Schrumpfkur am Rezat-Parkplatz alarmiert Ansbacher Händler: „Geht an die Existenz” | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 28.10.2025 08:22

Schrumpfkur am Rezat-Parkplatz alarmiert Ansbacher Händler: „Geht an die Existenz”

Es brodelt unter den Ansbacher Innenstadt-Kaufleuten. Der drohende Verlust von fast 200 Parkplätzen bei der Neugestaltung der Rezatauen hat sie alarmiert. Eine Demo vor der Stadtratssitzung am Dienstag scheiterte daran, dass kaum einer oder eine das Geschäft um 16 Uhr zusperren kann. Doch gegenüber der FLZ erheben sie ihre Stimme.

„Ich habe heute schon mit sechs Kollegen telefoniert”, beschreibt Simon Horand (Nähzentrum Horand) die Aufregung unter den Innenstadthändlerinnen und -händlern. Eigentlich wollten die Kaufleute am Dienstag um 16 Uhr vor dem Onoldiasaal demonstrieren, wenn der Stadtrat den Umbau der Rezatauen und den Wegfall der vielen Parkplätze dort berät. „Aber keiner von uns hat genügend Personal, dass er sein Geschäft allein lassen kann.” Und den Laden einfach abschließen gehe erst recht nicht.

„Wir Händler sind in den Prozess nie einbezogen worden”, sagt Edith Thiemer, die nebenan am Karl-Burkhardt-Platz das Wäschegeschäft „Stilvoll” betreibt. „Die städtische Wirtschaftsförderung hat doch einen Innenstadt-Verteiler – stattdessen wird einfach ohne uns über unsere Existenzgrundlage entschieden.” Wenn sich an der Parkplatz-Situation etwas ändert – zum Beispiel, wenn die Reitbahn dicht ist – „merken wir das sofort”, so Thiemer. Und zwar negativ.

„Eine Begrünung der City ist dringender”

Wenn er in der Früh um 8.30 Uhr in die Stadt komme, sei der Rezatparkplatz bereits so stark belegt, dass er weiter hinten parken müsse, erzählt Michael Sommer, der am Johann-Sebastian-Bach-Platz das Bürohaus Sommer betreibt. Durch die geplante Parklandschaft werde die Innenstadt noch öder. „Hier ist es doch noch toter als in Feuchtwangen”, findet er, der dort ebenfalls ein Geschäft für Bürobedarf hat.

Simon Horand stellt klar, dass die Händler gar nichts gegen die Renaturierung der Rezatauen haben. „Aber wir brauchen dringender eine Begrünung der Innenstadt.” Die Leute kämen in die Stadt, um zu flanieren, einen Kaffee zu trinken oder einzukaufen: „Aber es kommt niemand, um sich den Stadtstrand anzuschauen.” Von Touristen höre er immer wieder, wie toll Ansbach noch über inhabergeführte Fachgeschäfte verfüge. Aber die Touristen – zum Beispiel, wenn im Seenland schlechtes Wetter ist – kämen nur in die Stadt, wenn sie auch parken könnten.

„Wir brauchen das Umland zum Überleben”

„Wir brauchen das Umland zum Überleben”, sagt auch Heidi Schmidt vom Schuhteam am Bachplatz. Doch die Kunden aus Neuendettelsau oder Windsbach, wo es kein Schuhgeschäft mehr gebe, kämen mit dem Auto nach Ansbach und wollten innenstadtnah parken. Schon jetzt sei die Situation schwierig. An manchen Nachmittagen „laufen vielleicht zwei Leute vorbei, wenn ich zur Tür rausschaue”. Eine Reduzierung der Parkplätze, da ist Heidi Schmidt sicher, „ist Gift für die Innenstadt”.

„Wir müssen einen guten Kompromiss finden”, sagt Heike Kohn vom Juwelier Rossow in der Schaitbergerstraße. Beim Hochwasserschutz und auch bei der Renaturierung sei sie ganz bei der Stadt. Der Rezatparkplatz sei zwar an manchen Tagen nicht komplett ausgeschöpft, „aber wir brauchen die Parkplätze zum Beispiel beim Weihnachtsmarkt oder beim Altstadtfest – und das Mühlbach-Parkhaus hat ja auch nur eine begrenzte Kapazität”.

Angesichts der Entwicklung in der Altstadt mit reihenweise aufgebenden Ladenbesitzern bräuchte die City aus ihrer Sicht stattdessen einen positiven Schub: „Das ist doch total gruselig im Moment.”

Sie sind alarmiert (von links): Simon Horand (Nähzentrum Horand), Edith Thiemer (Stilvoll) und Michael Sommer (Bürohaus Sommer). (Foto: Winfried Vennemann)
Sie sind alarmiert (von links): Simon Horand (Nähzentrum Horand), Edith Thiemer (Stilvoll) und Michael Sommer (Bürohaus Sommer). (Foto: Winfried Vennemann)
Sie sind alarmiert (von links): Simon Horand (Nähzentrum Horand), Edith Thiemer (Stilvoll) und Michael Sommer (Bürohaus Sommer). (Foto: Winfried Vennemann)
Der Ansbacher Rezatparkplatz steht in der Diskussion. (Archivbild: Tizian Gerbing)
Der Ansbacher Rezatparkplatz steht in der Diskussion. (Archivbild: Tizian Gerbing)
Der Ansbacher Rezatparkplatz steht in der Diskussion. (Archivbild: Tizian Gerbing)

Winfried Vennemann
Winfried Vennemann
Redakteur
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