Ein historischer Sonderzug hat am Sonntag für Hesselbergbahn und Romantische Schiene mobil gemacht – im Zug und entlang der Strecke. Eingeladen hatten die Initiativen „Verbindung zwischen Freunden“ aus Wassertrüdingen und „Mission Bahnstation“ aus Dinkelsbühl, die seit Jahren für mehr Bahnverkehr im südlichen Landkreis Ansbach werben.
Bereits am Vormittag hatte der Zug aus Nördlingen Wassertrüdingen angesteuert. Auf dem Bahnhofsgelände sprachen der neue Wassertrüdinger Bürgermeister Jörg Edelmann und Landtagsabgeordneter Helmut Schnotz (CSU). Daneben warben der bayerische Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland und die Initiative Verbindung zwischen Freunden mit Informationsständen.
Am Nachmittag startete der Sonderzug um 13.50 Uhr in Nördlingen Richtung Wilburgstetten. Auf der Fahrt zeigte sich das Interesse: Immer wieder standen Menschen an Straßen und Feldrändern und fotografierten den historischen Zug, den das Bayerische Eisenbahnmuseum Nördlingen bereitstellte. In den olivgrünen Waggons saßen jeweils zehn bis 15 Fahrgäste. Der Zug knarzte und schepperte, Äste schlugen gegen die Außenwände.
Pressesprecher Paul Hettler von der „Mission Bahnstation“ deutete während der Fahrt aus dem Fenster: „Vieles muss noch gemacht werden auf der Strecke.“ 16 Kilometer führten durch Wald und Wiese – ohne eine einzige Ortschaft dazwischen. Das erschwere die Reaktivierung. Denn der Freistaat verlange für eine reguläre Wiederinbetriebnahme mindestens 1000 Fahrgäste pro Streckenkilometer und Tag.
Manuel Rodriguez, sehbehindert, kommt aus dem Raum Augsburg und kritisiert genau diese Hürde: „Als Mensch mit Einschränkungen ist man auf den Zug angewiesen, und dafür bin ich heute da.“ In Baden-Württemberg liege die Schwelle in manchen Regionen bei 500 bis 700 Fahrgästen. „Wäre das in Bayern so, hätte man viele Strecken schon reaktiviert.“
Auf dem Bahnhofsplatz in Wilburgstetten warteten mehr als hundert Menschen, als der Zug mit zehn Minuten Verspätung um 14.50 Uhr einrollte. Der Bahnhof selbst: alt, leicht überwuchert. Wilburgstettens Bürgermeister Michael Sommer begrüßte die Gäste. Der Helferkreis Geflüchtete hatte Falafel, eine Hüpfburg und eine Fotobox aufgebaut. Parallel lief in der Bahnhofstraße der Frühjahrsmarkt. Andreas Mai vom Helferkreis hatte zuvor die Hecken am Gleis zurückgeschnitten – ohne diese Aktion hätte der Zug gar nicht einfahren können.
Sommer berichtete vom Stand der Reaktivierung des Abschnitts Dombühl–Wilburgstetten der Romantischen Schiene: Man sei „in den letzten Zügen“. Zu klären blieben noch die Entwässerung des Bahnhofsgeländes und ein Bahnübergang nördlich von Wilburgstetten. „Eigentlich hofft man quasi jeden Monat, dass es mal soweit ist“, sagte Sommer, der das Projekt seit zwölf Jahren als Bürgermeister begleitet.
Konkreter wurde der grüne Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig: Anfang Juli werde der Zuwendungsbescheid für die Strecke erwartet, im Herbst solle dann die Trasse freigeräumt werden. „Schaut jetzt relativ gut aus“, sagte Stümpfig, schränkte aber ein: „Ich möchte da nicht zu viel versprechen.“
Stümpfig warb auch dafür, parallel die Durchbindung von Wilburgstetten nach Nördlingen voranzutreiben – ohne auf den vom Freistaat geforderten Ausbau der Riesbahn zwischen Donauwörth und Aalen zu warten. Er verwies auf seine Parteikollegin Eva Lettenbauer, Landtagsabgeordnete aus dem Donau-Ries, die dazu ein Gutachten bei einem Eisenbahnberater in Auftrag gegeben hat. Das Papier schlägt vor, die Anschlüsse in Donauwörth durch eine Verschiebung der Fahrlagen um vier Minuten und kleinere Anpassungen der Signaltechnik zu ermöglichen – statt mit einem teuren Großprojekt. Damit könne die Hesselbergbahn zwischen Wassertrüdingen und Nördlingen laut Gutachten „in wenigen Jahren“ wieder rollen.
Stümpfig nutzte den Auftritt auch für Kritik an der Finanzierung. Der Landkreis Ansbach habe 2024 ein ÖPNV-Defizit von 13 Millionen Euro gehabt, ein Jahr zuvor seien es elf Millionen gewesen. Die Mittel des Freistaats für den Nahverkehr lägen seit 2019 unverändert bei 90 Millionen Euro für ganz Bayern. Der Kreistag versuche nun an allen Ecken und Enden zu sparen und habe auch die noch nicht ganz etablierten Buslinien zum Bahnhof in Wassertrüdingen ins Visier genommen. Mehrere Mitfahrende äußerten ähnliche Sorgen, vorwiegend mit Blick auf das Wochenendangebot. „Vor allem für Kinder und junge Menschen kann das ein Problem sein“, sagte ein Fahrgast. „Der ganze ÖPNV ist ein Netz – wenn die Bahn fährt, könnte man bei den Buskilometern runter.“
Die Sonderzugfahrt kostete 6000 Euro. Über eine Crowdfunding-Aktion kamen mehr als 7000 Euro zusammen. Hauptspender war die Rettenmeier Holding AG aus Wilburgstetten, die zugleich Anteile an der Streckeninfrastruktur hält. Um 15.40 Uhr fuhr der Sonderzug zurück nach Nördlingen.