Rothenburger Jugendliche reisen mit Kamera und Mikro ins Mittelalter | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 09.04.2025 08:00

Rothenburger Jugendliche reisen mit Kamera und Mikro ins Mittelalter

Viel Arbeit liegt hinter dem Realschul-Filmteam (von links): Felix Hubrig, Christian Cicciarelli, Lea Schöller, Simone Lindner, Leonie Klaus und Melanie Nowarra. Jetzt warten sie gespannt, ob sie beim Wettbewerb „Mittelalter ist überall“ überzeugen können. (Foto: Simone Hedler)
Viel Arbeit liegt hinter dem Realschul-Filmteam (von links): Felix Hubrig, Christian Cicciarelli, Lea Schöller, Simone Lindner, Leonie Klaus und Melanie Nowarra. Jetzt warten sie gespannt, ob sie beim Wettbewerb „Mittelalter ist überall“ überzeugen können. (Foto: Simone Hedler)
Viel Arbeit liegt hinter dem Realschul-Filmteam (von links): Felix Hubrig, Christian Cicciarelli, Lea Schöller, Simone Lindner, Leonie Klaus und Melanie Nowarra. Jetzt warten sie gespannt, ob sie beim Wettbewerb „Mittelalter ist überall“ überzeugen können. (Foto: Simone Hedler)

Auf dem Tisch im Klassenzimmer stehen Gummibärchen, Chips und Kekse. „Nur Popcorn habe ich keines bekommen“, sagt Melanie Nowarra. Kinoatmosphäre kommt dennoch auf. Denn das Filmteam der Oskar-von-Miller-Realschule sieht sich gemeinsam ihr aktuelles Werk an: eine Dokumentation über die Judengasse 10.

Erst in der Woche zuvor ist der Film fertig geworden – gerade rechtzeitig, damit ihn das ViTeRo, das Video-Team-Rothenburg, beim Wettbewerb „Mittelalter ist überall“ des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus einreichen konnte. Und eigentlich hätten sie das fertige Werk nun zum ersten Mal ansehen wollen.

Aber: „Ganz spontan kam Kulturerbe Bayern auf uns zu“, berichtet Nowarra. Der Verein hat das Gebäude in der Judengasse 10 saniert und zu seinem Frühjahrsempfang dorthin eingeladen. „Als besonderer Höhepunkt wurde kurzerhand unser Film gezeigt.“

Premiere bei Empfang von Kulturerbe Bayern

„Das war natürlich eine besondere Ehre für uns“, sagt Lehrerin Simone Lindner, die gemeinsam mit Nowarra die Gruppe leitet. Die besteht in diesem Schuljahr aus Lea Schöller, Leonie Klaus, Madeleine Weidmann, Christian Cicciarelli und Felix Hubrig. Alle besuchen die siebte Jahrgangsstufe und treffen sich alle zwei Wochen montags nach dem Unterricht.

Lea ist als einzige bereits seit drei Jahren dabei. „Wir hatten verschiedene Wettbewerbe zur Auswahl“, erzählt sie. „Das Mittelalter ist typisch für Rothenburg, daher haben wir uns dafür entschieden.“

Die Idee zum Thema Judengasse kam schließlich von Hans-Gustaf Weltzer. Der ist nicht nur Stadtheimatpfleger, sondern auch ehemaliger Kunstlehrer der Schule. Und: Er ist in der Judengasse 10 aufgewachsen. Er erinnert sich noch genau daran, wie es innen aussah, erzählt er. Und auch Kleinigkeiten, wie zum Beispiel das Geräusch der Treppe, seien immer noch präsent.

Der Stadtarchivar erklärt den historischen Hintergrund

Dass er im Film zu Wort kommen soll, war für das Schulteam selbstverständlich. „Aber dann haben wir erstmal überlegt, welche Orte noch vorkommen sollen und welche Menschen wir befragen“, erzählen die Jugendlichen.

Die Wahl fiel unter anderem auf Dr. Florian Huggenberger, den Stadtarchivar, der historische Hintergrundinformationen zum jüdischen Leben in der Stadt lieferte. Und in der Judengasse 10 kam nicht nur Weltzer zu Wort, sondern auch Karin Bierstedt als Vertreterin von Kulturerbe Bayern.

Wenn die Schülerinnen und Schüler an den Dreh dort zurückdenken, erinnern sie sich zuallererst an die Lichtverhältnisse im Haus. „Es war sehr dunkel“, erzählen die Jugendlichen. Mit Scheinwerfern testeten sie verschiedene Einstellungen, bis eine gute Lösung gefunden war. Die wurde dann bei der Premiere sogar vom Profi gelobt: Dr. Sybille Kraft, Vorsitzende von Kulturerbe Bayern, ist selbst Dokumentarfilmerin und fand nur lobende Worte für das Schulteam – das natürlich zur Veranstaltung eingeladen war.

Windgeräusche und Kindergeschrei

Das Team hatte immer wieder Hindernisse zu bewältigen. „Bei manchen Szenen hätten wir nie gedacht, dass sie so aufwendig werden“, sagen die Jugendlichen. Zehn Mal mussten sie zum Beispiel die Vorstellungsrunde drehen. „Da waren die Windgeräusche, ein Fenster, in dem sich die Kamera gespiegelt hat, und dann auch noch Kindergeschrei von nebenan“, berichten sie und rollen dabei die Augen. Die frühe Dunkelheit oder unerwartetes Regenwetter hätten ihnen auch schon mal einen Strich durch die geplanten Außenaufnahmen gemacht.

Zum Glück sind Simone Lindner und Melanie Nowarra mittlerweile alte Hasen in Sachen Film. Seit 2016 sind sie im Filmteam aktiv. Anfangs arbeiteten die beiden in der Dokumentarfilmgruppe von Thilo Pohle mit. Zusammen mit Kollegin Kerstin Schmidt wurden erste Filme produziert, bevor die beiden dann die Gruppe in der jetzigen Form organisierten. „Am Anfang standen wir da wie der Ochs vorm Berg. Aber mit der Zeit kommt man rein“, erinnern sie sich mit einem Schmunzeln. Als der Einsendeschluss des Wettbewerbs kurz bevorstand, haben die beiden einige Extra-Schichten eingelegt, damit alles rechtzeitig fertig wurde.

Jetzt heißt es erstmal abwarten – im Mai sollen die Gewinnerinnen und Gewinner bekanntgegeben werden. Egal wie es ausgeht: ein zweiter Teil der Dokumentation über die Judengasse 10 ist bereits in Planung, da sind sich alle einig.

north