einführung eines neuen Bewertungsverfahrens durch den Bund gegenüber, mit dem sowohl auf der Nutzen- als auch der Kostenseite vielfältige methodische Veränderungen verbunden waren. Dieses Bewertungsverfahren ist für Vorhaben des Bundes zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden (GVFG) seit Mitte 2022 verpflichtend anzuwenden. Im Ergebnis hat der Gutachter Intraplan laut Verkehrsministeriums festgestellt, dass die Kostenentwicklung durch einen verbesserten gesamtwirtschaftlichen Nutzen unter anderem durch den Einsatz von Akku- statt Dieselfahrzeugen, verkürzte Fahrzeiten durch eine Geschwindigkeitserhöhung auf 100 Kilometer pro Stunde und insbesondere durch die durch das neue Verfahren geänderte Bewertung von Nutzenkomponenten „deutlich überkompensiert wurde”.
Die Feuchtwanger Gruppierung Wir für Feuchtwangen – Bündnis 90/Die Grünen, die sich seit Jahren für die Reaktivierung der Bahnstrecke einsetzt, sieht mit dem Bekanntwerden des Kosten-Nutzen-Verhältnisses von 3,1 „Chancen so gut wie nie, dass ab 2028/29 wieder Züge im Stundentakt von Wilburgstetten über Dinkelsbühl, Schopfloch und Feuchtwangen bis Dombühl fahren – mit Anschluss nach Ansbach und Nürnberg”, schreibt die Gruppierung in einer Pressemitteilung.
Für Feuchtwangen wäre das ein Quantensprung in Sachen Mobilität und Standortattraktivität, ist die Gruppierung überzeugt und fordert, schnell die Voraussetzungen für eine Einbindung in das Bahnnetz zu schaffen – „mit durchdachten Haltepunkten, Fahrrad- und Pkw-Stellplätzen, guter Busanbindung und einem ansprechenden Haltestellenumfeld”. Der Bahnanschluss stärke nicht nur Feuchtwangen, sondern die gesamte Region – wirtschaftlich, touristisch und ökologisch.