Susanne Thürauf und ihre Verbindung zum Friedhof in Bad Windsheim | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 11.05.2024 16:31

Susanne Thürauf und ihre Verbindung zum Friedhof in Bad Windsheim

Susanne Thürauf bietet auch im Ruhestand weiterhin Führungen über den Friedhof an. Künftig möchte sie auch wieder einen Schließdienst übernehmen. (Foto: Nina Daebel)
Susanne Thürauf bietet auch im Ruhestand weiterhin Führungen über den Friedhof an. Künftig möchte sie auch wieder einen Schließdienst übernehmen. (Foto: Nina Daebel)
Susanne Thürauf bietet auch im Ruhestand weiterhin Führungen über den Friedhof an. Künftig möchte sie auch wieder einen Schließdienst übernehmen. (Foto: Nina Daebel)

Den Bad Windsheimer Friedhof kennt kaum jemand besser als Susanne Thürauf. Sie hat ihn 25 Jahre lang geleitet, hat seine Entwicklung geprägt und Neues aufgebaut. Nun ist sie in den Ruhestand verabschiedet worden. In dem ist sie aber bislang noch nicht so richtig angekommen.

Was Thürauf allerdings schon spürt: Sie hat mehr Zeit für sich und keinen Druck mehr. So kann sie sich dem widmen, was sie erfüllt: ihren drei Enkeln und ihrer Sangesfreude beim Chor namens „Choralle“.

Auf dem Friedhof ist sie trotzdem noch täglich. Aber nicht etwa, um zu kontrollieren. „Ich bin fest davon überzeugt, dass meine Nachfolger ihre Aufgabe sehr gut machen werden“, sagt Thürauf. Vielmehr ziehe es sie zum Grab ihres Mannes, an dem sie gerne verweilt. Dazu nutzt sie stets unauffällig den Seitenzugang.

Als Thürauf am 1. Januar 1999 als Friedhofsleiterin startete, tat sie das in ihrem eigenen Esszimmer. „Es gab kein Büro, niemand hat sich damals so richtig um den Friedhof gekümmert.“ Alles sei sehr unübersichtlich und nicht strukturiert gewesen. So habe sie sich erst einmal einen Überblick verschaffen und Pionierarbeit leisten müssen. Sie kaufte sich einen Computer und erfasste systematisch die ihr zur Verfügung stehenden Daten. Ihr oberstes Ziel sei es zunächst gewesen, Nummern und Gräber korrekt zuzuordnen und übersichtlich darzustellen.

Doch schnell wurde die Arbeit vielfältiger und intensiver. Der Friedhof musste komplett überplant, neue Angebote geschaffen, die Pflege von Hecken und Bäumen voran getrieben werden. „Das alles umzusetzen war nur möglich, weil das Team gut funktioniert hat“, sagt Thürauf und lobt auch die Mitglieder des Friedhofsausschusses, die für neue Ideen stets zu begeistern gewesen seien und ihre Umsetzung unterstützt haben. Sogar ein Friedhofscafé und einen Spielplatz hätten sie nicht grundsätzlich abgelehnt. Doch für beides sei die Zeit dann doch noch nicht reif gewesen, so Thürauf.

Für die Angehörigen ein Ansprechpartner

Obwohl sie mit den Toten selbst nichts zu tun gehabt hat, war sie für deren Angehörige stets ein verlässlicher Ansprechpartner. „Jeder lebt seine Trauer anders und braucht während dieser Zeit etwas anderes.“

Sie selbst hat früh ihre Mutter verloren. Da war sie gerade mal zwölf Jahre alt. Der dann folgende emotionale Ausnahmezustand habe sie durch ihre Jugendzeit begleitet. So habe sie aus eigener Erfahrung gewusst, wie schmerzhaft ein Verlust sein könne, was ihr den Umgang mit Hinterbliebenen mitunter erleichtert habe.

„Einige wissen genau, welches Grab sie wollen, andere haben großen Gesprächsbedarf bei der Suche und brauchen Zeit“, erzählt Thürauf, die immer auch als Seelsorgerin ansprechbar war. Sie selbst habe sich stets von ihrem Glauben tragen lassen. Und sie hat hingehört. Was wird jetzt gebraucht? Wohin geht der gesellschaftliche Trend bei Begräbnissen? „Man muss hören, was die Menschen sagen und sich wünschen.“ Weil beispielsweise längst nicht mehr jeder eine Erdbestattung wolle, sei das Angebot in Bad Windsheim auf Urnengräber erweitert worden.

Bibelweg und Ginkgo-Allee

Ab einem bestimmten Zeitpunkt seien zudem vermehrt „Naturbestattungen unterm Baum“ nachgefragt worden. Und weil der Bedarf dafür ganz offensichtlich vorhanden war, machte Thürauf auch diese Bestattungsform auf dem Bad Windsheimer Friedhof möglich. Genauso wie sie ein Grabfeld für totgeborene Kinder initiiert hat und die Urnengräber am Bibelweg.

Dass es eine ausgewiesene „Ginkgo-Allee“ gibt, ist Thürauf ebenfalls zu verdanken. „Ich liebe Ginkgo und habe mich sehr gefreut, dass mir meine Kollegen einen solchen zum Abschied geschenkt haben.“

Für Thürauf war der Platz für die Verstorbenen immer ein Lebensmittelpunkt. „Ich habe mich mit dem Friedhof identifiziert und auch gemeinsam mit meiner Familie viel Zeit hier verbracht.“ Weil er für sie sehr viel mehr sei als nur eine Ruhestätte der Toten oder ein Ort der Trauer. „Hier ist so viel Leben. Alles wächst und gedeiht, die Natur schenkt unvergessliche Momente.“ Außerdem sei es ein Ort der Verkündigung, an dem man Trost in Gottes Wort finden könne. Und Ruhe. Vor allem in Zeiten wie diesen, die geprägt seien „von so viel Unruhe in der Welt“.

Paten gesucht für die historischen Grabmale

Ein Projekt, das Thürauf sehr am Herzen gelegen hatte, das sich aber bislang nicht hat realisieren lassen: Paten für die historisch wertvollen und mitunter denkmalgeschützten Grabmale im alten Teil des Friedhofs zu finden. Sie hätte sich gewünscht, dass es durch die Patenschaften möglich geworden wäre, sie restaurieren zu lassen. „Aber auch dafür war die Zeit wohl noch nicht reif.“

Für Thürauf ist der Bad Windsheimer Friedhof besonders, weil er in Teilen denkmalgeschützt ist, Vergangenheit bewahrt und Zukunft gestaltet. Und weil sie als gebürtige Bad Windsheimerin viele der Menschen persönlich gekannt hat, deren Namen sie auf den Grabsteinen liest. „Wenn ich hier entlang laufe, sehe ich ihre Gesichter vor mir.“

Weil sie nicht weit entfernt vom Friedhof wohnt, würde sie in absehbarer Zeit gerne wieder Schließdienste ehrenamtlich übernehmen, so wie sie es schon früher getan hat. Damals immer wieder auch begleitet von der Familie. Und Thürauf wird weiterhin Führungen über den Friedhof anbieten. Die nächste wird über den Hospizverein am Freitag, 12. Juli, ab 17.30 Uhr, veranstaltet.

Beim Hospizverein will sich Thürauf künftig verstärkt engagieren, sagt sie. Weil es nun mal zum Leben dazu gehöre, dass man sterben müsse.

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