18 Frauen und Männer ließen sich im Projekt „Gecko Plus” zu ehrenamtlichen Sprach- und Kulturvermittlern ausbilden. Sie können nun Geflüchteten künftig als Dolmetscher zur Seite stehen.
Die Teilnehmer haben eines gemeinsam: sie sind Sprachtalente. Die Kursteilnehmer haben selbst eine Migrationsgeschichte, kommen aus Syrien, dem Irak, der Ukraine, der Türkei, Thailand oder Venezuela und sprechen Deutsch auf B2 Niveau. Manche leben schon lange hier, haben hier studiert, andere sind selbst erst seit kurzem in Deutschland, sind aber schon so gut hier angekommen, dass sie sich ehrenamtlich engagieren.
An vier Schulungsterminen im Juli im Haus der Caritas wurde ihnen das nötige Rüstzeug beigebracht, um künftig Geflüchteten als Dolmetscher zur Seite zu stehen. Am Ende der Schulung gab es ein Zertifikat. Damit sind sie bestens vorbereitet auf ihre künftigen ehrenamtlichen Aufgaben als Sprachvermittler bei Arztgesprächen, bei Elterngesprächen in Schulen und Kindergärten, bei Behördenterminen oder anderen Alltagssituationen.
Ihre künftige Aufgabe wird es sein, als Dolmetscher zu übersetzen, was im Gespräch gesagt wurde, so Kursleiterin Laura Gudd. Es soll keine Zusammenfassung des Gesprächs sein, auch Interpretationen sind zu vermeiden. Es gehe um eine möglichst genaue Wiedergabe des Gesagten. Wichtig sei die Neutralität des Sprachvermittlers, erläuterte Gudd. Gerade in sensiblem Gesprächen, wie zum Beispiel bei medizinischen oder therapeutischen Gesprächen, sei es wichtig, dass der Dolmetscher nicht viel Raum einnimmt. Er sei eher wie die Stimme aus dem Off. Im Idealfall sollen sich Arzt und Patient direkt im Gespräch anschauen und sich angesprochen fühlen. Der Dolmetscher steht nur dahinter.
Doch dies will geübt sein. In Rollenspielen wurden die Sprachvermittler auf künftige Situationen vorbereitet. „Die Übersetzung findet in der Ich-Form statt”, so Gudd. Man müsse auch einmal einen Oberarzt bremsen, wenn er zu schnell spricht, um den Transfer zu ermöglichen. Dazu sei auch etwas Selbstbewusstsein nötig. Zum Kursinhalt gehörten aber auch Techniken der Selbstfürsorge, denn es könne auch vorkommen, dass der Sprachvermittler zu sehr vereinnahmt wird.
Gecko Plus ist ein Projekt des Diakonischen Werks Bayern e. V. und wird durch den Asyl -Migrations- und Flüchtlingsfond (AMIF) unterstützt. In Neustadt wird Gecko Plus als Kooperation von Diakonie und Caritas durchgeführt. Die beiden Integrationslosten Iris Reichel (Caritas) und Nikolai Warth (Diakonie) arbeiten hier Hand in Hand zusammen.
Das Projekt Gecko Plus läuft nur noch bis Ende Oktober, danach ist eine Verlängerung bis Jahresende möglich. Es wird für die Zeit danach nach Lösungen gesucht, denn Gecko Plus koordiniert auch die Koordination der Einsätze und die Begleitung der Ehrenamtlichen. „Wir wollen es kultivieren und weiterpflegen”, so Warth, der sich für die Organisation auch eine digitale Vermittlungsplattform vorstellen könnte.
Ein Denkansatz wäre auch, die Flüchtlings- und Integrationsberatung ins Boot zu holen, so Iris Reichel, die sich auch eine Kooperation mit dem Landratsamt wünscht. Die Sprachvermittler seien schließlich ein wertvoller Schatz, der nicht brachliegen soll, so Reichel.