Frieda ist ein kleines Schaf und hat schon einen Job: Einmal pro Woche besucht es mit seiner Schäferin Carmela Schulz das Uffenheimer Gerlach-von-Hohenlohe Stift und begeistert die dort lebenden Seniorinnen und Senioren. Die Freude ist groß, wenn es heißt: Heute kommt Frieda wieder.
Carmela Schulz ist ausgebildete Schäferin und stammt aus Naumburg an der Saale. Lange lebte sie in der Gegend um Prignitz in Brandenburg, wo sie für rund 1000 Schafe verantwortlich war. Der Schäferberuf liegt ihr am Herzen, doch er sterbe allmählich aus, sagt Schulz. Aufhalten lässt sich das kaum, obwohl sie sogar schon an Demonstrationen für ihren Berufsstand und seine Arbeitsbedingungen teilgenommen hat.
Gelohnt hat es sich für sie allemal, obwohl sie mutmaßlich nicht viel für ihren Berufsstand erreichen konnte. Doch bei einer dieser Demos lernte sie ihren Mann kennen, die große Liebe ihres Lebens, und zog zu ihm ins mittelfränkische Hohlach. Aktuell hält das Ehepaar noch rund 100 Schafe - als Hobby. Eines davon hört (manchmal) auf den Namen Frieda. Frieda ist noch ein Lämmchen, bringt aber immerhin schon rund 30 Kilogramm auf die Waage und ist - das passt - am Ostersonntag auf die Welt gekommen.
Schon vor geraumer Zeit kam Carmela Schulz auf die Idee, mit einem besonders knuffigen Schaf Seniorenheime zu besuchen, um den Menschen dort eine Freude zu machen. Das Uffenheimer Stift in Kombination mit Frieda war dafür die ideale Wahl, denn die Heimleitung und das Personal sind dort sehr tierlieb. Mit Kater Mikesch und dem Hund einer Mitarbeiterin, die beide gerne durchs Haus streifen und sich streicheln lassen, sind schon zwei Vierbeiner unterwegs und sehr beliebt. Aber auch ins Haus der Betreuung und Pflege kommt Frieda einmal in der Woche, dreht eine Runde, darf gestreichelt und geknuddelt werden.
Hinzu kommt, dass Frieda auch ein besonders flauschiges Exemplar ist - sozusagen ein Bild von einem Lämmchen. Überall wird sie getätschelt und gekrault, ist auch nicht schüchtern, wenn es darum geht, Streicheleinheiten einzufordern. Ein bettlägriger Mann sei besonders angetan von Frieda, erzählt Carmela Schulz. Zum „Beschnuppern” krabbelte sie kurzerhand zu ihm aufs Bett - die Freude war auf beiden Seiten groß. Übrigens: Friedas Besuche sind immer eine „saubere Sache”, denn um müffelige Hinterlassenschaften zu vermeiden, trägt Frieda eine Windel. Größe XXL, natürlich.
Im Zuge dieser Besuche erzählt die Schäferin viel über die Schafhaltung und das Schäferleben. Ihr Publikum ist begeistert, da viele früher selber Tiere hielten oder sogar eine Landwirtschaft hatten. Der heimliche Höhepunkt jedes Besuchs - sowohl für Frieda als auch ihre „Kraul-Klienten” - ist jener Moment, in dem Carmela Schulz das Fläschchen auspackt. Da gehen sofort viele Hände hoch, um zu signalisieren, dass man das Füttern mit der Nuckelflasche gerne übernehmen würden. Frieda hat selbstverständlich ebenfalls keine Einwände und wenn das Fläschchen die Runde macht, dann geht sie einfach mit.
Auch die Sozialbetreuerin des Hauses, Sissy Feist, ist immer wieder begeistert von Frieda, und davon, wie gut sie den Menschen hier tut. Die Begeisterung und Vorfreude seien jedes Mal spürbar, wenn angekündigt wird: Heute kommt Frieda wieder.