Steht nach der Reaktivierung der Hesselbergbahn zwischen Gunzenhausen und Wassertrüdingen die nächste Wiedergeburt einer seit Jahrzehnten stillgelegten Bahnstrecke in Mittelfranken an? Es besteht zumindest Hoffnung, dass ab 2027 wieder Züge zwischen Dombühl und Wilburgstetten rollen.
Es wurde eng im kleinen Bistro und Dorfladen im modernisierten Bahnhof in Dombühl, wo sich der grüne Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig mit seinem Parteikollegen Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Verkehrsausschusses, austauschen wollte. Es sollte um die mögliche Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Dombühl und Wilburgstetten, vielleicht sogar bis Nördlingen gehen.
Deshalb waren Vertreter aus betroffenen Anrainer-Kommunen gekommen, aber auch Dombühls Bürgermeister Jürgen Geier und der grüne Direktkandidat für den Bundestag, Sebastian Amler. Beredter Vertreter der Praxis war Heino Seeger, der Geschäftsführer der Mittelfränkischen Eisenbahnbetriebs GmbH (MEBG).
Bestrebungen, die Strecke zu reaktivieren, gibt es bereits seit 2009. Doch nach den Worten des Bundestagsabgeordneten Gastel sind die Chancen für die Reaktivierung „regional bedeutender Strecken“ mit Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) deutlich gestiegen. Die GVFG-Förderung durch den Bund basiere auf einer neuen standardisierten Bewertungsmethodik, so Gastel.
Dabei flössen nun viele neue Kriterien, zum Beispiel der Klima- und Umweltschutz oder der Tourismus, bei der Kosten-Nutzen-Analyse ein. Wichtig sei, einen Kosten-Nutzen-Faktor von 1,0 zu erreichen. Außerdem seien die zur Verfügung stehenden Mittel von einer Milliarde Euro jährlich auf zwei Milliarden Euro verdoppelt worden.
MEBG-Geschäftsführer Heino Seeger hörte die Botschaft, doch ihm fehlte ein wenig der Glaube angesichts der Schwierigkeiten, die seiner Gesellschaft beim Stellen des Förderantrags entgegenstehen. So sei die Strecke über die Jahrzehnte so heruntergewirtschaftet worden, manche Brücke so marode, „dass sich die Kostenperspektive verschlechtert“.
Bisher sei man auf einen Kosten-Nutzen-Faktor von 0,9 gekommen, hat also die Förderschwelle knapp gerissen. Außerdem hätten sich die Bedingungen geändert: Bisher habe man mit Diesel-betriebenen Zügen gerechnet, nun seien Batterie-elektrische Züge notwendig, was die Sache teurer mache.
Die Planungen, die mit 1,7 Millionen Euro durch den Freistaat sowie jeweils 500.000 Euro durch den Landkreis Ansbach und die Stadt Dinkelsbühl gefördert werden, sehen 42 Züge täglich zwischen Dombühl und Wilburgstetten vor.
In Dombühl hat die Strecke Anschluss an die S-Bahn-Strecke. Weil die aus Nürnberg kommende S-Bahn seit 15. Dezember 2024 nach Crailsheim weiterfährt und nicht in Dombühl auf die Rückfahrt warten muss, wird ein halber Bahnsteig frei, der von der reaktivierten Bahnlinie genutzt werden könnte. Jedenfalls würde aus dem barrierefrei umgebauten Bahnhof Dombühl ein echter Eisenbahn-Knotenpunkt.
Nach Seegers Worten ist eine spezialisierte Münchener Firma gerade dabei, die geforderte Standard-Bewertung neu durchzuführen. „Wir hoffen, dass wir in vier Monaten damit fertig sind“, sagte Seeger – und dass es gelingt, den Kosten-Nutzen-Faktor auf 1,0 zu heben. Der Rheinländer Seeger, der einst die Bayerische Oberlandbahn wiederbelebt hat, bleibt trotz allem optimistisch. Geht alles glatt, könnten Ende 2027 die Züge rollen.