„So war es in jener Zeit”: Bad Windsheimer Autor begibt sich auf Zeitreise | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 14.10.2024 08:00

„So war es in jener Zeit”: Bad Windsheimer Autor begibt sich auf Zeitreise

Der neue Roman von Thomas Spyra trägt den Titel „Pastorius. Blaue Rosen im Dezember“. (Foto: Evi Lemberger)
Der neue Roman von Thomas Spyra trägt den Titel „Pastorius. Blaue Rosen im Dezember“. (Foto: Evi Lemberger)
Der neue Roman von Thomas Spyra trägt den Titel „Pastorius. Blaue Rosen im Dezember“. (Foto: Evi Lemberger)

Die Lebensgeschichte von Franz Daniel Pastorius ist in Bad Windsheim keine Unbekannte. Pastorius-Grundschule, Pastorius-Haus oder die Pastoriusstraße kennt jeder. Sein Leben hier und in Amerika ist gut dokumentiert und erforscht. Anders sieht es bei seinem Vater Melchior Adam Pastorius (1624 – 1702) aus. Ihm hat Thomas Sypra einen historischen Roman gewidmet.

Franz Daniels Großvater wird von Schweden erschossen, Zweifel am Glauben in Rom, kaiserlicher Oberrichter und 1672 mit „Schimpf und Schande“ aus Windsheim gejagt: Dies sind die Zutaten zu Spyras viertem Buch. Für den Autor sind sie spannend genug, um sich ausführlich mit dem Vater von Franz Daniel Pastorius und dessen Leben als Schriftsteller, Jurist und Bürgermeister Windsheims auseinanderzusetzen.

Daten und Fakten müssen stimmen

Thomas Spyra erhebt für sich auch in seinem jetzt erschienenen Buch den Anspruch, dass geschichtliche Fakten, Hintergründe und Daten korrekt sein müssen. Dem Leser wird so Gewissheit gegeben, dass die handelnden Personen, dass der Roman im historischen Kontext steht. Drei ganze Jahre lang hat er recherchiert, sich durch Archive „gelesen“, Bibliotheken nach Material zum Leben von Melchior Adam Pastorius durchsucht und im Internet geforscht.

Spyras Roman bettet das Leben von Pastorius in die Geschichte der überwiegend armen Leute jener Zeit. Bauern und Landvolk darbten, Hunger war häufig ihr Begleiter. Tagelöhner hatten beispielsweise vor den Toren der Stadt zu warten, in die sie morgens hereingelassen wurden und die sie abends wieder zu verlassen hatten. Spyra hat den Anspruch, dem Leser die zeitlichen Umstände, in die das Leben von Pastorius‘ Vater eingebettet war, die Zeit im zweiten Teil des 17. Jahrhunderts, zu erläutern.

„Der Leser muss wissen: So war es in jener Zeit.“ Aber wie war es nun? Die Familie von Pastorius Senior kommt aus Münster. Der Spross entstammt einer Kaufmannsfamilie, es waren angesehene Händler, Honoratioren.

Er möchte gerne Jura studieren

Er wird in Erfurt geboren, genießt eine entsprechende Erziehung und möchte Jura studieren. Ein vielfacher Wunsch gebildeter junger Leute in seiner Zeit. Mit einem Stipendium des Fürstbischofs von Würzburg geht sein Lebensweg nach Rom, um dort Theologie zu studieren. Er wendet sich aber schließlich dem Jurastudium zu – und zwar in einer eher außergewöhnlichen Richtung.

Sein Studium endet mit einem Doktortitel beider Welten, der theologischen und der weltlichen. Eine absolute Seltenheit in dieser Zeit. Und trotzdem: Seine Zweifel an der Kirche wachsen. Nach sieben Jahren kehrt er nach Würzburg zurück. 1649 konvertierte er schließlich vom Katholizismus zum Luthertum. Sommerhausen, Ansbach, schließlich Windsheim sind seine weiteren Lebensstationen.

Von Sommerhausen nach Windsheim

In der damaligen Freien Reichsstadt wächst Franz Daniel auf, der mit seiner Familie mit sieben Jahren von Sommerhausen nach Windsheim umzieht. Sein Vater Melchior Adam heiratet mehrfach, wird kaiserlicher Oberrichter mit 24 verschiedenen Posten und stirbt als Markgräflicher Hofrat in Erlangen. Diese Vita hat Spyra zu einem spannenden Roman verarbeitet, dessen Inhalt hier nicht weiter verraten werden soll.

Das Buch ist ab sofort beim Autor Thomas Spyra in Bad Windsheim (Telefon 09841/7218) erhältlich.


Von Hans-Bernd Glanz
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